Zürich prüft Standorte für Kleinwasserkraftwerke

Zürich prüft Standorte für Kleinwasserkraftwerke

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Teaserbild-Quelle: zvg

Die Standorte liegen an der Töss, der Glatt, der Sihl, der Reppisch, dem Aabach in Uster und an der Jona in Wald und Rüti. Die Baudirektion habe diese Orte anhand einer Untersuchung ermittelt und werde sie nun näher prüfen. Dies schreibt die Regierung in ihrer am Donnerstag publizierten Antwort auf eine Anfrage der CVP.
 
Die Kantonsräte wollten wissen, ob es im Kanton Zürich möglich wäre, weitere Kleinwasserkraftwerke zu bauen und so erneuerbare Energien zu fördern.
 
Zwar gibt es im Kanton Zürich bereits heute etwa 100 Kleinwasserkraftwerke – die Hälfte davon ist jedoch nicht mehr in Betrieb. Viele stammen noch vom Anfang des 20. Jahrhunderts und entsprechen deshalb nicht mehr dem neuesten Stand der Technik.
 
Grosser Aufwand für wenig Strom
 
Diese technisch aufzurüsten und wieder in Betrieb zu nehmen, ist jedoch nicht sinnvoll. «Diverse Anlagen gingen vor Jahren ein, weil sie nicht wirtschaftlich waren», sagte ein Sprecher der Baudirektion auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.
 
Die Standorte sind zudem oft nicht ideal, was von ihrer ursprünglichen Verwendung herrührt: In vielen Fällen waren es Fabrikbesitzer aus dem Tösstal oder dem Zürcher Oberland, die den Strom für den Betrieb ihrer Spinnereien benötigten.
 
Weil Strom damals für die Fabriken unabdingbar, aber schwierig zu produzieren war, nahmen die Betreiber einen grossen Aufwand auf sich - und bauten die Anlagen auch an Orten, die aus heutiger Sicht als ungeeignet betrachtet werden.
 
Die rund 30 neuen Standorte, die nun geprüft werden, haben hingegen das Potenzial, wirtschaftlich betrieben zu werden → sofern die kostendeckende Einspeisevergütung gewährt wird.
 
Allerdings ist die Untersuchung der Baudirektion erst in der Anfangsphase. Der Landschaftsschutz sei beispielsweise noch gar nicht berücksichtigt worden, sagte der Sprecher weiter. Weil ein Kleinwasserkraftwerk die Natur beeinträchtigen könne, müsse man genau abwägen, ob die Gesetzgebung für Natur-, Landschafts- und Gewässerschutz eingehalten werden könne.
 
«Zürich ist kein Wasserkraft-Kanton»
 
Auch wenn der Kanton gegenwärtig neue Standorte für Kleinwasserkraftwerke prüft – ein riesiges Potenzial erwartet er davon nicht. Momentan produzieren die Zürcher Kleinwasserkraftwerke eine Leistung von 20 Gigawatt pro Jahr. Auch mit neuen Anlagen dürfte diese Leistung nicht stark ansteigen.

Gemäss dem Sprecher der Baudirektion rechnet man mit einer Steigerung auf höchstens 25 Gigawatt. Zum Vergleich: Der Stromverbrauch im Kanton Zürich beträgt etwa 9000 Gigawatt pro Jahr (Stand 200). Verglichen mit Bergkantonen sei Zürich definitiv kein Wasserkraft-Kanton. (sda/mrm)