Muss es wirklich das eigene Silo sein?

Muss es wirklich das eigene Silo sein?

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Teaserbild-Quelle: Patrick Aeschlimann
Mieten oder kaufen?

Vermehrt entscheiden sich Gemeinden dazu, ein Salzsilo zu mieten, statt ein eigenes zu kaufen. Die jährlichen Mietzinskosten belasten das Budget kaum und es müssen keine
hohen Investitionen getätigt werden – in Zeiten des Spardrucks eine attraktive Lösung. Doch wann lohnt sich die Silomiete für Gemeinden wirklich und wo empfiehlt es sich, in ein eigenes zu investieren?

Silo Rüschlikon
Quelle: 
Patrick Aeschlimann

Im Anflug: Rüschlikon ZH hat sich aufgrund der spezifischen Platzverhältnisse für den Kauf eines eigenen Silos entschieden.

Rund 40 Tonnen Auftausalz verteilt Hasliberg BE jeden Winter auf den Gemeindestrassen. Das entspricht 1600 25-Kilogramm-Säcken, die trocken und geschützt gelagert werden müssen. Das braucht viel Platz. Und spätestens vor den Einsätzen auch jede Menge Muskelkraft, wenn pro Fahrt zwischen 700 und 800 Kilogramm Salz von Hand ins Winterdienstfahrzeug gestemmt werden müssen.

Doch seit vier Jahren bleiben Haslibergs Werkgruppenmitarbeiter glücklicherweise davon verschont, denn seither ist die Gemeinde stolze Besitzerin eines Salzsilos. Säckeschleppen ist hier passé.

«Das Silo bedeutet für uns eine enorme Arbeitserleichterung», berichtet der ehemalige Werkgruppenleiter und heutiger Mitarbeiter der Werkgruppe, Kurt Nägeli. Vor einem Einsatz – zum Beispiel um vier Uhr in der Früh – mehrere Dutzend 25-Kilogramm-Säcke auf zwei Meter Höhe hochzuheben, um das Streufahrzeugzu beladen, kann die Mitarbeiter gesundheitlich stark belasten.

Mit dem Silo hingegen füllt sich das Fahrzeug fast von selbst: «Wir können an das Silo heranfahren, den Hebel umlegen und schon fliesst das Salz hinein», schwärmt Nägeli. Ein weiterer Vorteil liegt in der eingesparten Lagerfläche. In den «Vor-Silo-Zeiten» musste Hasliberg eine zusätzliche Garage mieten, um die vielen Salzsäcke unterzubringen und trocken lagern zu können. Nun braucht das Auftausalz lediglich nach oben hin Platz.

Doch das 25-Kubikmeter-Salzsilo, das Nägeli und seinen Teamkollegen die Arbeit erleichtert, ist kein gewöhnliches Salzsilo. Oder zumindest der «Beziehungsstatus» zwischen der Gemeinde und dem Silo ist es nicht: Es handelt sich um ein Mietsilo der Schweizer Salinen, das zwar seit mehreren Jahren in Hasliberg steht, der Gemeinde aber nicht gehört.

Kosten jährlich verbuchen

«Immer mehr Gemeinden mieten ein Silo, anstatt es zu kaufen», sagt Serge Savary, Markt Manager bei den Schweizer Salinen. Seit 2013 hat die Firma mobile Mietsilos im Angebot. Mittlerweile können die Gemeinden aus fünf verschiedenen Silovarianten aussuchen. Dabei gibt es die Silos in unterschiedlichen Grössen – von 25 bis 75 Kubikmeter Fassungsvermögen – und aus den Materialien Metall, Kunststoff oder Holz.

Bei vier von fünf Varianten gehört das Dienstleistungspaket Taufix Manager dazu. Dabei wird über Sensoren der Füllstand gemessen und eine rechtzeitige Nachbestellung ausgelöst, wenn das Salz eine gewisse Menge unterschreitet. So müssen sich die Werkhofmitarbeiter nicht um die Prüfung des Füllstands und die Bestellungen kümmern. Lediglich beim kleinsten Silo, das auch Hasliberg ausgesucht hat, wird diese Dienstleistung noch nicht angeboten. Trotzdem ist das günstigste 25-Kubikmeter-Metallsilo ohne Taufix Manager das meistgemietete Silo der Schweizer Salinen, wie Savary berichtet.

Der «Klassiker» kann bereits ab einer Saison gemietet werden. Alle anderen Varianten sind ab einer Mietdauer von fünf Jahren verfügbar. «Die Silomiete wird einmal jährlich fakturiert. Mit der Miete sind die Silokosten für die Gemeinden im Budget planbarer», sagt Savary. «Es gibt viele Gemeinden, die das Budget für einen Silokauf einfach nicht haben. Deshalb entscheiden sie sich für die Mietlösung, die sie einfacher in die jährlichen Kosten aufnehmen können.»

Haslibergs Nullsummenspiel

Die Abwägung zwischen Investitionskosten und jährlichen Mietkosten ist in Hasliberg zugunsten der Mietvariante ausgefallen. «In Zeiten, in denen überall gespart werden soll, ist der Silokauf ein zu grosser Posten», erklärt Nägeli. Mit der günstigsten Mietvariante ist das Silo für die Gemeinde eigentlich ein Nullsummenspiel – mit dem Effekt der Arbeitserleichterung: Da die Gemeinde nicht mehr jede Menge Sacksalz in einer Garage lagern muss, fällt die Miete für die Lagerfläche weg. Gleichzeitig ist der Einkauf des Salzes in Kombination mit dem Mietsilo günstiger als in Form von 25-Kilogramm-Säcken. «So haben wir unter dem Strich keine Mehrkosten, ersparen uns aber das Schleppen und Stemmen der Säcke», fasst Nägeli zusammen.

Doch kann die Frage «Mieten oder kaufen?» so schnell beantwortet und abgehakt werden? Naturgemäss haben Miete und Kauf auf kurze und lange Sicht unterschiedliche Auswirkungen. Der Kauf eines Silos ist eine langfristige Investition, die flüssige Mittel bedarf und einen grösseren politischen Prozess bedeutet als der Entscheid für jährliche Mietzinsauslagen, die eher Unterhaltskosten ähneln und sich einfacher im Budget unterbringen lassen.

Die Rechnung sollte jedoch auf Jahrzehnte hinaus gemacht werden, denn in der Regel geht man bei Silos von einer Lebensdauer von 20 bis 30 Jahren aus. Eine differenzierte Betrachtung der Bedürfnisse und Möglichkeiten ist vor einer Entscheidung daher wichtig. (...)

Autoren

Nadine Siegle
Stv. Chefredaktorin Kommunalmagazin

Nadine Siegle hat an der Universität Zürich Rechtswissenschaft studiert und 2013 abgeschlossen. Seit September 2016 ist sie stellvertretende Chefredaktorin beim Kommunalmagazin. Sie interessiert sich besonders für Themen der Nachhaltigkeit und Digitalisierung sowie für den sozialen Wandel.