Vorerst keine Asylunterkunft in Ostermundigen

Vorerst keine Asylunterkunft in Ostermundigen

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Der Kanton Bern sah vor, eine unterirdische Zivilschutzanlage als Notunterkunft für Asylsuchende zu nutzen. Der Gemeinderat hatte sich im September dagegen ausgesprochen, weil er diese Unterbringung als ungeeignet für traumatisierte Flüchtlinge erachtet. Zudem trage Ostermundigen mit einem Ausländeranteil von 27 Prozent bereits eine grosse Verantwortung in Migrationsfragen.

Beim Kanton stiess der Gemeinderat mit diesen Argumenten auf Gehör. Der kantonale Polizei- und Militärdirektor Hans-Jürg Käser entschied, «den Entscheid betreffend Eröffnung einer neuen Asylunterkunft zu sistieren», wie Kanton und Gemeinde in einem gemeinsamen Communiqué mitteilten.

Das letzte Wort ist damit nicht gesprochen. Der Kanton behält sich vor, auf den Entscheid zurückzukommen, sollten die Betten für Asylsuchende wieder knapp werden.

40 Prozent mehr Betten

Der bernische Regierungsrat hatte im Juli die Notlage im Asylwesen ausgerufen. Damit verpflichtete er die Gemeinden, zusätzliche Infrastruktur zur Unterbringung von Asylbewerbern zur Verfügung zu stellen. Seither sei die Zahl der Asylzentren um einen Drittel und die Zahl der Betten um 40 Prozent erhöht worden, sagte Andrea Blaser, die stellvertretende Generalsekretärin der Polizei- und Militärdirektion des Kantons Bern.

Neu eröffnet wurden Asylunterkünfte in Burgdorf, Hindelbank, Ittigen und Moosseedorf. Eine weitere wird in der alten Feuerwehrkaserne der Stadt Bern in Betrieb genommen werden. Dazu kommen eine Unterkunft für elternlose Kinder und Jugendliche in Belp sowie das Asylzentrum in Schafhausen im Emmental.

Kanton will grössere Asylzentren

Der Gemeinderat von Ostermundigen zeigte sich zufrieden über Käsers Entscheid. Der Polizei- und Militärdirektor habe damit die Bestrebungen des Gemeinderats für die Gemeindeentwicklung unterstützt.

Ostermundigen hatte auch geltend gemacht, dass der hohe Ausländeranteil wesentliche Auswirkungen auf die künftige Entwicklung und die finanzielle Situation der Gemeinde habe. Der Gemeinderat strebe gemäss Legislaturzielen an, dass sich die Bevölkerungsdurchmischung dem kantonalen Durchschnitt annähert.

Die Gemeinde wollte dem Kanton insofern entgegenkommen, als sie eine oberirdische Liegenschaft für rund 20 Asylsuchende für einige Monate zur Verfügung stellen wollte. Der Kanton lehnte dies ab, er strebt aus Wirtschaftlichkeitsgründen grössere Zentren an. (sda/mrm)