Kinder wünschen sich mehr Grün zwischen dem Beton

Kinder wünschen sich mehr Grün zwischen dem Beton

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Teaserbild-Quelle: Annie Spratt/unsplash

Die Geografin und Raumplanerin Daniela Gaspoz hat dieses Jahr im Rahmen des Projekts «Freiraum Freiburg» das Teilvorhaben «Cour d’école de Marly Cité» realisiert. Das vom Staat finanziell unterstützte Projekt hat zum Ziel, Räume zu schaffen, die Menschen dazu bewegen, anzuhalten und mehr Zeit im Freien zu verbringen. Einen grossen Teil der planerischen Arbeit übernahmen die Schulkinder von Marly.

Kinder wünschen sich mehr Grün zwischen dem Beton
Quelle: 
Annie Spratt/unsplash

Kinder haben im Rahmen des Projekts «Freiraum Freiburg» ihre Ansprüche an den öffentlichen Raum geäussert.

Die grundlegende Idee war simpel und bestand aus zwei Teilen: Bestehende Orte sollten erstens belebt werden, damit Kinder dort spielen oder ältere Menschen sich auf einer Bank hinsetzen können. Zweitens sollten dieselben Orte auch biodiversifiziert werden.

Kinder als Raumplaner

Der Startschuss fiel in Marly. Vor der Transformation war der dortige Schulhof hauptsächlich ein Autoparkplatz für die Besucher der gegenüberliegenden Kirche. Als die Kinder des Dorfes bei dieser ihr Anliegen vorbrachten, nämlich dass ihnen die Autos auf ihrem Pausenplatz missfielen, kam das Gotteshaus ihnen entgegen und der Parkplatz wurde verlegt. Die Kinder beklagten ebenfalls, dass es im Sommer auf dem blanken Asphalt sehr heiss würde, und sie sich Schatten und Wasserstellen wünschten.

Die Marienstrasse in Marly vor und nach der Begrünung
Quelle: 
Daniela Gaspoz

Die Marienstrasse in Marly vor und nach der Begrünung.

Ein Workshop mit allen Schulkindern des Orts wurde veranstaltet, an dem sie sagen konnten, was ihnen an ihrem Schulhof gefiel und was nicht; Sie durften ihre Wünsche in Wort und Bild festhalten. Aufgrund dieses Materials schritten die Planer zur Anfertigung dreier Schulhofversionen, die einem Gremium aus Elternvertretern, Lehrern und Politikern präsentiert wurden. In einem nächsten Schritt stimmten die Kinder über Farbe und Materialien des Siegerprojekts ab, wobei Holzkonstruktionen sowie die Kombination aus blau und rot obenaus schwangen – und schon konnte es losgehen. Der Schulhof von Marly veränderte sich zu einem Ort der Begegnung und des Pflanzenwachstums. Auf den Grünflächen pflanzte man Wildblumen, die im Frühling blühen. Bäume spenden Schatten, der den ehemals bis zu 80 Grad heissen Asphaltboden im Sommer höchstens 30 Grad warm werden lässt.

Ein Kanton im Wandel

Nach dem Vorbild von Marly wurden weitere Projekte in und um Freiburg realisiert, wobei stets die Inputs der Schulkinder berücksichtigt wurden. Entstanden ist nicht nur eine Bereicherung für Anwohner jeden Alters, sondern auch für Flora und Fauna. (lfr)

Der Schulhof von Marly vor und nach der Begrünung
Quelle: 
Daniela Gaspoz

Der Schulhof von Marly vor und nach der Begrünung: Die Autoparkplätze wurden verlegt, um Platz für eine Grünzelle zu schaffen.

«Freiraum Freiburg»

Das Projekt ist ein Modellvorhaben des Bundes und geht die Aufgabe der Lebensraum-Wiederbelebung auf verschiedenen Ebenen an. Erstens, wie im obigen Artikel ersichtlich, wird Grün gezielt in eine von Beton geprägte urbane Umgebung eingepflanzt. Zweitens sollen Teilvorhaben die Gesundheit der Bevölkerung und den Entdeckergeist der Kinder fördern: So werden etwa neue Bänke oder Vitaparcours gebaut und Bienen- und Insektenhotels aufgestellt.