Wasser halt!

Wasser halt!

Gefäss: 
Teaserbild-Quelle: Bild: Margiemorris (CC BY-SA 3.0)


Von Pascale Boschung und Patrick Aeschlimann

 

Welch Ironie: Der Schauspieler Tom Selleck, dessen bekannteste Rolle der Privatdetektiv Magnum war, wurde vor einiger Zeit selber von einem Privatdetektiv überführt. Sein Vergehen: Zur Bewässerung seiner Avocadofarm im dürregeplagten Kalifornien hatte Selleck mehrere Tankwagenladungen an einem öffentlichen Hydranten abgezapft. 22 000 Dollar musste «Magnum» als Busse bezahlen.

Doch nicht nur im trockenen Kalifornien, auch in der an Wasser reich gesegneten Schweiz, verschwindet das kostbare Nass ab und an aus den öffentlichen Leitungen. Roger Kühne, Werkmeister von Rickenbach ZH bei Winterthur, musste immer wieder wegen Leitungsbrüchen ausrücken. Viele davon passierten nicht etwa wegen maroden Leitungen, sondern weil Hydranten nicht sachgemäss bedient wurden. Wenn der Verschluss  eines Hydranten nach dem Wasserabzug zu schnell geschlossen wird, wird es für das Leitungsnetz gefährlich. Denn dadurch entsteht ein Druck, der sich durch die Leitungen zurückbewegt und schwache oder ältere Stellen bersten lässt.

Eine Reparatur ist teuer – zwischen 5000 und 10 000 Franken. «Nicht umsonst wird jeder Feuerwehrmann im Umgang mit den Hydranten geschult», erklärte Kühne gegenüber dem «Landboten». Für ihn war klar: Jemand klaut illegal Wasser von den Hydranten. In der Betriebswarte lässt sich immer sehen, wenn Wasser bezogen wird. Das Problem dabei ist aber, dass das System nicht sagen kann, welcher Hydrant betroffen ist.

Mehrere Versuche, die Diebe auf frischer Tat zu ertappen, schlugen fehl. Sobald die Betriebswarte meldete, dass Wasser gezogen wurde, schickte der Werkmeister einen Mitarbeiter auf Patrouille durch die Gemeinde – ohne Erfolg. Im Dezember 2015 wandte sich Kühne dann an die Bevölkerung. Im Mitteilungsblatt «Rickenbacher» der Gemeinde schrieb er: «Da unsere Augen nicht überall sein können, bitte ich Sie, auch ein wachsames Auge zu haben und uns bei Verdacht zu informieren.» Selbst die Anschaffung eines Überwachungssystems wurde evaluiert, der hohen Kosten wegen aber dann doch nicht angeschafft.

Diebe durften Wasser klauen

Der erste, den man schliesslich als «Wasserdieb» erwischte, war der Betreiber eines Wischfahrzeugs. Dieser füllte seinen Tank an einem Rickenbacher Hydranten auf, meldete den Wasserbezug aber nicht. Nach und nach stellte sich heraus, dass das Wasser zum grossen Teil gar nicht bewusst geklaut wurde: «Es waren praktisch nur Personen, die zum Bezug von Wasser aus den Hydranten berechtigt waren, es aber vorgängig nicht gemeldet hatten», sagt Gemeindeschreiber Roger Jung auf Anfrage.

Das Problem: «Einige unserer Partner hatten personelle Wechsel. Sie haben offenbar vergessen, ihren neuen Angestellten zu sagen, dass sie die Gemeinde informieren müssen, wenn sie Wasser ab den Hydranten beziehen». Auch ist der Werkmeister relativ neu bei der Gemeinde Rickenbach tätig. Sein langjähriger Vorgänger scheint einiges informell geregelt zu haben und bei der Übergabe gingen diese Informationen vermutlich schlicht vergessen. Nun habe man die Situation aber wieder im Griff, beteuert Jung.

Und die Moral von der Geschichte? Die saubere Dokumentation von Geschäftsprozessen kann Missverständnissen vorbeugen. Zudem kann es allen Berechtigten nicht schaden, die korrekte Benützung von Hydranten öfters zu trainieren.