Wegen Frankenstärke: Erste Gemeinden zahlen Löhne in Euro

Wegen Frankenstärke: Erste Gemeinden zahlen Löhne in Euro

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Teaserbild-Quelle: Bild: Uwe Wagschal/Pixelio

Uzwil SG war die erste Gemeinde, die auf den Wegfall des Euro-Mindestkurses reagierte: Die Verwaltungsangestellten müssen während drei Monaten 44 statt 42 Stunden arbeiten (mehr dazu hier). Die Gemeinde Kottighofen am Bodensee, unmittelbar neben Kreuzlingen gelegen, geht nun noch einen Schritt weiter und zahlt ab April allen Angestellten den Lohn in Euro aus.

«Der Schritt war wegen der angespannten Finanzlage unserer Gemeinde richtig und wichtig» sagt Gemeindepräsident Johannes «Joe» Münzenmacher (SVP) auf Anfrage. «Da unsere Mitarbeitenden ihre Freizeit ohnehin in Konstanz verbringen und auch dort ihr Geld ausgeben, werden sie von der Umstellung kaum etwas merken», meint er.

Allerdings müssen die Angestellten eine saftige Lohneinbusse in Kauf nehmen: Als Basis für das neue Gehaltsregime gilt der alte Mindestkurs von 1.20 – die Mitarbeitenden verlieren also fast 20 Prozent ihres bisherigen Gehaltes in Schweizer Franken. Münzenmacher sieht darin kein Problem: «Der Kurs liegt innerhalb der Parameter unserer Gemeindeautonomie. Da kann uns weder Bern noch Brüssel dreinreden», meint er kämpferisch.

Solidarität mit französischen Arbeitern

Auch in anderen Gemeinden in den Grenzregionen macht man sich ähnliche Überlegungen: Jean DuMoulin, PdA-Gemeindepräsident des kleinen Dorfes Chien-du-Pâpe im Jura, plant ebenfalls, seinen Gemeindeschreiber künftig in Euro auszuzahlen: «Es ist ein Zeichen der Solidarität gegenüber den schlecht bezahlten französischen Fabrikarbeitern jenseits des Doubs.»

Da der Gemeindeschreiber als Chef der Verwaltung der grösste Kostenfaktor sei, treffe es vorderhand nur ihn. «Den anderen zwei Angestellten kann ich den Lohn nicht mehr kürzen, da dieser ohnehin schon fast auf dem Niveau des französischen Mindestlohns liegt.»

Mehr Grenzgänger in Genfer Verwaltungen

Im Kanton Genf geht man einen anderen Weg und stellt vorderhand auf den Verwaltungen nur noch günstige französische Grenzgänger ein. «Anfang Jahr haben sich die Gemeindepräsidenten und die französischen Arbeitsämter der Grenzdepartemente in einer klandestinen Runde darauf verständigt, künftig im Personalbereich zu kooperieren», sagt ein hochrangiger Beamter des Kantons Genf, der anonym bleiben möchte.

Es ergibt sich eine Win-Win-Situation: Die Genfer Gemeinden müssen ihre freien Stellen nicht mehr kostenpflichtig in Zeitungen platzieren oder auf Jobportalen im Internet aufschalten und erhalten günstige Arbeitskräfte. Die französischen Grenzregionen können auf einfache Weise ihre Arbeitslosenquote senken, was zu zusätzlichen «Erfolgsprämien» aus Paris führt, die hälftig mit den Genfer Kommunen geteilt werden sollen.

Die Protestpartei Mouvement citoyens genevois (MCG), die seit langem Stimmung gegen Grenzgänger macht, hat unmittelbar nach Bekanntwerden der Absprache eine Streikserie sowie das Referendum angekündigt und droht mit einer Durchsetzungsinitiative – für oder gegen was ist allerdings völlig unklar.

Werkhof tankt künftig in Italien

Auch im Tessin wird gehandelt: Der gemeinsame Werkhof der elf Gemeinden des Bezirks Leventina hat angekündigt seine Fahrzeuge nur noch in Italien aufzutanken. Der Weg nach Cannobio (I), den nächsten Ort ennet der Grenze, dauert zwar eine knappe Stunde (rund 70 Kilometer), dennoch gehe die Rechnung auf. Werkhofvorstand Giovanni Mastromonaco: «Wir sparen pro Fahrt und Tankladung auch nach Abzug der Wegkosten noch fünf Rappen. Das klingt nach wenig, übers Jahr gerechnet beträgt die Ersparnis aber 75.85 Franken.»

Und es könnte noch mehr werden, wie Mastromonaco weiss: «Die Grünliberalen des Kantons Tessin wollen das Benzin im ganzen Kanton auf fünf Franken pro Liter verteuern, damit die einheimischen Autofahrer nicht mehr das ökologische Gleichgewicht unserer Gemeindestrassen gefährden.» (aes)

Nachtrag: Wie Sie sicher bemerkt haben, ist diese Meldung ein Aprilscherz der Redaktion.