Vater Staat kommt im Minutentakt

Vater Staat kommt im Minutentakt

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Teaserbild-Quelle: Bild: Joan Campderrós-i-Canas (CC BY 2.0)

VON WERNER CATRINA

In elegantem Bogen führt die Fussgängerpassage von der Metrostation «Marina Bay» zu den «Gardens by the Bay», dem attraktiven, neuen Stadtpark Singapurs mit einem botanischen Garten und dem grössten Glasgewächshaus der Welt.  Grossformatige Bilder mit künstlerisch gestalteten Blüten und Dschungellandschaften schmücken den stark frequentierten, unterirdischen Durchgang als Teil des öffentlichen Verkehrssystems. Die beiden Schienennetze MRT (Mass Rapid  System) und LRT (Light Rapid System) sowie eine grosse Zahl von Buslinien sind mehr als ein zuverlässiges Transportsystem.

Singapurs öffentliches Transportnetz ist durchgestylt und umfasst funktionale und gut gestaltete Stationen, weit verzweigte unterirdische Ladenpassagen im Stil des Zürcher Shopvilles, Fussgängerbrücken und auch Veloterminals. Dieses umfassende Konzept entspringt einem Masterplan, der in dieser Dimension nur in einem autoritär geführten Staat möglich ist. Volksabstimmungen wie in der Schweiz über die Neat, Fabi oder seinerzeit die Zürcher U-Bahn sind hier undenkbar.

Priorität für den ÖV

Früh erkannte die Regierung Singapurs die Wichtigkeit des öffentlichen Verkehrs in einem Land, dessen Fläche nur einen Drittel des Kantons Zürich umfasste. Inzwischen ist die Insel durch Aufschüttungen ins Meer um rund 100 Quadratkilometer gewachsen. Der 1965 neu gegründete Staat zählte damals 3,5 Millionen Einwohner, die sich grossenteils in der City und auf ihre Vororte konzentrierten – ideale Bedingungen für eine Untergrundbahn, die 1986 dem Betrieb übergeben wurde.

In einer weiteren Etappe dehnte man das Schienennetz auf das ganze Land aus. Auslöser dieses zweiten Schrittes war das so genannte «White paper», das postulierte, dass in Singapur 75 Prozent des Personenverkehrs mit dem öffentlichen Verkehrs abgewickelt werden müsse. Ausserhalb der City oberirdisch meist auf Brücken gebaut, erschliessen MRT und LRT das Land feinmaschig. Dieser Kraftakt des kleinen, wirtschaftlich potenten Landes ist erstaunlich. Das heute 178  Kilometer lange Netz bedient 142 Stationen und transportiert rund zwei Millionen Personen im Tag.

Mit der 36 Kilometer langen Circle Line, welche eine Reihe der neuen Satellitenstädte bedient, kann man in etwas mehr als einer Stunde die ganze Insel auf einem inneren Kreis umrunden. Weitere Linien führen an die Ränder der Insel, die N7 beispielsweise zu den Woodlands im Norden mit der Brücke am Causeway nach Malaysia von wo täglich Hunderttausende Grenzgänger zum Arbeiten ins Land strömen.

Ähnlich wie der ÖV in der Schweiz bedienen Bahnen und Busse auch Randgebiete mit geringeren Frequenzen in kurzen Abständen. Dies als echter Service public, einem nicht kostendeckenden Dienst an der Gemeinschaft. Es ist der Ehrgeiz  dieser Regierung, dass MRT, LRT und die Buslinien mit modernstem Material ausgerüstet sind. Auf den vorbildlich beschrifteten Stationen fahren die Kompositionen genau nach Fahrplan ein und halten bei den durch transparente Wände geschützten Plattformen, deren Schiebtüren sich synchron mit den Zugstüren öffnen und schliessen. (...)

 

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