Erste Verwaltung reagiert auf den Wegfall des Mindestkurses

Erste Verwaltung reagiert auf den Wegfall des Mindestkurses

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Teaserbild-Quelle: Bild: Matthias Müller/Flickr

Ab nächster Woche müssen die Verwaltungsangestellten von Uzwil SG drei Monate lang 44 statt 42 Arbeitsstunden in der Woche leisten. Der Gemeinderat von Uzwil verdonnert seine Angestellten dazu, länger zu arbeiten, berichtet die «Wiler Zeitung». Von diesem Entscheid sind rund 100 Mitarbeitende betroffen.

Ausgenommen sind lediglich die Lehrpersonen in der Schule. Gemeindepräsident Lucas Keel (CVP) begründet den Entschluss gegenüber dem «St. Galler Tagblatt» als «Reaktion auf die veränderten wirtschaftlichen Umstände in der Schweiz». Uzwil sei ein exportorientierter Technologiestandort. In schwierigen Situationen sei mehr Engagement und Solidarität von allen gefragt.

Der Gemeinderat habe den Entschluss nach einer Anhörung des Personals gefällt. Wie Keel sagt, seien die Reaktionen der Mitarbeitenden unterschiedlich gewesen. Die einen hätten mit Verständnis reagiert, andere könnten die Massnahme nicht nachvollziehen. Er räumt ein, dass die Arbeitszeiterhöhung das Verhältnis zu den Angestellten belastet.

«Mehr als ein Akt der Solidarität»

Mitte Februar hatte die Firma Bühler, der grösste Arbeitgeber der Stadt, die Arbeitszeit der Mitarbeitenden von 40 auf 45 Stunden verlängert. Der Entschluss des Gemeinderates dürfe aber nicht nur als Akt der Solidarität gewertet werden, er sei ein Beitrag zur Wertschöpfung, sagt Keel.

Die Erhöhung der Arbeitszeit sei befristet auf drei Monate, es gebe keine Option auf eine Verlängerung. Mit den von den Mitarbeitenden zusätzlich geleisteten 2000 Arbeitsstunden sollen, ausserhalb des Tagesgeschäftes, «Abläufe und Prozesse optimiert und Arbeitsrückstände aufgeholt werden». Ein weiterer Grund sei das geplante neue Verwaltungszentrum in Uzwil, das Mehrarbeit bedinge. An den Öffnungszeiten der Verwaltung ändert der Entscheid nichts.

«Eine plumpe Handlung»

Schockiert über den Entscheid zeigt sich der Präsident des Verbandes St. Galler Kantons- und Gemeindepersonal, Benno Lindegger gegenüber dem «St. Galler Tagblatt»: «Für das Gemeindepersonal in Uzwil ist die Arbeitszeiterhöhung eine Ohrfeige. Damit entsteht der Eindruck, dass die Mitarbeitenden zu wenig leisten.» Formal wie auch inhaltlich sei dieser Entscheid völlig unverständlich. «Ich empfehle den Mitarbeitenden, sich zu wehren.» Lindegger befürchtet eine «falsche Signalwirkung» auf andere Gemeinden. «Wenn Betriebe ihre Arbeitszeit verlängern, um die Produktivität zu steigern, so ist das etwas anderes. Wenn sich die Gemeinde Uzwil solidarisch mit der Industrie zeigen will, dann nicht mit einer solchen plumpen Handlung.»

Auch der Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) Sektion Ostschweiz und der Gewerkschaftsbund Wil und Umgebung kritisieren den Entscheid als «ungehörig und inakzeptabel». Unter dem Deckmantel der Solidarität wolle der Uzwiler Gemeinderat Pendenzen abbauen. Das habe nichts mit der Wirtschaftskrise zu tun. Die Arbeitszeitverlängerung sei eine versteckte Sparmassnahme auf dem Buckel des Personals. Mit diesem Vorgehen öffne die Gemeinde Uzwil den Betrieben in der Umgebung die Tür, um die Arbeitsbedingungen zu deregulieren. (aes)