Gefrässiger Geselle auf dem Vormarsch

Gefrässiger Geselle auf dem Vormarsch

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Klein, grün und gefrässig: Der Buchsbaumzünsler (Bild: zvg)

Von Marcel Müller

Auf den ersten Blick wirken die  Raupen des Buchsbaumzünslers (Diaphania perspectalis) harmlos: Die hellgrünen Tiere mit der schwarzen Kopfkapsel sind drei bis fünf Zentimeter lang, haben weisse Borsten am Rücken und sind schwarz-weiss-schwarz gestreift. Doch der Schein trügt, denn die Raupen dieses ostasiatischen Falters haben einen gefährlich grossen  Appetit: Innert kürzester Zeit fressen sie nicht nur einzelne Buchsbäume, sondern ganze Buchshecken kahl. Wird zu spät reagiert, können die Pflanzen nicht mehr gerettet werden.

Buchsbaumzünsler lässt sich nicht stoppen

Erstmals ist der aus Asien eingeschleppte Schädling in der Schweiz im Jahr 2007 aufgetreten. Wie viele andere gebietsfremde Arten ist der Buchsbaumzünsler vermutlich beim Import von Zierpflanzen nach Europa gelangt. In den letzten Jahren hat sich der Schmetterling weiter verbreitet. Jährlich erweitere der Buchsbaumzünsler sein Gebiet um rund 20 bis 30 Kilometer, sagt Martin Linemann vom Pflanzenschutzdienst des Kantons Basel-Landschaft. Die Nordwestschweiz war als erste Landesregion betroffen. Mittlerweile ist das Insekt aber auch in anderen  Teilen der Schweiz zu finden. Das liegt vor allem daran, dass das Insekt mit den befallenen Pflanzen verschleppt wird. Es sucht Parks, Friedhöfe und Gartenanlagen heim, genauso schädigt es aber wild wachsende Pflanzen. Noch sei nicht klar, wie weit sich der Buchsbaumzünsler in der Schweiz verbreiten werde, sagt Urs Streuli, Gartenberater des Landwirtschaftlichen Zentrums  Ebenrain. «Er ist in jedem Fall wärmeliebend.» Deshalb ist es wahrscheinlich, dass das Insekt nicht in alle Höhenlagen vordringen wird.

Die Falter suchen sich zur Eiablage gezielt Buchsbäume aus. Das kann der hier eingebürgerte Gewöhnliche Buchsbaum (Buxus sempervirens) oder der wohl aus japanischer Züchtung stammende Kleinblättrige Buchsbaum (Buxus microphylla) sein. Aktiv werden die Raupen im Frühling, wenn die  Temperaturen steigen. Nach der letzten Eiablage des Vorjahres haben sie in Kokons zwischen den Blättern überwintert. Die Gelege überstehen auch tiefe Minustemperaturen. Etwa ab Mitte März durchlaufen die Raupen innert vier bis sechs Wochen mehrere Larvenstadien. In dieser Zeit fressen sie ihre Wirtspflanzen kahl. Gut geschützt in ihrem Gespinst verpuppen sich die Insekten dann. Ein bis zwei Wochen später schlüpfen aus den zwei Zentimeter langen Puppen nachtaktive Kleinfalter mit samtweissen, braun geränderten Flügeln. Diese leben ungefähr acht Tage, in denen sie zu den Buchsbäumen in der Umgebung fliegen, um wiederum ihre Eier abzulegen. Zwei bis dreimal wiederholt sich dieser Kreislauf im Jahr: «Die erste Generation beginnt im April mit Fressen, die zweite schlüpft im Juli», sagt Linemann.

Enormer Rettungsaufwand für Buchsbäume

Weil die Raupe im Innern des Gebüschs mit ihrem Frass beginnt, sind zunächst kaum Schäden wahrnehmbar. Erst wenn sie sich bis zu den äussersten Zweigen durchgefressen hat, wird das ganze Ausmass sichtbar: Die Buchsbäume verfärben sich in wenigen Tagen oder Wochen hellbeige. Wenn das Blattwerk verzehrt ist, machen sich die Raupen über die grüne Rinde her.

