Wie Moore vor Hochwasser schützen

Wie Moore vor Hochwasser schützen

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Teaserbild-Quelle: Bild: Bastien Amez-Droz

Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) hat in aufwendigen Messungen die hochwasser­mindernde Wirkung von Mooren erfasst. Im Zuständigkeitsbereich der bayerischen Staatsforstverwaltung befinden sich knapp 14 300 Hektaren Moor. Ein Grossteil ist aufgrund früherer Kultivierungsmassnahmen stark verändert und hat seine ursprünglichen hydrologischen ­Eigenschaften eingebüsst.

20 Prozent dieser Moorfläche sind ­bereits aktiv renaturiert. Bayern macht das nicht allein aus hehren Naturschutzgründen. Die Bayerische Landesanstalt für Bodenkultur und Pflanzenbau (LBP) hat während dreissig Jahren minutiös die Wasserbilanz unterschiedlich genutzter Hochmooreinzugsgebiete ermittelt.

So konnte eine Annahme überprüft ­werden, die auch in der Fachliteratur immer wieder auftaucht, dass entwässerte Moore mehr zur Hochwassersicherheit bei­trügen als naturbelassene.

Unberührte Moore am besten

Die Langzeitmessungen widersprachen dieser Behauptung deutlich. Auf 300 Hektaren Hochmoorfläche wurde ein nahezu unberührter Teil von 20 Hektaren mit einem intensiv entwässerten Hochmoorgrünland verglichen, von dem ein Teil mit Fichten aufgeforstet worden war. Es zeigte sich, dass der Abfluss aus dem unberührten Hochmoor deutlich unter ­jenem des kultivierten lag.

Die ­bewal­deten Flächen gaben im Laufe ­­­des Jahres noch weniger Wasser an die um­liegenden Oberflächengewässer ab. In Waldgebieten bleibt etwa 30 Pro­zent des Niederschlags in den Ästen ­und Zweigen hängen und erreicht den Boden gar nicht. Er verdunstet, sobald der Regen vorbei ist. Allerdings verliert sich ­diese Wirkung bei lang anhaltenden ­Niederschlägen.

Bei Starkregenereignissen schützt Wald kaum noch

Daher sah die Bilanz nach Starkreg­en­ereignissen anders aus. Diese sind für das Hochwassergeschehen massge­blich. Hier nutzte der Fichtenbestand ­wenig. Nur das unberührte Hochmoor ver­­zö­gerte die Abflussmengen deutlich.

In entwässerten Moorflächen wurden dagegen rasch sehr hohe Abflussmengen gemessen. Auf der unberührten Parzelle zeigte sich kein so deutlicher Hochwasserscheitel. Der Abfluss verteilte und verzögerte sich um mehr als vier Tage.

Torfschicht ist wichtig

Neben dem Widerstand der aufquellenden, kleinstrukturierten Vegetationsdecke spielt auch die Wasserspeicher­kapazität der oberen, grobporigen Torfschich­ten eine Rolle. Der Abfluss erfolgt nicht konzentriert und turbulent in Drainagegräben, sondern laminar, also stark gedämpft durch die oberen, grobpo­rigen Torfschichten und über die gesamte Fläche hinweg.

Das Fazit der LWF nach dreissig Jahren Messungen: «Ein intaktes Hochmoor kommt mit starken Regenfällen am besten zurecht und schützt seine Umgebung am effektivsten vor den Folgen von Hochwasserereignissen. ­Jeder Eingriff in die Hydrologie eines Hochmoores wirkt negativ auf den Gebietswasserhaushalt und sollte unterbleiben oder mittels Renaturierungsmassnahmen so weit wie möglich ausgeglichen werden.»

Torfmoore sind eines der effizientesten Mittel, welche die Natur gegen Überflutungen zu bieten hat. Ihre Wasseraufnahmefähigkeit ist fünfmal höher als die von Wiesen.