Männlein oder Weiblein? – Wie Streusalz die Froschwelt verwirrt

Männlein oder Weiblein? – Wie Streusalz die Froschwelt verwirrt

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Teaserbild-Quelle: Anita Stöwesand/Pixelio

Der Winter naht, der Winterdienst ist bereit. Bald hat Streusalz wieder Saison. Und mit ihm kommen die Gefahren für die Umwelt, wenn das Salz in die Böden sickert und in den Gewässern landet. Nun zeigen amerikanische Forscher, wie salzhaltiges Wasser die Entwicklung der Frösche gefährdet, die darin leben.

Laubfrosch auf einem Ast

Amerikanische Forscher haben herausgefunden, dass Streusalz Auswirkungen auf die Geschlechtsentwicklung von Fröschen hat.

Bevor die ersten Schneeflocken überhaupt Gelegenheit haben, sich auf den Wegen und Strassen festzusetzen, werden sie schon von ihrem weissen Feind, dem Streusalz, vertrieben. Damit können unbestrittenermassen sehr viele Unfälle vermieden werden. Doch für die Umwelt hat diese Streusalz-Orgie ganz andere Konsequenzen.

Mehr Männchen bei mehr Salzgehalt

Forscher der Yale University haben herausgefunden, dass Streusalz die Geschlechtsentwicklung von Fröschen beeinflussen kann. Um den Einfluss des Salzes auf die Entwicklung von Fröschen zu testen, führten sie Experimente mit Waldfrosch-Kaulquappen durch, die sie in Wasser mit unterschiedlichen Salzkonzentrationen aufwachsen liessen.

Getestet wurden Bedingungen, wie sie in natürlichen Gewässern in unterschiedlichen Abständen zu stark bestreuten Strassen angetroffen werden. Aus den Kaulquappen, die keinem zusätzlichen Salzgehalt ausgesetzt waren, entwickelten sich 63 Prozent weibliche Frösche. In Gewässern mit übermässigem Salzgehalt hingegen bildeten sich bis zu zehn Prozent mehr männliche Waldfrösche als normal.

Verwirrte Froschhormone

Das salzhaltigere Wasser führte aber nicht nur zu einer kleineren Zahl an Weibchen. Die Weibchen, die heranwuchsen, waren ausserdem deutlich kleiner als normal. Max Lambert, der die Studie mit seinem Team durchführte, befürchtet: «Durch das Salz gibt es also nicht nur weniger, sondern auch kleinere Weibchen, die womöglich weniger Eier produzieren können als üblich.» Und auch die Qualität dieser Eier sei wahrscheinlich schlechter.

Wie es zu diesem Phänomen kommen kann, ist nicht vollständig geklärt. Die Wissenschaftler vermuten aber, dass Salzmoleküle das Hormonsystem der Frösche verwirren. Das Salz würde fälschlicherweise wie Geschlechtshormone behandelt.

Kleinere Salzmengen dürften noch unproblematisch sein. «Aber wenn man haufenweise Streusalz auf die Strassen schüttet, das dann in die Tümpel gelangt, dann kann das grosse Auswirkungen haben», zitiert die österreichische Zeitung «Der Standard» Max Lambert.

Die Wissenschaftler befürchten ausserdem, dass die zunehmende Versalzung auch die Entwicklung von anderen Amphibien beeinflussen könnte. Deshalb plädieren sie dafür, sorgsamer mit der Verwendung von Streusalz umzugehen. (nsi, mit Material von «derStandard.at»)