Winterthur beerdigt WLAN-Projekt

Winterthur beerdigt WLAN-Projekt

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Dass es in Winterthur noch lange keinen öffentlichen Internetzugang geben wird, wurde nur publik, weil sich SP-Gemeinderat Fredy Künzler nach dem Stand der Dinge erkundigte. «Es scheint, als hätte der Stadtrat das Projekt still und leise beerdigt», schrieb er in seiner Anfrage.
 
Mit dieser Einschätzung lag der Gemeindepolitiker richtig: Der Stadtrat hat das Projekt eingestellt. Die Verantwortlichen hätten sich eingehend mit der WLAN-Technologie befasst und die Vor- und Nachteile sowie die Chancen und Risiken abgeklärt, schreibt der Stadtrat in seiner Antwort.

«Kein Service public»
 
Man sei zum Schluss gekommen, dass der Aufbau eines WLAN nicht zum Service public gehöre. Ein solches Netz müsse nicht von der Stadt, sondern von Privaten angeboten werden. Für die Nutzung im Freien und unterwegs in den Altstadt-Strassen werde die WLAN-Technologie zudem kaum Bestand haben.
 
Die Projektgruppe schlug dem Stadtrat daraufhin vor, das Vorhaben abzubrechen. Sehr lange beschäftigten sich die Verantwortlichen offensichtlich nicht mit dem Thema: Die Ausgaben beliefen sich bis zum Einstellungstag am 2. Februar 2011 auf gerade mal 2905 Franken.
 
«Wireless St.Gallen» startet im August
 
Winterthur ist nicht die einzige Stadt, in der die Regierung nicht tätig werden wollte. In Bern beispielsweise stellte die Stadt ebenfalls lange Zeit ein Netz in Aussicht, ohne aber konkret zu werden. Vor gut einem Jahr erteilte sie einer privaten Firma schliesslich die Konzession, ein WLAN aufzubauen. Gratis wird aber nur der langsame Zugang werden. Wer schnell und mit unbegrenzter Datenmenge surfen will, muss in Bern voraussichtlich zahlen.
 
Ob es in der Stadt Zürich dereinst ein Netz für kostenlosen Internetzugriff geben wird, ist noch unklar. Der Gemeinderat hat erst Ende Juni ein entsprechendes Postulat an den Stadtrat überwiesen. Er hat nun zwei Jahre Zeit, dieses zu prüfen.
 
Weiter ist man in St. Gallen, wo das Projekt «Wireless St. Gallen» im August seinen Pilotbetrieb aufnimmt. Die dafür nötigen Hotspots wurden bereits in Teilen der Innenstadt sowie in einigen Bussen installiert. Der Pilotbetrieb soll ein Jahr dauern.
 
Schweizer WLAN-Pionier ist die Stadt Luzern. Dort können Passanten und Touristen seit 2007 gratis auf das Internet zugreifen. (sda/aes)