Wirtschaftsaufschwung nützt Sozialhilfebezügern wenig

Wirtschaftsaufschwung nützt Sozialhilfebezügern wenig

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Teaserbild-Quelle: Bild: Mo Riza (CC BY 2.0)

«Andere Personengruppen bleiben auch dann auf Sozialhilfe angewiesen, wenn sich die wirtschaftliche Lage verbessert», schreibt das Bundesamt für Statistik (BFS). Dies zeige der eben publizierte Sozialbericht Schweiz, in dem Wirtschaftswachstum und -krisen von 1992 bis 2013 untersucht wurden.

Das schweizerische System der sozialen Sicherheit wendete 2012 insgesamt 147,4 Milliarden Franken für die Deckung der sozialen Risiken auf. Der grösste Teil dieses Betrags wurde zur Absicherung sozialer Risiken im Zusammenhang mit Alter (63,1 Milliarden Franken), Krankheit/Gesundheitspflege (42,6 Milliarden Franken) und Invalidität (14,7 Milliarden Franken) getätigt. Der Anteil zur Deckung des Risikos sozialer Ausgrenzung umfasste 2,6 Prozent aller Ausgaben für Sozialleistungen.

Ein besonders hohes Risiko, auf Sozialhilfe angewiesen zu sein, haben bekanntlich Personen mit tiefem Bildungsniveau, Alleinerziehende und allein lebende Personen. Gemäss dem Bericht hatten im Jahr 2013 die Hälfte aller Sozialhilfeempfänger keine nachobligatorische Ausbildung.

18,8 Prozent der Alleinerziehenden waren auf Sozialhilfe angewiesen. Dies vor allem darum, weil «ihre Zeitressourcen nicht ausreichen, um einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, die ihren Lebensunterhalt garantiert», schreibt das BFS. Eine weitere Risikogruppe sind allein lebende Personen. Sie machen 64,8 Prozent der Haushalte mit Sozialhilfe aus.

Kaum von Sozialhilfe abhängig werden Personen wegen Alter, Invalidität oder Krankheit, da diese Risiken im Schweizerischen System anderweitig abgesichert sind.

Bildungsniveau steigt

Der Bericht zeigt weiter die Entwicklung bei den Familienformen und bei den Bildungsanforderungen auf. Die traditionelle Familie verliert demnach weiter an Bedeutung. Einpersonenhaushalte sowie Eineltern- und Patchworkfamilien nehmen zu.

Das Bildungsniveau der Bevölkerung steigt, gleichzeitig werden aber auch die Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt höher. Dies führe dazu, schreibt das BFS, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen sozialen Risiken besonders ausgesetzt seien.
 
Der Sozialbericht des BFS beschreibt die wichtigsten sozialen und wirtschaftlichen Tendenzen in der Schweiz und zeigt verschiedene soziale Risiken, denen man im Laufe des Lebens ausgesetzt sein kann. Es ist die zweite Ausgabe des Berichts nach 2011. Künftig wird er alle vier Jahre publiziert. (sda/mgt/aes)

Statistischer Sozialbericht Schweiz (PDF)