Volk entscheidet über Schicksal der Landesausstellung am Bodensee

Volk entscheidet über Schicksal der Landesausstellung am Bodensee

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Teaserbild-Quelle: Bild: Kecko (CC BY 2.5)

Die nächste Landesausstellung im Jahr 2027 will Millionen von Besucher auf eine Entdeckungsreise zwischen Bodensee und Säntis mitnehmen. Die Fahrt zwischen den «Spielorten» am Bodensee, um St. Gallen und im Appenzellerland soll genau so zum Erlebnis werden wie der Besuch der Spielorte an der Küste in der Stadtlandschaft und in den Bergen.

«Expedition 27» heisst das Siegerkonzept, welches die drei Trägerkantone Appenzell Ausserrhoden, St. Gallen und Thurgau aus 60 Wettbewerbsbeiträgen ausgewählt und im September der Öffentlichkeit vorgestellt haben. Die Vision des Teams um den Zürcher Architekten Markus Schaefer will Antworten geben auf die drei Grundfragen «Woher kommen wir?», «Wer sind wir?» und «Wohin gehen wir?»

25 Jahre nach der «Expo02» werde es im Jahr 2027 Zeit, dass die Schweiz wieder innehalte, um zu sehen, wo sie stehe und wohin sie gehen wolle, sagte Carmen Haag, Leiterin des politischen Steuerungsausschusses und Thurgauer CVP-Regierungsrätin.

«Schweiz hört nicht bei Winterthur auf»

Warum in der Ostschweiz? «Wir wären wunderbare Gastgeber. Zudem würden die Besucher feststellen, dass die Schweiz tatsächlich nicht hinter Winterthur aufhört, wie ein böses Sprichwort behauptet», sagte Haag. Die Ostschweiz, die als Randregion oft wenig selbstbewusst auftrete, könnte sich mit der «Expo2027» in der Schweiz positionieren.

Vieles ist noch offen. Das Konzept «Expedition 27» sei lediglich eine Ideenskizze, sagte der Architekt bei der Präsentation. In manchen Dingen wird die nächste Landesausstellung der «Expo02» gleichen. Wie ihre Vorgängerin soll sie rund zehn Millionen Besucher anziehen. Auch die Kosten könnten mit 1,5 Milliarden Franken etwa gleich hoch ausfallen, sagte Haag.

Im Gegensatz zu den bisherigen Landesausstellungen möchte die Expo2027 jedoch nicht nur nach innen schauen, sondern die Nachbarländer am Bodensee einbeziehen und damit auch viele ausländische Besucher anziehen. Deutschland und Österreich seien interessiert, sagte Haag. Die Internationale Bodenseekonferenz (IBK) werde regelmässig informiert, wo das Projekt stehe.

Bleibende Werte schaffen

Laut einer Studie hat die letzte Landesausstellung der Region am Murten- und Neuenburgersee zahlreiche wirtschaftliche Impulse gegeben. Der Staat habe weit mehr Einnahmen als Ausgaben generiert, sagte Haag.

Im Gegensatz zur «Expo02» wolle man mit der «Expo2027» aber auch dauerhaft sichtbare Zeichen setzten. «Wir möchten Nachhaltiges schaffen.» Haag denkt beispielsweise an einen Steg im Bodensee, der auch nach der Landesausstellung touristisch genutzt werden könnte.

Kein Plan B

Wie viel genau die «Expo2027» kosten wird, weiss man noch nicht. Mehr Klarheit werde die anstehende Machbarkeitsstudie bringen. Diese enthalte auch ein Finanzierungskonzept, sagt Haag.

Die Hälfte, aber höchstens eine Milliarde Franken, werde der Bund übernehmen. Die Trägerkantone müssten sich gemäss Vorgaben des Bundesrats mit mindestens 6 Prozent beteiligen, also mit 90 Millionen
Franken. Die noch fehlenden 44 Prozent oder 660 Millionen Franken sollen von der Wirtschaft kommen und über Einnahmen generiert werden.

Die massive Kostenüberschreitung der letzten Expo sei für die Planung der «Expo2027» eine grosse Hypothek, sagt Haag. Der Bund als eigentlicher Veranstalter schaue diesmal sehr genau hin.

Um eine hochprofessionelle Planung voranzutreiben, braucht es Geld. Die Trägerkantone rechnen mit Projektierungskosten von insgesamt 9,5 Millionen Franken. Appenzell Ausserrhoden hat seinen Anteil von 800 000 Franken bereits bewilligt. 700 000 Franken sollen von Dritten generiert werden. In St. Gallen und im Thurgau kommen die Kredite von fünf, beziehungsweise drei Millionen Franken am 5. Juni 2016 vors Volk. Falls der Kredit in einem der beiden Kantone abgelehnt wird, ist das Projekt «Expo2027» vom Tisch: «Wir haben keinen Plan B», so Haag.

Werden die Kredite angenommen, wird als erstes ein Expo-Büro mit Fachleuten eingerichtet. Bisher seien die Arbeiten im Projektausschuss nebenher gelaufen, aber jetzt brauche es Profis, sagte Haag. Das neue Büro wird eine Machbarkeitsstudie ausarbeiten und diese zusammen mit dem Bewerbungsdossier Ende 2018, spätestens Anfang 2019 beim Bund einreichen. (sda/aes)

Der Masterplan zur «Expo2027» (PDF)