Ein seltenes Bauprojekt

Ein seltenes Bauprojekt

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Teaserbild-Quelle: Lars Maier

Basel erstellt einen Krematorium-Neubau auf dem aktuellen Stand der Technik. Besonders erwähnenswert ist eine Ofenanlage, die auch die Kremation stark adipöser Leichname ermöglicht. Neu können die Trauernden zudem der Übergabe des Sargs an den Ofen in einem würdigen Rahmen beiwohnen.

Der Basler Friedhof Hörnli ist der grösste Gottesacker der Schweiz. Über 80 Prozent der Bestattungen dort sind Urnenbeisetzungen. Ein Neubau des Krematoriums war dringend nötig, da die Öfen aus dem Jahr 1984 längst am Ende ihrer Nutzungsdauer angelangt waren und immer wieder für Schlagzeilen sorgten, wenn sie ausfielen. Auch die immer strenger werdenden Emissionsgrenzwerte für die Rauchgase konnten nicht mehr erfüllt werden.

Wartezeiten im Sarg

Besonders in den Monaten, in denen nach langjähriger Erfahrung der Friedhofsbetreiber viele Menschen sterben, von Dezember bis Februar, liefen die alten Ofenanlagen am Anschlag. Letzten Winter mussten im Dezember und Januar je gut hundert Leichen mehr eingeäschert werden als üblich, berichtete die «Basler Zeitung».

Das brachte die Kremationsöfen einmal mehr ans Limit. Mehr als 16 Kremationen pro Tag waren mit den alten Anlagen nicht mehr machbar, sollten sie nicht überhitzen. Technische Störungen und Ausfälle sorgten immer wieder für unerwünschte Wartezeiten.

Über dem Limit

Im Frühjahr 2015 waren die Umstände besonders unerfreulich. Die in die Jahre gekommenen Öfen liefen an der Kapazitätsgrenze, als auch im März noch aussergewöhnlich viele Todesfälle verzeichnet wurden. Das brachte drei der vier Öfen über das Limit. Sie gaben den Dienst vorerst auf. Sehr unangenehm für die Angehörigen der Verstorbenen und ein Garant für Schlagzeilen in der Lokalpresse.

Ofen musste Wochenendschichten leisten

Statt der nötigen 20 konnten nur noch acht Kremationen pro Tag durchgeführt werden. Zwölf weitere konnten glücklicherweise jeweils nach Aarau und Zürich ausgelagert werden. Der funktionierende Basler Ofen musste zusätzlich Samstagsschichten leisten.

Spätestens da wurde unübersehbar, dass etwas geschehen musste. Immer öfter waren Sofortmassnahmen nötig geworden, die allein zwischen 2009 und 2014 mit jährlich rund 300000 Franken zu Buche schlugen.

Luftreinhalteverordnung nicht eingehalten

Bereits 2010 hatte ein Gutachten im Auftrag des Bau- und Verkehrsdepartements ergeben, dass die Anlage sich am Ende der Lebensdauer befand und nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden konnte. Es war mit den alten Öfen auch nicht mehr möglich, die aktuellen Anforderungen der Luftreinhalteverordnung einzuhalten. Besonders die Grenzwerte für Kohlenmonoxid und Quecksilber wurden überschritten.

Zudem waren sie, verglichen mit modernen Kremationsanlagen, sehr energieintensiv und aufwendig im Unterhalt. Anfang 2015 sprach der Grosse Rat daher 17 Millionen Franken für einen Ersatzneubau. Baubeginn war noch im Oktober desselben Jahres. (...)

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