Videoüberwachung: Top oder flop?

Videoüberwachung: Top oder flop?

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Um Sachbeschädigung zu verhindern, setzt die Stadt Thun neu auf Kameras im öffentlichen Raum.  Allerdings werden die Videoaufnahmen laut einer Mitteilung der Stadt keine Echtzeit-Überwachung ermöglichen. Spätestens nach 100 Tagen werden die Bilder gelöscht. Diese dürfen zudem ausschliesslich von der Kantonspolizei visioniert werden. Die Auflagen des Datenschutzbeauftragen seien vollumfänglich eingehalten worden.

Die Stadt will die Wirkung der Kameras laufend überprüfen. Nach zwei Jahren wird entschieden, wie und in welchem Umfang die Videoüberwachung fortgesetzt wird. 90000 Franken lässt sich Thun die Überwachung kosten.

Schlechte Erfahrungen in Luzern

Unzufrieden mit der Wirkung der Ende 2008 auf dem Bahnhofplatz installierten 6 Videokameras ist man in Luzern. Auch die Zentralschweizer hatten gehofft, dass diese Massnahme eine abschreckende Wirkung habe und zu einem Rückgang von Straftaten und Vandalismus führe. Vier Jahre nach Einführung fällt die Bilanz ernüchternd aus, die Situation hat sich nicht merklich verbessert.  «Die Kameras kosten zu viel im Vergleich zu dem, was sie bringen», sagt Stadtrat Adrian Borgula.
 
Eine externe Evaluation hat ergeben, dass seit der Installation der Kameras kein sicherheitsrelevanter Rückgang der Ereignisse feststellbar ist. Das subjektive Sicherheitsempfinden der Bevölkerung sei lediglich am Anfang, vermutlich in Zusammenhang mit den Medienberichten, verbessert worden.
 
In einer Stellungnahme hält die Luzerner Polizei fest, dass die Aufnahmequalität schlecht und die Straftaten visuell schwer zu erkennen seien. Menschen liessen sich «nicht rechtsgenüglich identifizieren». Die Aufnahmen könnten weder für Beweiszwecke, noch für Fahndungen genutzt werden.
 
Der Evaluationsbericht weist aber daraufhin, dass die Bilanz mit Vorsicht zu interpretieren sei. Man könne nicht sagen, wie sich die Situation ohne Videoüberwachung entwickelt hätte. Die Folgen einer Demontage seien denn auch schwer abschätzbar. Möglich sei eine Zunahme der Delikte.
 
Bürgerliche für neue Kameras
 
Bereits vor der Veröffentlichung des Berichtes haben denn auch bürgerliche Politiker den geplanten Verzicht auf Videoüberwachung kritisiert. Auch sie haben zwar keine Einwände gegen die Demontage der unbrauchbaren Kameras. An ihrer Stelle sollen aber - auf Kosten des Kantons - neue, zweckmässige Kameras installiert werden.

Auch die Polizei ist trotz Unzulänglichkeiten überzeugt, dass die Videoüberwachung am Bahnhofplatz zumindest präventiv wirkt. Allerdings müssten die Kameras ersetzt werden. SP und Grüne dagegen weinen der Videoüberwachung keine Träne nach.
 
Nicht betroffen vom Verzicht sind die 19 Kameras auf den beiden alten Holzbrücken über die Reuss, der Kapell- und der Spreuerbrücke. Diesen attestiert die Polizei eine gute Qualität. Der Grund: Die Kameras dort können für einen bestimmten Aufnahmewinkel und eine bestimmte Schärfe besser fokussiert werden als auf einem grossen Platz. (sda/mgt/mrm)