Stark abgefressene Buchsbäume können sich zwar regenerieren und treiben wieder aus. Werden die Bäume jedoch mehrmals nacheinander heimgesucht, erholen sie sich unter Umständen nicht mehr und sterben ab.

Buchsbäume werden pflegeintensiv wie Rosen

Durch den radikalen Kahlfrass gefährden die Raupen längerfristig ihre  eigene Lebensgrundlage: «Dieses Jahr werden wir vielleicht zum ersten Mal sehen, was der Zünsler macht, wenn er nichts mehr zu fressen findet», sagt Linemann. Es sei möglich, dass er auf eine andere Pflanze ausweiche oder die Population zurückgehe. «Daran glaube ich aber nicht», so Linemann. Urs Streuli schätzt die Lage etwas anders ein: «Für Nahrungsnachschub ist gesorgt.» Es stehe zudem fest, dass Schweizer Gärtner in Zukunft mit dem Buchsbaumzünsler leben müssten. «Wie Rosen müssen auch Buchsbäume nun regelmässig behandelt werden», sagt Streuli. Deshalb stelle sich gerade für Gemeinden die Frage, ob sie Buchsbäume überhaupt retten wollen oder ob sie die Pflanzen nicht lieber ersetzen sollten, beispielsweise durch Eiben.

«Der Rettungsaufwand für Buchsbäume ist enorm», so Streuli. Allerdings sei es wichtig, nicht in Panik zu geraten, solange noch kein Befall festgestellt wurde. «Bis dahin sollte man aufs Spritzen verzichten», sagt Streuli. Schliesslich sei es möglich, dass der Buchsbaumzünsler im betreffenden Gebiet (noch) gar nicht anzutreffen sei. Wenn das Insekt hingegen bereits verbreitet ist, empfiehlt Streuli, die Buchsbäume von Mai bis Oktober im Abstand von drei Wochen mit einem systemischen Mittel zu besprühen. Um nicht mit den Vorschriften in Konflikt zu geraten und um Resistenzen zu verhindern, sei es am besten, verschiedene Mittel abwechselnd zu gebrauchen. «Wichtig ist aber vor allem, nützlingsschonende Produkte zu verwenden», betont Streuli. Auch im Kampf gegen diesen gefrässigen Genossen gilt es, weitere Schäden wo immer möglich zu vermeiden.

Tipps bei Buchsbaumzünsler-Befall

Um einen Befall rechtzeitig zu erkennen, sollten die Pflanzen wöchentlich kontrolliert werden. Wichtig ist, dabei das Innere der dichten Pflanzen zu untersuchen. Alarmierende Zeichen sind weisse Gespinste zwischen den Blättern, an denen auch grünliche Kotkrümel hängen können, die einen unangenehmen Duft verbreiten. Zudem hellen sich befallene Buchsbäume auf, an ihren Blättern sind Frassspuren erkennbar.

Wird ein Befall festgestellt, gilt es richtig zu reagieren:

  • Hat der Schädling erst einige wenige Pflanzen heimgesucht, lässt sich der Befallsdruck durch regelmässiges Absammeln von Hand verkleinern.
     
  • Durch Abklopfen des Strauchs mit einem Stock können die Raupen zum Herunterfallen gebracht werden. Danach müssen sie aufgesammelt und entweder im Kehricht entsorgt oder in sicherem Abstand zum Buchsbaum ausgesetzt werden.
     
  • Bei grösseren Beständen lassen sich die gefrässigen Raupen nur durch Pflanzenschutzmittel stoppen. Da das Ausbringen viele Risiken mit sich bringt, sollte für die Anwendung ein Fachmann beigezogen werden. Dabei sollten nützlingsschonende, spezifisch für die Buchsbaumzünslerbekämpfung entwickelte Produkte eingesetzt werden. (mrm)

 

Autoren

Marcel Müller
Chefredaktor Bauwelt.ch / ehemaliger Chefredaktor Kommunalmagazin