Erstmals zwei Gewinner des Innovations-Umweltpreises

Erstmals zwei Gewinner des Innovations-Umweltpreises

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«Dieses Jahr konnten wir mit 83 Bewerbungen einen Rekord verbuchen», meinte Stephan Peyer, Präsident der Stiftung pro Aqua – pro Vita, welche alle zwei Jahre im Rahmen der Swissbau den mit 50 000 Franken dotierten Umweltpreis verleiht. Die nominierten Projekte zeichneten sich laut Peyer insbesondere durch ihren hohen Grad an Innovation, Ressourcenschonung und Umweltrelevanz aus. Dem pflichtete auch Gastredner Bruno Oberle, Direktor des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) zu: «Die grüne Wirtschaft ist nichts anderes als eine schlaue Wirtschaft». Oberle ist überzeugt, dass der Umweltpreis seinen Teil dazu beiträgt.

Aus Kiesschlamm wird Erdbeton

«Wir haben lange mit uns gerungen, bis die Gewinner feststanden», meinte Jurypräsident Rainer Bunge von der Hochschule für Technik Rapperswil. Die Jury entschied sich schliesslich für zwei Gewinner: Die Kies und Beton AG Pizol sowie die EMPA, Abteilung Bautechnologien. Der Spezialpreis in Form einer Anerkennungs-Urkunde wurde dem Ökozentrum Langenbruck verliehen.

Die Kies und Beton AG Pizol in Bad Ragaz erhielt den Preis für das von ihr entwickelte Erdbeton-Additiv REBA. Geschäftsführer Bernhard Zindel ist stolz auf sein umweltfreundliches Bindemittel, das gleich drei Probleme löst. Erstens die Entwicklung eines umweltfreundlichen und preisgünstigen Bindemittels, zweitens die Wiederverwertung von Holzasche als CO2-neutrales Additiv und drittens die Umwandlung vom Abfallprodukt Kiesschlamm zum Baustoff Erdbeton. Das Produkt REBA kann nächstes Jahr lanciert werden. Der Abteilung Bautechnologie der EMPA ist es zusammen mit der Fixit AG, einem Schweizer Putzhersteller, gelungen, unter der Verwendung von nanoporösem Aerogelmaterial sowie Kalk eine Putzmischung zu entwickeln, die über eine geringe Wärmeleitfähigkeit verfügt. Der neue Dämmputz «Sustainable» ist sowohl im Aussen- als auch im Innenbereich anwendbar. Die Innovationsleistung der EMPA liegt in der Rezeptur des Dämmputzes, die im Vergleich zu aktuellen Materialien und Systemen ohne Dämmverlust sehr effizient auch maschinell einlagig in Dicken bis zu acht Zentimeter problemlos aufgespritzt werden kann.

Pionier des Baustoffrecyclings

Heinrich Eberhard ist ein Pionier der ersten Stunde im Bereich Baustoffrecycling. Er hat in visionärer Weise dazu beigetragen, Stoffkreisläufe zu schliessen und kontaminierte mineralische Bauabfälle so aufbereitet, dass diese als Sekundärbaustoffe wieder verwendet werden können. Er setzte Massstäbe in der Aufbereitung und in der Produktion von Recycling-Beton und Recycling-Kiesgemischen. Das Eberhard Baustoffrecyclingcenter verarbeitet pro Jahr Hunderttausende Tonnen Bauschutt, kontaminierte Materialien und Kehrichtschlacken und spart dadurch natürliche Ressourcen und wertvollen Deponieraum. Heinrich Eberhard habe den Preis «Ecopreneur» verdient, meinte Laudator Bunge mit einem Schmunzeln, «da er trotz seiner schwarzen Seele über ein grünes Herz verfügt».

Seit 30 Jahren die Energiewende vorbereitet

Als Forschungsgruppe hat das Ökozentrum Langenbruck manchen Impuls gesetzt. In Zusammenarbeit mit der Wirtschaft konnten viele Projekte in die kommerzielle Anwendung geführt wurden. Nun wurde das Unternehmen mit dem Projekt «Aactor !GT – Strom und Klimaschutz von der Deponie» mit dem Spezialpreis ausgezeichnet. Abfalldeponien verströmen grosse Mengen klimaschädlicher Gase, die bisher kaum wirtschaftlich verwertet werden konnten. Das vom Ökozentrum entwickelte System schafft die Reduktion von 1000 Tonnen CO2-Äquivalent, was in etwa dem Ausstoss von 300 ölbeheizten Einfamilienhäusern entspricht. Und dabei wird erst noch Strom produziert. Die Erfinder sehen zudem grosses Potenzial auch in anderen Industrien.

Das nächste Mal wird der Umweltpreis der Schweiz im Januar 2016 im Rahmen der Swissbau vergeben. Interessierte können sich bereits ab Juni 2015 auf www.umweltpreis.ch bewerben. (bre/mgt)