Kampf dem Kalk

Kampf dem Kalk

Gefäss: 
Teaserbild-Quelle: zvg
Kampf dem Kalk

Behindert Kalk oder Beton den Durchfluss von Schmutz- und Meteorwasserleitungen, gab es bisher oft nur eine Option: Gräben auf und Leitungen neu verlegen. Eine junge Firma aus dem Sanktgaller Rheintal verspricht nun Abhilfe. Sie geht den Ablagerungen mit einem Spezialroboter und einem Höchstdruck-Wasserstrahl von bis zu 2500 bar an den Kragen.

Bruno Zaugg, Werkhofleiter in der Berner Gemeinde Belp, war ratlos: In einem Quartier am Fusse des Längenbergs trat bei Niederschlägen immer wieder Wasser aus den Schachtdeckeln. Bis auf Vorplätze und gar in Häuser dehnten sich die Überschwemmungen aus. «Das Problem war schnell gefunden», sagt Zaugg. «Eine Meteorwasserleitung, die eigentlich das Gebiet entwässern sollte, war dermassen verkalkt, dass sie kaum mehr Wasser aufnehmen konnte.» Hauptverursacher der Ablagerungen war sehr hartes Quellwasser, welches bei Überschusssituationen bei der Trinkwasseraufbereitung in die Leitung geführt wird.

Der Kanalreiniger wurde aufgeboten, doch mit der Frästechnik stiess er rasch an seine Grenzen. «Es gibt Kalk und Kalk. Diese Ablagerungen waren dermassen kompakt und hart, dass er nur schlecht und sehr langsam vorwärtskam. Das war ineffizient, ineffektiv und ich hatte Angst vor Schäden am Rohr», so Zaugg.

Hinzu kamen topografischeHindernisse: Wegen starkem Gefälle schlängelt sich die Leitung im Zickzack den Hang hinunter. «Gerade in den Bögen lieferte die Fräse keine befriedigenden Ergebnisse», sagt Zaugg.

Schonend und effizient

Die Lösung für Belps Verkalkungsproblem kam in Gestalt eines Spezialroboters aus dem Dreiländereck Schweiz / Liechtenstein / Österreich. In Lienz SG tüftelten die Mitarbeiter der Firma Drainjet Robotics in den letzten Jahren an einem Roboter, der sich hartnäckigenAblagerungen mit Höchstdruck-Wasserstrahltechnik entgegenstellt. «Das Problem war, dass herkömmliche Kanalroboter nicht auf Höchstdruck von bis zu 2500 bar ausgelegt sind», sagt Eric Wohlwend, Geschäftsführer von Drainjet Robotics. Der starke Rückstoss, das auf den Roboter zurückprallende Material und die hohen Temperaturen aus dem Abtragsprozess machten der Technik zu schaffen.

Doch Wohlwend und sein Team haben alle Herausforderungen gemeistert: «Wir haben das ganze System überarbeitet sowie den kompletten Kopf und die Überwachungstechnik von Grund auf neuentwickelt und aufgebaut.» Seit zwei Jahren ist die Technologie nun marktreif und hat sich im Einsatz bewährt.

Dennoch sind viele potenzielle Kunden skeptisch. «Hören sie, dass wir mit einem Wasserdruck von über 2000 bar arbeiten, haben sie verständlicherweise Angst, dass wir nicht nur die Fremdkörper wegjetten, sondern auch gleich das Rohr», so Wohlwend. Das Prinzip des Höchstdruck-Wasserstrahlens beruht auf der Kombination von hohem Druck und geringem Wasserstromvolumen. Gearbeitet wird in der Regel axial strahlend, also annähernd parallel zur Rohrwand. So wird sichergestellt, dass keine direkte Kraft auf die Rohrwandung wirkt, was Beschädigungen an der Leitung minimiert. «Ein weiterer Vorteil unserer Technik ist die permanente Überwachung des Roboters per Kamera. Auf diese Weise können wir sehr exakt arbeiten», sagt Wohlwend.

Möglich ist der Einsatz des Roboters ab einer Nennweite des Rohres von DN 100. Nach oben gibt es keine Grenze. Begehbare Leitungen können, je nach Situation und Gefahrenpotenzial für den Menschen, auch von Hand gereinigt werden. «Dabei hat die Arbeitssicherheit höchste Priorität. Alle unsere Mitarbeiter haben mehrere Sicherheitsschulung absolviert», erklärt Wohlwend.Zwingend ist die Einhaltung der von der Eidgenössischen Koordinationskommission für Arbeitssicherheit (Ekas)  verfassten Richtlinien zum Betrieb von Höchstdruck-Wasserstrahl-Geräten. (...)

Autoren

Patrick Aeschlimann
Chefredaktor Kommunalmagazin

Patrick Aeschlimann hat an der Universität Zürich Politikwissenschaft studiert und 2010 abgeschlossen. Seit November 2011 ist er als Redaktor beim Kommunalmagazin tätig, seit August 2016 ist er Chefredaktor. Er interessiert sich besonders für politische Themen, die digitale Transformation aller Lebensbereiche und gesellschaftliche Entwicklungen.