Pilz gegen Pilzbefall

Pilz gegen Pilzbefall

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Pilzbefall bekämpfen

Wenn wertvolle alte Parkbäume von Pilzen befallen werden, ist guter Rat teuer. Ein Spin-off der Empa hilft bei der Bekämpfung von Hallimasch und Co., indem er ihnen passende Pilze entgegensetzt.

Baum in Brisbane mit Phellinus-noxius-Befall
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Bild: zvg

Der Befall durch den Phellinus noxius ist an den Wurzeln schon deutlich sichtbar (hier im australischen Brisbane).

Biozide und Biopestizide, die seit 20 Jahren unverändert auf dem Markt sind, sind häufig wirkungslos. Wenn sie ihre Wirkung behalten sollen, muss man sie ständig verbessern, damit sie mit der Resistenzbildung der Schaderreger Schritt halten. Universalprodukte sind oft nur wenig wirksam», ist Pilzexperte Francis Schwarze (siehe Box «Zur Person») von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa überzeugt. «Man braucht für jeden Schaderreger einen genau abgestimmten Gegenspieler, wenn er dauerhaft bekämpft werden soll.» Schwarzes Spezialgebiet sind Pilze, die Holz angreifen. Im Wald werde sein Wissen nur selten gebraucht, erzählt der Forscher, denn dort hielten sich die Pilze gewöhnlich gegenseitig im Zaum. Es herrsche ein natürliches Gleichgewicht.

Werden Bäume jedoch ausserhalb ihres natürlichen Habitats gepflanzt, etwa als Strassenbäume im Stadtgebiet, kann es schwierig werden. Trockenheit, Stress, Schadstoffe, regelmässige Schnittmassnahmen und Nährstoffmangel setzen den Bäumen zu und verringern ihre Vitalität. «Stadtböden sind mikrobiell gesehen eine Wüstenlandschaft. Die Opportunisten unter den Schaderregern sind hier besonders erfolgreich, weil ihnen jegliche natürlichen Gegenspieler im Erdreich fehlen», so Schwarze. Lauern im Boden beispielsweise Pilzgeflechte von Hallimasch oder Sporen des Wulstigen Lackporlings, so haben diese leichtes Spiel. «In der Stadt können solche Infektionen die Stand- und Bruchsicherheit von Bäumen gefährden und zum Bruchversagen führen.»

Stadtböden sind mikrobiell gesehen eine Wüstenlandschaft. Die Opportunisten unter den Schaderregern sind hier besonders erfolgreich, weil ihnen jegliche natürlichen Gegenspieler fehlen.

Pilzexperte Francis Schwarze, Empa
Francis Schwarze, Eidg. Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa

Schwarze treibt schon seit seinen Lehrjahren als Gärtner die Frage um, warum manche Pilze schädlich, andere aber harmlos am Baum sind. Da ihm niemand eine befriedigende Antwort geben konnte, machte er sich daran, es selbst herauszufinden. Das gelang ihm so weit, dass ihn die Medien mal als «Pilzpapst» bezeichnen, mal als «den Professor mit den grünen Daumen» – denn niemand in der Schweiz kennt sich mit Baumpilzen besser aus als er.

Rettung bei Pilzbefall

Vor einiger Zeit hat er ein Spin-off an der Empa gegründet, wo er eine Forschungsgruppe leitet. «Mycosolutions» bietet Hand, wenn es darum geht, wertvolle von Pilzen befallene Baumbestände zu erhalten, indem das Unternehmen den passenden Gegenspieler für den jeweiligen Schaderreger sucht. Von der Isolation und Identifikation des Schaderregers bis zum Beginn der Behandlung mit dem passenden Gegenspieler vergehen in der Regel drei Monate. Dann aber haben Schwarzes Mitarbeitende auf einem organischen Substrat ausreichend Sporen des Gegenspielers gezüchtet. Diese müssen die Baumpfleger dann sorgfältig ins Erdreich rund um die befallenen Wurzeln einbringen.

Die Kunden bezahlen für den aufwendigen Vorgang einen beachtlichen Betrag. «Dafür erhalten sie ein massgeschneidertes Produkt mit hoher Wirksamkeit. Für die Besitzer wertvoller exotischer Bäume lohnt sich das», ist Schwarze überzeugt. Denn es genügt nicht, einen passenden Gegenspieler zu finden, er muss sich auch noch unter denselben Umweltbedingungen wie der Schadpilz besser als dieser entwickeln, um ihn eindämmen zu können.

Sichtbare Pilze bedeuten noch nicht das Ende

Grundsätzlich sind Schimmelpilze der Gattung Trichoderma gut geeignete natürliche Gegenspieler vieler holzzersetzenden Pilze. Sie regen das Wachstum neuer Wurzeln an, erhöhen die Verfügbarkeit von Nährstoffen im Boden und unterdrücken das Wachstum der Hyphen, fadenförmiger Zellen, des Schaderregers und bringen ihn so zum Absterben.

Wenn holzzersetzende Schadpilze am Baum sichtbar werden, bedeutet das noch nicht das Aus für den Baum. «So lange ein geschlossener Ring mit intakten lebenden Geweben vorhanden ist, kann der Baum Zuwachs erzeugen», weiss Schwarze. Seien Rinde, Kambium und Splint funktionsfähig, könne der Baum den Holzabbau in seinem Inneren kompensieren. «Die Wandstärke, die es braucht, damit ein Baum keine Gefahr darstellt, ist überraschend gering.» [...]

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Zur Person:

Francis Schwarze, gebürtiger Engländer, hat seinen Schulabschluss, seine Gärtnerlehre und auch seinen Meister in Garten- und Landschaftsbau in Deutschland gemacht. Anschliessend hat er in England Baumpflege studiert. Besonders die Phytopathologie hatte es ihm angetan. Er hat 1995 an der Universität Freiburg im Breisgau zum Thema «Entwicklung und biomechanische Auswirkungen von Holz zersetzenden Pilzen in lebenden Bäumen und in vitro» promoviert. Seit 2006 hat er dort eine Professur inne. Seit 2003 ist er zudem Leiter der Forschungsgruppe Bio-engineered Wood an der Empa in St. Gallen.