248 Berner Gemeinden mit positivem Rechnungsabschluss 2010

248 Berner Gemeinden mit positivem Rechnungsabschluss 2010

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Mehrheitlich gute Finanzlage: Im Kanton Bern kann sich nicht nur die Gemeinde Kaufdorf im Gürbetal (Bild) etwas leisten. (Bild: Wikicommons)

Die Mehrheit der bernischen Gemeinden befindet sich in einer guten bis sehr guten finanziellen Situation. Mehrere Kennzahlen zeichnen ein positives Bild der Finanzlage der 388 bernischen Gemeinden (Vorjahr 392), die sich auch im Mehrjahresvergleich auf einem hohen Niveau hält.

70 % mit positivem oder ausgeglichenem Rechnungsabschluss

2010 weisen 248 Gemeinden (Vorjahr 294) einen positiven Rechnungsabschluss aus, 24 (Vorjahr 23) schliessen ihre Rechnung ausgeglichen ab. Auf der anderen Seite weisen 116 Gemeinden einen Aufwandüberschuss aus, gegenüber 75 im Vorjahr. Die Bilanzsituation ist positiv: 387 Gemeinden (Vorjahr 389) weisen im 2010 in ihren Jahresrechnungen Eigenkapital aus, davon 311 mehr als 8 Steueranlagezehntel. Auf der anderen Seite weist nur noch eine Gemeinde (Vorjahr 3) einen Bilanzfehlbetrag aus.

Die Durchschnittswerte (Median) der harmonisierten Finanzkennzahlen sind 2010 positiv: Der Selbstfinanzierungsgrad liegt mit 123,8 Prozent unter dem Vorjahreswert, aber deutlich über 100 Prozent. Der Selbstfinanzierungsanteil ist leicht gesunken und liegt bei genügenden 13,6 Prozent. Der Zinsbelastungsanteil liegt nach wie vor im Minusbereich: Mit -1,1 Prozent erwirtschaften mehr als die Hälfte der Berner Gemeinden im 2010 mehr Vermögenserträge als sie für Passivzinsen zahlen müssen. Der Kapitaldienstanteil ist 2010 leicht gesunken und liegt mit 5,7 Prozent bei einer mittleren Belastung.

Teure soziale Wohlfahrt

Absolut gesehen ist die Soziale Wohlfahrt mit einem Bruttoaufwand von 1557 Franken pro Einwohner der grösste Aufwandposten und hat im Vergleich zum Vorjahr wieder zugenommen. Betrachtet man den Nettoaufwand, weisen die Gemeinden im Jahr 2010 erneut im Aufgabenbereich Bildung mit 681 Franken pro Einwohner den höchsten Betrag aus, wobei dieser gegenüber dem Vorjahr ganz leicht um 0.1 Prozent gesunken ist. Mit 569 Franken pro Einwohner weist der Aufgabenbereich Soziale Wohlfahrt den zweithöchsten Nettoaufwand aus; hier ist eine Zunahme gegenüber dem Vorjahr von 6.7 Prozent zu verzeichnen. Die Bereiche Bildung und Soziale Wohlfahrt machen zusammen rund 53 Prozent des gesamten Nettoaufwandes der Gemeinden aus. Der Netto-Steuerertrag im Gegensatz zum Vorjahr ist angestiegen (+ 2 Prozent).

Rückläufiges Investitionsvolumen und Regionale Unterschiede

Im Jahr 2010 haben die Berner Gemeinden 447,1 Mio. Franken netto investiert. Dieser Wert liegt um 8,4 Mio. Franken tiefer als im Vorjahr (- 1,9 %). Die Nettoinvestitionen je Einwohner betragen damit 26 Franken (Vorjahr 25 Franken).

Die Gemeinden des Kantons Bern sind eingeteilt in Perimeter von sechs möglichen Regionalkonferenzen. Es lassen sich dazu aufgrund der Auswertungen folgende Aussagen machen: Die einzige Gemeinde im Kanton Bern, die im 2010 noch einen Bilanzfehlbetrag ausweist, liegt in der Region Bern-Mittelland. Im Oberaargau weisen 90 Prozent der Gemeinden Eigenkapital von acht und mehr Steueranlagezehnteln aus. Auch im 2010 reduzieren viele dieser Gemeinden das Eigenkapital, dominieren doch bei den Rechnungsabschlüssen hohe Aufwandüberschüsse wie in den Vorjahren. In den übrigen Regionen fallen die Abschlüsse bei der Mehrheit der Gemeinden positiv aus. Zwei Drittel der Gemeinden in der Region Emmental weisen einen Ertragsüberschuss von mehr als einem Steueranlagezehntel aus. Im Berner Jura gibt es im 2010 noch am meisten Gemeinden mit einer Steueranlage von 2,0 oder mehr. Gemeinden mit tiefer bis sehr tiefer Steueranlage unter 1,6 liegen hauptsächlich in den Regionen Bern-Mittelland und Oberaargau.

Finanzausgleich und interkantonaler Vergleich

Der Bericht Gemeindefinanzen des AGR zeigt ebenfalls die Wirkung des kantonalen Finanzausgleichs und die Massnahmen für besonders belastete Gemeinden im Vergleich zum ordentlichen Steuerertrag 2010. 60 Gemeinden waren Nettozahler, 276 Gemeinden haben Zahlungen aus dem Finanzausgleich erhalten. In 17 Gemeinden überstiegen die erhaltenen Leistungen aus dem Finanzausgleich und den Massnahmen für besonders belastete Gemeinden den ordentlichen kommunalen Steuerertrag.

Die Gesamtsumme des Finanzausgleichs beläuft sich 2010 auf rund 174,5 Millionen Franken. Der Kanton hat 80,3 Millionen Franken einbezahlt und die Einzahlungen der Gemeinden belaufen sich auf 94,2 Millionen Franken. Während der letzten vier bis fünf Jahre ist die finanzielle Situation der bernischen Gemeinden sehr stabil positiv geblieben. Mit einer Ausnahme weisen 2010 alle Gemeinden ein Eigenkapital von einem oder mehreren Steueranlagezehnteln aus. Auch im interkantonalen Vergleich sind die Gemeinden des Kantons Bern im Mittelfeld gut positioniert. (mgt/aes)