Berner Stadtregierung will neues Abfalltrennsystem testen

Berner Stadtregierung will neues Abfalltrennsystem testen

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Teaserbild-Quelle: Stadt Bern

Die Berner Stadtregierung hat neue Ideen zur Abfallentsorgung. Sie will ab Mitte 2018 ein Abfallsammlungssystem testen, das die bisherigen Gebräuche über den Haufen wirft.

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Stadt Bern

Walter Matter, Leiter «Entsorgung + Recycling», und Gemeinderätin Ursula Wyss zeigen das neue Abfalltrennsystem mit verschiedenfarbigen Abfallsäcken.

Die Entsorgungsbedürfnisse der Bevölkerung haben sich im Zeitalter der 24-Stunden-Gesellschaft verändert. Das Trennen von Wertstoffen ist stark in den Gewohnheiten verankert. Doch möchten die Menschen ihren Abfall dann entsorgen, wann sie wollen – an jedem Wochentag, zu jeder Uhrzeit. Zudem ist ein genereller Trend zu kleineren Haushaltungen ohne Auto und zu Hauslieferungen feststellbar.

Belastung für Mitarbeiter der Abfallentsorgung

Die zwölf städtischen Quartierentsorgungsstellen seien permanent übernutzt, was zu Belastungen der Nachbarschaft sowie zu einem grossen Reinigungs- und Betriebsaufwand für «Entsorgung + Recycling Stadt Bern» (ERB) führe, schreibt der Berner Gemeinderat in einer Mitteilung.

Für die Mitarbeitenden der Abfallentsorgung würden die heutigen mobilen Sammlungen für Hauskehricht und Papier/Karton, bei denen sie die Abfallsäcke manuell in die Kehrichtwagen versorgen müssen, zudem hohe Gesundheitsrisiken bergen. «Diese Situation ist für unsere Mitarbeiter auf die Länge nicht mehr tolerierbar», wird SP-Gemeinderätin Ursula Wyss, Direktorin für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün, in der Mitteilung zitiert.

Verschiedenfarbige Abfallsäcke

Ab Mitte 2018 will der Berner Gemeinderat deshalb ein sogenanntes Farbsack-Trennsystem testen, bei dem die Bewohner der Stadt Bern nicht mehr die Kehrichtsäcke vor das Haus stellen und Glas und Büchsen gesondert zur Quartierentsorgungsstelle oder in einen Laden bringen. Vielmehr könnten Berner gemäss dem neuen System alles vor ihrem Haus oder ihrer Wohnung in einen Container legen und abholen lassen, lediglich getrennt nach Material in verschiedenfarbigen Abfallsäcken.

Recyclingquote erhöhen

Mit der Einführung dieses Trennsystems wolle die Stadt Bern den veränderten gesellschaftlichen und betrieblichen Bedürfnissen Rechnung tragen, so die Mitteilung des Gemeinderats weiter. Das neue System ermögliche einen schrittweisen Verzicht auf die überlasteten Quartierentsorgungsstellen und sei zudem aus ökologischer Sicht sinnvoll: Damit würden ideale Voraussetzungen geschaffen, um die Recyclingquote in der Stadt Bern weiter zu erhöhen.

Europäische Städte kennen es schon

Ursula Wyss spricht dabei sogar von Pionierarbeit: «Der Nutzen und der erhöhte Komfort des neuen Sammel-Systems überzeugen. Das bringt mehr Umweltschutz, ist kundenfreundlicher und belastet die Gesundheit unserer Mitarbeitenden weniger. Die Stadt Bern leistet mit der Einführung des Farbsack-Trennsystems schweizweit Pionierarbeit.»

Denn eine solche Abfallsammlung gebe es nirgends in der Schweiz, schreibt der Berner Gemeinderat – aber immerhin schon in 16 europäischen Städten wie Oslo oder dem französischen Nantes.

Einjährige Testphase

Das Berner Pilotprojekt soll ein Jahr lang dauern und mit Freiwilligen durchgeführt werden. Dabei sollen die Praxistauglichkeit, die Akzeptanz in der Bevölkerung und die Wirtschaftlichkeit getestet werden. Weiter soll der Versuch zeigen, wie viele Container bei einer stadtweiten Einführung benötigt werden und wie viele Standplätze auf privatem oder öffentlichem Grund zu liegen kommen.

Bevor der Pilotversuch durchgeführt werden kann, hat aber das Stadtparlament noch ein Wörtchen mitzureden: Ihm legt die Berner Stadtregierung einen Investitionskredit von 130 000 Franken und einen Verpflichtungskredit von 565 000 Franken zur Genehmigung vor. (mgt/sda/nsi)