Zürich setzt auf Holzbauten statt Ikea-Häuschen

Zürich setzt auf Holzbauten statt Ikea-Häuschen

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Teaserbild-Quelle: Bild: Better Shelter (CC BY-ND 3.0)

Das Timing war denkbar unglücklich: Am gleichen Tag, an dem das Stadtzürcher Sozialdepartement darüber informierte, dass in der Halle 9 der Messe Zürich ab Januar 250 Asylsuchende in Ikea-Häuschen unterbringen will, wurde von der Kantonalen Gebäudeversicherung ein Brandtest mit den Wohneinheiten durchgeführt.

Ikea-Shelter sind brandgefährlich

Das Resultat des Tests war ernüchternd: Die weltweit im Einsatz stehenden «Better Shelters» sind zu leicht brennbar. «Die Sicherheit der Bewohner wäre bei einer Verwendung der Shelter nicht gewährleistet», hiess es seitens der Stadt Zürich. Deshalb wurden bereits aufgebaute Unterkünfte wieder entfernt, nicht aber die Holzfundamente, auf die sie gestellt wurden.

Auf diese werden nun Wohneinheiten aus Holzspanplatten aufgebaut. Sie haben dieselben Masse wie die Shelter und können genauso möbliert werden. In kürzester Zeit hat die Asylorganisation Zürich (AOZ) mit Partnern einen entsprechenden Prototyp entwickelt und aufgebaut. Die kantonale Gebäudeversicherung hat nach einer Besichtigung grünes Licht für den Aufbau gegeben.

Holzbauer legt Extraschichten ein

Gemäss der Stadt Zürich wird das städtische Übergangszentrum in der Halle 9 voraussichtlich wie geplant am 4. Januar 2016 in Betrieb genommen werden. Dass die Ersatz-Unterkünfte so schnell sind, sei auch ein Verdienst des beteiligten Holzbau-Unternehmens. Dessen Mitarbeitende produzieren die benötigten Wand- und Deckenelemente auch zwischen Weihnachten und Neujahr.

Die neuen Holz-Shelter kosten gemäss Angaben der Stadt Zürich 3800 Franken pro Stück, inklusive Schichtzulage für Mitarbeitende. Die Montagezeit vor Ort beträgt etwa eine Stunde. Was mit den unterdessen wiederverpackten «Better Shelters» geschehen soll, ist derzeit unklar. Verschiedene Personen haben angeboten, einen Shelter zu kaufen. Aufgrund der schlechten Ergebnisse des Brandtests verzichtet die AOZ jedoch auf den Wiederverkauf.

Kanton Aargau verzichtet auf Indoor-Einsatz der Shelter

Die Erkenntnisse der Kantonale Gebäudeversicherung Zürich hat man auch im Kanton Aargau zur Kenntnis genommen: Dort soll im ehemaligen A3-Werkhof eine temporäre Asylunterkunft für 300 Personen entstehen. Dazu hat der Kanton bisher 100 «Shelters» beschafft.

Das Departement Gesundheit und Soziales hat aufgrund der vorliegenden Informationen beschlossen, auf den Indoor-Einsatz der Ikea-Häuschen zu verzichten; dies, obwohl die Aargauische Gebäudeversicherung den Einsatz der Wohneinheiten aufgrund der Spezifikation des Materials – jedoch ohne Brandtest – zu einem früheren Zeitpunkt nicht als bedenklich eingestuft hatte.

Der Kantonale Sozialdienst verfolgt das Vorhaben im ehemaligen A3-Werkhof in Frick jedoch weiter, «zumal es sich um eine für die befristete Unterbringung von Asylsuchenden grundsätzlich geeignete Infrastruktur handelt», wie das Departement Gesundheit und Soziales mitteilt.

Widersprüchliche Aussagen zur Brandsicherheit der Notunterkünfte

Nach Angaben des UNHCR zur Sicherheit der Shelter besteht ein ausreichender Schutz vor Feuer. Die bisherigen feuerpolizeilichen Abklärungen hatten ergeben, dass der Einsatz der Shelter in der Halle 9 möglich sei. Gestützt auf ein Gutachten aus Schweden war davon auszugehen, dass die Unterkünfte den Anforderungen an den Brandschutz genügen. Ein Gutachten aus Deutschland sowie die Brandtests der Gebäudeversicherung kamen zu einem anderen Ergebnis. (mgt/mrm)