Sturm Burglind fordert die Waldeigentümer

Sturm Burglind fordert die Waldeigentümer

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Teaserbild-Quelle: Urs Wehrli, WaldSchweiz

Letzte Woche fegte der Sturm Burglind über die Schweiz. Zehntausende Bäume wurden gefällt. Für die Forstprofis und Waldeigentümer stehen gefährliche und aufwändige Räumungsarbeiten an. Die Bevölkerung wird dringend gebeten, in den nächsten Tagen auf Waldspaziergänge zu verzichten.

Erste Meldungen und Beobachtungen zeigen, dass Burglind die Schweizer Wälder vielerorts stark heimgesucht hat. Noch fehlt ein detaillierter Gesamtüberblick der Schäden, denn wegen dem anhaltend schlechten Wetter mit prekären Sichtverhältnissen, der teils grossen Lawinengefahr und wegen vielen gesperrten Strassen konnten noch längst nicht alle Wälder kontrolliert werden.

Nach ersten Erhebungen von Wald Schweiz, dem Verband der Waldeigentümer,  gab es vereinzelte grössere Windwürfe, aber nicht im Ausmass wie nach dem letzten grossen Sturm «Lothar» 1999, als ganze Hänge flachgelegt wurden.

Hingegen wurden sehr viele einzelne Bäume und Baumgruppen besonders an exponierten Lagen und entlang von Waldrändern, Strassen und Bahngeleisen umgeworfen – aber auch mitten in grösseren Wäldern. Fachleute sprechen von sogenannten «Streuschäden».

Die Windgeschwindigkeiten waren im Schnitt rund 30-50 km/h tiefer als bei Lothar, erreichten in örtlichen Böen aber auch neue Rekordwerte. Es könnten also durchaus noch grössere Windwurfschäden zum Vorschein kommen.

Lothar richtete viel mehr Schäden an

Markus Brunner, Direktor von Wald Schweiz rechnet grob geschätzt mit umgeworfenen Holzmengen «in der Grössenordnung von einigen hunderttausend Kubikmetern. Diese Menge könnten die Waldeigentümer bewältigen.» Zum Vergleich: 2016 wurden im Schweizer Wald knapp 5 Millionen Kubikmeter geerntet; nach Lothar fielen 13 Millionen Kubikmeter an.

Nach Einschätzung des Direktors werden die wichtigsten Waldfunktionen, insbesondere in den Schutzwäldern, durch die Streuschäden wohl im ersten Moment nur örtlich beeinträchtigt. Unbekannt sind aber die Auswirkungen typischer Folgeschäden von Stürmen, wie etwa verstärktem Borkenkäferbefall.

Das Bundesamt für Umwelt wird in den nächsten Tagen in Zusammenarbeit mit den kantonalen Forstdiensten einen geografischen Überblick erstellen und das Schadensausmass abschätzen.

Aufräumen aufwändig und gefährlich

Die umgefallenen oder geknickten Bäume können in der Regel nicht einfach liegen gelassen werden. Aus Sicherheitsgründen müssen sie vielerorts rasch geräumt werden, besonders in Lawinenhängen und Bachgerinnen, entlang von Verkehrswegen oder in vielbegangenen Erholungswäldern.

Weiter gilt es, der massenhaften Ausbreitung von Borkenkäfern auf geschwächten und absterbenden Bäumen ab dem Frühjahr zuvorzukommen. Und vor allem soll das anfallende Holz auch aus Nachhaltigkeitsgründen sinnvoll genutzt werden.

Bei vielen dezentralen Streuschäden ist die Räumung des Holzes allerdings verhältnismässig aufwändig und teuer, da meist nicht flächig und oft nicht mit modernen Erntemaschinen gearbeitet werden kann, und weil Arbeitssicherheit oberste Priorität hat. An Hängen und in abgelegenen, schlecht zugänglichen Wäldern muss Vieles in anspruchsvoller Handarbeit mit der Motorsäge und mit Seilzug ausgeführt werden.

Meist sind diese Aufräumarbeiten nicht kostendeckend machbar. Viele Waldeigentümer können sich das aufgrund ihrer ohnehin schwierigen wirtschaftlichen Lage kaum leisten. Bund, Kantone und Gemeinden, die Haupt-Nutzniesser der vielfältigen Waldleistungen sind, stehen nun in der Verantwortung, sie mit Rat, Tat und Geld zu unterstützen.

Holzerarbeiten im Sturmholz sind sehr gefährlich: Bäume liegen oft verdreht und unter Spannung, sind eingeklemmt oder hängen noch in Nachbarbäumen. Die tragischen Unfallzahlen nach dem Sturm Lothar bestätigen, dass das Aufräumen von Sturmholz für Laien oft tödlich oder mit schweren Verletzungen enden kann. Jede Situation, jeder Baum muss einzeln beurteilt und mit dem nötigen Fachverstand angegangen werden – ein Fall für gut ausgebildete Forstprofis.

Wald Schweiz geht momentan davon aus, dass die umgeworfenen Bäume nach und nach koordiniert mit den vorhandenen Kapazitäten aufgerüstet, vermarktet und abgeführt werden können. Der Verband empfiehlt allen Waldeigentümern, nach Abschluss von dringenden Sicherheitsräumungen in Ruhe eine gründliche Lagebeurteilung vorzunehmen und erst danach die Räumungsarbeiten auszuführen. An vielen Orten wird eine Räumung ohnehin erst nach der Schneeschmelze möglich sein. (mgt/aes)

Keine «Ruhe nach dem Sturm» beim Waldspaziergang

Die Waldeigentümer mahnen zur Vorsicht: In den Schweizer Wäldern herrscht momentan eine trügerische Stille. Viele Bäume, Kronenteile und Äste sind angerissen und beschädigt, ohne dass man es ihnen ansieht. Schwere Äste hängen noch in den Kronen. Sie können bei geringsten Erschütterungen oder Luftbewegungen ohne Vorwarnung zu Boden donnern und Menschen erschlagen.

Somit sind Waldspaziergänge in den nächsten Wochen mit erhöhtem Risiko verbunden und wenn möglich zu unterlassen. Insbesondere vom Verlassen der Wege und dem Aufenthalt im Umfeld von umgefallenen Bäumen wird gewarnt. Absperrungen und Signalisationen der Forstverantwortlichen sind strikt zu beachten. Personen, die dennoch im Wald umherlaufen, tun dies auf ihr eigenes Risiko, teilt Wald Schweiz mit.