Anlagen gehen nach Deutschland

Anlagen gehen nach Deutschland

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Die Klausner Holz Thüringen GmbH war vor der Versteigerung nie als mögliche Käuferin aufgetreten und auch nie als Interessentin der schweizweit grössten Sägerei genannt worden. Das Unternehmen will die Anlagen innerhalb von sechs Monaten in Domat/Ems im Bündner Rheintal demontieren und andernorts wieder aufbauen.Die beiden Bewerber aus Österreich, die Tiroler Egger-Gruppe sowie der Wiener Holzindustrielle Gerald Schweighofer, sagten ihre Teilnahme an der Auktion kurz vor der Versteigerung ab. Schweighofer offerierte 17,13 Millionen, die Egger-Gruppe 17,18 Millionen Franken. Egger wollte den Sägereibetrieb in Domat/Ems fortführen. 

Zu wenig Holz

Trotz intensiver Bemühungen sei es nicht möglich gewesen, ausreichende Zusicherungen für Rundholzlieferungen von ausserhalb Graubündens zu erhalten, teilte die Egger-Gruppe mit. Zusicherungen über 150'000 Kubikmeter Rundholz aus deutschschweizer Kantonen neben der gleichen Menge aus Graubünden wären die Voraussetzung für den wirtschaftlichen Betrieb des Sägewerks gewesen.

Die zwei Baurechtsgrundstücke, das Areal der Grosssägerei, sollen laut Angaben der Konkursverwaltung an den Meistbietenden veräussert werden. Der Gläubigerausschuss und die Konkursverwaltung setzten den Steigerungstermin auf den 22. September fest.

Ein Grosser

Die neue Besitzerin der Sägerei-Anlagen, die Klausner-Gruppe, ist eigenen Angaben zufolge eines der grössten Holzunternehmen Europas. Die Firma produziert hauptsächlich Schnittholzprodukte, die in der Bau- und Verpackungsindustrie verwenden werden.

Insgesamt gehören zwei Sägewerke sowie mehrere Vertriebsgesellschaften zur Klausner-Gruppe. Das Unternehmen, das den europäischen Markt wie auch die Märkte in Nordamerika und Asien beliefert, beschäftigt rund 1200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Das endgültige Aus nach vier Jahren

Mit der neuen Besitzerin enden die Bündner Träume von einer Grosssägerei nach rund vier Jahren. Die bisherigen österreichischen Besitzer Mayr-Melnhof liessen das mit Unterstützung des Kantons angesiedelte Unternehmen Mitte Dezember letzten Jahres in den Konkurs gehen. Rund 130 Angestellte verloren die Arbeit.

Der Grund für die Pleite war, dass das Bündner Parlament zuvor einen Kantonsbeitrag von 6,75 Mio. Fr. an den Bau eines Pelletwerks für die teilweise Neuausrichtung des Betriebs verworfen hatte. Der Beitrag war Teil eines Rettungspakets, mit dem das Sägewerk wieder auf Kurs hätte gebracht werden sollen.

Millionen verloren: Regierungsrat schweigt

Der Bündner Baudirektor Mario Cavigelli wollte vor den Medien nicht sagen, wie viele Millionen Franken der Kanton bei der Ansiedlung der Grosssägerei in den Sand gesetzt hat. Er habe das Dossier als Regierungsrat erst in der bisher letzten Phase übernommen, sagte Cavigelli. Vorher sei das Geschäft beim Volkswirtschaftsdepartement gewesen.

Gemäss den bekannten Zahlen dürfte der Kanton gegen 20 Millionen Franken verloren haben. Die Sägerei der ehemaligen österreichischen Firma Stallinger erhielt einen Investitionsbeitrag von 7,5 Millionen Franken, weiter gewährte der Kanton ein Darlehen von 10 Mio. Fr. sowie Steuererleichterungen während zehn Jahren.

Der Montag, an dem die Grosssägerei nach Deutschland verkauft wurde, sei «kein schlechter Tag gewesen», betonte Regierungsrat Cavigelli und fügte an: «Wir gehen aufgrund der gemachten Erfahrungen gestärkt in die Zukunft. (sda/mrm)