Berner Biber beginnt Bauprojekt

Berner Biber beginnt Bauprojekt

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Vor fünf Jahren berichtete das Kommunalmagazin über den Beginn eines besonderen Projektes. Bei der Renaturierung einer ehemals intensiv bewirtschafteten Ackerfläche bei Ferenbalm an der Westgrenze des Kantons Bern setzt Pro Natura auf einen in der Schweiz bisher einzigartigen Ansatz: Eine Biber-Familie soll das Gebiet in einen artenreichen Lebensraum umwandeln. Nun ist der Startschuss für die Biber-Bautätigkeiten gefallen.

Biber frisst Blümchen
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Der Berner Biber hat mit seinem Feuchtgebiet in Ferenbalm Grosses vor.

Der Biber baut und staut gerne. Seinem Instinkt folgend schafft er mit seinen Bauarbeiten ideale Lebensbedingungen für seine Nahrungspflanzen und Voraussetzungen für seine Wohnbauten. Häufig genug steht dieses Unterfangen im Konflikt mit den Interessen des Menschen. So auch mit jenen eines Bauern, der auf einem ehemaligen Auengebiet in Ferenbalm BE Mais anbaute und mit dem Grossnager, der sich dort vor zehn Jahren niedergelassen hatte, auf Kriegsfuss stand. Dieser baute nämlich emsig Dämme und staute einen Bach, der dann das Ackerland überflutete. 

Der Landbesitzer gab sich geschlagen und verkaufte das drei Hektaren grosse Gebiet im Jahr 2012 an Pro Natura. Die Umweltorganisation beschloss, dem Biber künstlerische Freiheit zu gewähren und verpflichtete ihn als Baumeister im Rahmen einer umfassenden Renaturierung. Wie es in einer Mitteilung heisst, funktioniert das in Deutschland «bestens». Dort sorgen Biber mit zahlreichen Dämmen gratis für Wasserrückhaltung. In der Schweiz allerdings sei dieser Ansatz bisher einzigartig.

Pro Natura machte sich ans Werk, um dem künftigen pelzigen Landschaftsingenieur Starthilfe zu leisten. In einigen Zonen der angrenzenden Mühlematt wurden die Wiesen bewusst vernässt. Ausserdem pflanzte man mehrere hundert Weiden, um Biber anzulocken.

Pro Natura schloss die Bauarbeiten des 1,7-Millionen-Projekts kürzlich ab, sodass der Weg für den tierischen Baumeister nun frei ist. Auf etwa der Hälfte der Projektfläche soll er nun die Landschaft nach seinem Gusto formen. «Mit ihrem Stauen und Graben werden die Tiere dafür sorgen, dass in der Mühlematt ein lebendiges und dynamisches Naturparadies entsteht, von dem andere Tiere wie etwa der Grasfrosch, der Teichrohrsänger oder die gebänderte Prachtlibelle profitieren werden», schreibt Pro Natura.

Freie Bahn für Fische

Im Rahmen der baulichen Massnahmen auf dem ehemaligen Acker wurde auch der Bach Bibere wieder passierbar gemacht. Das Stauwehr des Flüsschens wurde durch einen Beckenpass ersetzt. «Viel neu eingebautes Totholz macht das Gewässer zu einem strukturreichen Lebensraum, in dem Forellen, Groppen und andere Wasserlebewesen wieder ohne Hindernisse wandern können», heisst es im Communiqué dazu. (mgt/pd/lfr)