Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf den Wald?

Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf den Wald?

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Teaserbild-Quelle: Bild: waldwissen.net

«Auf welche Bäume setzen wir heute für den Wald von morgen?» lautete die Frage des WVS-Waldkongresses, der anlässlich der Internationalen Forstmesse Luzern durchgeführt wurde. Dass die Frage unter den Nägeln brennt, zeigte die unerwartet grosse Beteiligung von rund 200 interessierten Fachleuten aus der Forstbranche.

Mediterrane Eichenwälder im Mittelland

Nach dem heutigen Wissenstand dürfte der Klimawandel din der Schweiz markant ausfallen. Dies betonte Peter Brang von der Eidgenössichen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL). Je nach Szenario wird die Durchschnittstemperatur in den nächsten hundert Jahren um drei bis sechs Grad steigen. Die heutigen Waldgesellschaften verschieben sich nach Norden und in den Alpen steigen sie mehrere hundert Höhenmeter nach oben. Das heisst, im Mittelland könnten dann im Extremfall mediterrane Eichenwälder gedeihen.

Die flachwurzelnde Fichte dagegen dürfte mit der erwarteten Sommertrockenheit Probleme bekommen und nur noch in den höheren Alpentälern gut gedeihen. Aus Sicht der Waldwirtschaft ein Schreckensszenario, weil mit dem nachgefragten Fichtenholz heute mit Abstand die grössten Erträge erwirtschaftet werden.

Veränderungen antizipieren

Brang empfiehlt, die prognostizierten Arealverschiebungen zu antizipieren und neben der gängigen Naturverjüngung auch gezielt Bäume zu pflanzen. Aber auf welche Arten soll gesetzt werden? Versuche mit verschiedenen Exoten sind gescheitert. Einzig die heute schon erfolgreich wachsende Douglasie, die über hohe Wuchsleistung verfügt und gefragtes Holz liefert, könnte sich da und dort bewähren.

Allerdings ist noch nicht klar, aus welcher Herkunft die bestangepassten Typen kommen. Am besten wird eine gute Arten-Durchmischung angestrebt. Die WSL ist zurzeit daran, die Baumartenempfehlungen für alle Waldstandorte im Hinblick auf die erwarteten Klimaveränderungen anzupassen.

Expertenstreit in Sachen Fichte

Während Peter Brang die Fichte als «grosse Verliererin» der Klimaerwärmung sieht, glaubt Jens Borchers fest an deren Zukunft. Der Referent leitet einen grossen privaten Forstbetrieb im Schwarzwald und setzt dort voll auf die Fichte, wo möglich in Kombination mit der Weisstanne und mit Laubholzbeimischung. Sein Credo ist eine sorgfältige Jungwaldpflege, damit die Fichte jederzeit optimale Wuchsbedingungen vorfindet.

Zudem empfiehlt Borchers, die Fichte bereits ab 60 Jahren zu schlagen, denn ältere Bäume mit mehr als 30 Metern Höhe zeigen sich in der Regel viel anfälliger auf Windwurf und Schädlingsbefall, und sind gegenüber Umweltveränderungen weniger anpassungsfähig.Kürzere Umtriebszeiten erlauben auch allgemein raschere Anpassungen im Waldbau. Auch Borchers strebt gut durchmischte und lichte Waldstrukturen an. Zudem kämpft er gegen zu hohe Wildtierbestände; eine Problematik die vielerorts unterschätzt würde.

Experimentieren und Diversifizieren

In einem Punkt waren sich die Referenten einig: Die Waldeigentümer können es sich nicht leisten, einfach abzuwarten und auf die natürliche Dynamik zu hoffen. Sie sind gut beraten die Risiken zu verteilen, indem sie auf  unterschiedliche Baumarten verschiedener Herkunft setzen.

«Die Waldwirtschaft wird auch in Zukunft mit Holz Geld verdienen müssen» so Christoph Starck von der Lignum. Die Chancen hierzu stehen gut, aber welcher Holzrohstoff und welche Verwendungsform in fünfzig oder hundert Jahren gefragt sein werden, kann heute nicht vorausgesagt werden. Bis auf Weiteres behält wohl das Nadelholz den Vorrang.

Wettbewerbsfähigkeit bestimmt Waldbild

Für Felix Lüscher von der Oberallmeindkorporation Schwyz ist es deshalb wichtig, dass die Waldeigentümer neben der Holzproduktion auch Ökosystemleistungen (Erholung, Biodiversität und so weiter) des Waldes vermarkten können. Diese sind nämlich nicht transportierbar und somit nicht von den Mechanismen von Import und Export abhängig. Ihre Vermarktung sei nicht «anrüchig» sondern schlicht die Voraussetzung, dass die Forstbetriebe überleben und den Wald auch in Zukunft auf hohem Niveau pflegen können.

Ins selbe Horn stiess auch Adrian Lukas Meier-Glaser, Stellvertretender Kantonsoberförster des Kantons Bern: Das Waldbild 2050 wird seiner Meinung nach vor allem durch die schwächelnde oder gestärkte Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Waldwirtschaft geprägt werden, mehr als durch das Klima. (mgt/mrm)