Innsbruck, eine «stinknormale Stadt»

Innsbruck, eine «stinknormale Stadt»

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Teaserbild-Quelle: Dnalor 01 (CC BY-SA 3.0 at)

Olfaktorisch gesehen ist Innsbruck eine «stinknormale» Stadt. Zu diesem Schluss kommen Forscher der Universität Innsbruck,  die die Emissionsquellen flüchtiger organischer Verbindungen der Stadt analysiert haben. Zudem stellten sie fest, dass urbane Emissionen weltweit unterschätzt werden.

Blick auf den Innsbrucker Dom
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Dnalor 01 (CC BY-SA 3.0 at)

Über den Dächern von Innsbruck entdeckten Wissenschaftler auch Hinweise auf Silikonöle, die in sehr vielen Kosmetika und Reinigungsmitteln enthalten sind.

Die Abgase einer Autokolonne, der Duft einer Kaffeerösterei, der Rauch von Zigaretten oder die Gerüche, die der Küche eines Restaurants entströmen – sie prägen den spezifischen Geruch einer Stadt. Je nachdem wird, was in die Nase sticht, von flüchtigen organischen Verbindungen oder VOC geprägt.

Auf der Nordhalbkugel stammen diese VOC je zur Hälfte aus menschgemachten und natürlichen Quellen. Zudem dürften die von der Zivilisation verursachten VOC global gesehen deutlich höher sein, als bislang angenommen.

Dies geht aus der Studie eines Forscherteams um Atmosphärenforscher Thomas Karl von der Universität Innsbruck hervor. Die Wissenschaftler haben dazu erstmals einen chemischen Fingerabdruck vom Gebiet um den Universitätscampus erstellt.

Weniger giftige Lösungsmittel

Allerdings zeigte die Studie auch, dass sich das olfaktorische Abbild der Städte zumindest in Europa in den letzten Jahren gewandelt hat: Nachdem die EU seit rund 15 Jahren die Verwendung von VOC etwa in Farben und Lacken gesetzlich regelt, finden sich weniger Spuren giftiger Lösungsmittel in der Luft.

Allerdings machen die Untersuchungen auch deutlich, dass urbane Emissionen wegen ihres sehr hohen Anteils an sauerstoffhaltigen Verbindungen weltweit gesehen unterschätzt werden. «Ist der für Innsbruck ermittelte Wert auch für asiatische Städte repräsentativ – was eher optimistisch geschätzt ist – dann wären die VOC-Emissionen global betrachtet zumindest doppelt so hoch, wie bisher angenommen», erklärt Karl. Da so mehr Feinstaub in der Atmosphäre vorhanden wäre und dieser wiederum Einfluss auf die Wolkenbildung habe, müssten die regionalen und globalen Klimamodelle entsprechend angepasst werden.

Kosmetika hinterlassen Spuren

Bei ihren Forschungen stiessen Karl und seine Kollegen auch auf Unerwartetes: «Wir fanden in unseren Daten deutliche Hinweise auf Silikonöle», so der Wissenschafter. Diese seien in sehr vielen Kosmetika und Reinigungsmitteln enthalten. «Dass Silikonöle in der städtischen Luft so deutlich vorhanden sind, hat uns überrascht.»

Aber abgesehen davon ist Innsbruck laut Karl eine «stinknormale Stadt». «Es sind vor allem Spuren der Lebensmittelzubereitung – vom Kaffeerösten bis zum Backen – sowie Lösungsmittel, die den Geruch der Stadt ausmachen. Die Emissionen reichen von der Bäckerei bis zur Klinik.» (mai/mgt)