Für das Inferno gewappnet

Für das Inferno gewappnet

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Teaserbild-Quelle: International Fire Academy

Über 1200 Tunnels gibt es in der Schweiz. Das ist zwar äusserst praktisch für die Mobilität, im Brandfall drohen aber Katastrophen. In Lungern OW wurde deshalb tief im Berg ein Übungsstollen errichtet, in dem das Brandereignis von 2001 im Gotthardtunnel akribisch nachgestellt wird. Feuerwehren aus der ganzen Welt üben dort den Ernstfall. Und auch die Reinigung ist eine Herausforderung.

Brandübung Lungern
Quelle: 
International Fire Academy

Angelehnt an die Brandkatastrophe im Gotthardtunnel 2001 üben Feuerwehren aus aller Welt in Lungern die Löschung eines Vollbrands von zwei Lastwagen.

Die verheerende Katastrophe ereignete sich am Vormittag des 24. Oktober 2001: Nur knapp zwei Kilometer vom Südportal des Gotthardtunnels entfernt kollidierten zwei Lastwagen seitlich miteinander. Ein Tank barst, Diesel floss aus, und durch den Kurzschluss eines Kabels entzündete sich ein Feuer. Innert kürzester Zeit standen beide Fahrzeuge mitsamt ihrer Ladung – darunter Hunderte von Pneus – in Flammen. Die Temperatur stieg auf 1200 Grad. Elf Menschen starben, zehn von ihnen an Rauchvergiftung.

Bereits ein Jahr zuvor hatte die Tunnel Task Force des Bundesamts für Strassen (Astra) im Abschlussbericht einer umfassenden Untersuchung viele Massnahmen gefordert, um die Tunnelsicherheit in der Schweiz zu erhöhen. Die meisten davon zielten nicht auf bauliche Massnahmen, sondern auf Prävention und Ausbildung ab. Und so entstanden in Balsthal SO und Lungern OW zwei «Übungsanlagen für Ereignisdienste», in denen die Feuerwehren die Löscharbeiten in Tunnels unter möglichst realistischen Bedingungen trainieren können.

Während die Anlage in Balsthal der Grundausbildung und der taktischen Schulung dient, werden in Lungern weiterführende Ausbildungen und Intensivtrainings angeboten. Unter anderem auch Langzeitszenarien mit Atemschutzeinsätzen über mehrere Stunden.

Beklemmend realistisch

Betritt man den 2009 eröffneten Brandstollen Lungern der International Fire Academy (IFA), 170 Meter tief im Brünigmassiv gelegen, kann man sich etwas besser vorstellen, welches Drama sich vor 17 Jahren im Gotthard ereignet hat. Auf einer Länge von 150 Metern wurde der Unfall so realistisch wie möglich nachgestellt. Ineinander verkeilte Autowracks, ein alter Bus, stehende Autos – und mittendrin die zwei Lastwagenattrappen, die bei Bedarf mit Hilfe von Gas in Vollbrand gesetzt werden können. Unter beklemmend realistischen Bedingungen – totale Verrauchung, extreme Hitze, Enge, sehr lange Rettungswege und blockierte Zugänge – können Feuerwehren so praktische Erfahrung sammeln und Einsatztaktiken entwickeln.

Der Brandstollen ist über einen Sicherheitsstollen, einen befahrbaren Querschlag und begehbare Verbindungsstollen erreichbar und bietet auch spezielle Übungsbereiche für Rettungswehren in der Bau- oder Sanierungsphase eines Tunnels. Als zusätzliches Trainingselement kann ein Löschangriff bei einem Personenwagenbrand simuliert werden. Hierzu steht eine neue Attrappe mit zwei unabhängigen Brandstellen zur Verfügung.

Europaweit einzigartig

«Die Anlagen in Balsthal und Lungern sind europaweit einzigartig», sagt Instruktor Remo Gasser. Dementsprechend gut gebucht ist das Angebot in der Innerschweiz. Nebst Einheiten aus dem europäischen Ausland waren etwa schon Einsatzkräfte aus Israel, Kanada oder Singapur in Lungern zu Gast. Nebst all den ausländischen Profis nutzen aber auch viele Schweizer Milizfeuerwehren den Brandstollen: «Allen Schweizer Stützpunktfeuerwehren, die einen Nationalstrassentunnel in ihrem Einsatzgebiet haben, wird vom Astra die Ausbildung in Lungern bezahlt», so Gasser. Die Ziele sind klar: «Durch die Übung unter realistischen Bedingungen verkürzen sich bei einem Brandereignis die Zugriffszeiten. Die Kommandanten gewinnen Entscheidungssicherheit, die Sicherheit der Einsatzkräfte und die Wahrscheinlichkeit des Einsatzerfolges werden erhöht.»

Nach dem anstrengenden Übungseinsatz können sich die Feuerwehrleute im benachbarten Restaurant Cantina Caverna stärken, das ebenso tief in das Brüngimassiv gebaut wurde. Die Chance ist gross, dass sie dabei auf Polizisten oder Sportschützen treffen, die in der ebenfalls im Felskomplex gelegenen 300-Meter-Schiessanlage «Brünig Indoor» trainiert haben.

Doch wieso hat man ausgerechnet in Lungern einen so grossen Drang, Tunnels in den Berg zu sprengen? Das liegt an der Gasser Felstechnik AG, einer auf Einsätze im Gebirge spezialisierten Baufirma, die ihr Hauptquartier unmittelbar vor dem Eingang des «Brünig Park» genannten Tunnelensembles hat. Der erste Tunnel wurde von dieser Firma in den Fels gesprengt und heute noch als Munitionslager genutzt. Später kam die Betriebskantine hinzu, deren spezielle Lage im Berg auch externe Besucher anzog und das heute das Restaurant Cantina Caverna ist. Und so wuchsen die Tunnels und mit ihnen die Nutzungsmöglichkeiten: Ein Theaterstück wurde untertags aufgeführt und gar ein  Biathlonwettkampf fand in der Tunnelwelt schon statt.

Schnell und gründlich reinigen

Nach der Feuerwehrübung muss die Reinigung des Materials und der Anlage schnell und gründlich vonstattengehen – die nächsten Einheiten kommen schon bald für ihre Übung. An der IFA setzt man dabei auf Reinigungsgeräte der Firma Kärcher. Nach den Übungen mit Gasbrandstellen wird zunächst das Löschwasser mit den Einsatzwagen abgepumpt. Die verschmutzten Schläuche und die Fahrzeuge reinigen die Feuerwehrleute entweder noch direkt im Brandbekämpfungstunnel oder im Aussenbereich mit Hochdruckreinigern. Feuerwehren setzen dabei weltweit Geräte wie den Kärcher HD 6/15 MX Plus ein. Der Kaltwasser-Hochdruckreiniger ist kompakt und ideal für den mobilen Einsatz, zudem dank seiner Schnellverschlüsse mit minimalem Zeitaufwand gerüstet.

Auch der Nass-Trockensauger NT 611 MWF ist ein Gerät, das auf die speziellen Anforderungen von Feuerwehreinsätzen ausgerichtet ist. So nimmt der einmotorige Spezialsauger
etwa nach Lösch- oder Reinigungsarbeiten verbleibendes Material auf und kann dabei bis zu 55 Liter erfassen, bevor der Sauggutbehälter zu leeren ist. Ausserdem lässt sich direkt ein Feuerwehrschlauch montieren, so dass der Nass-Trockensauger bei Bedarf grosse Mengen an Wasser kontinuierlich abpumpt. Entsprechend kommt das Gerät etwa auch nach Überschwemmungen zum Einsatz. Zu unwegsamen Einsatzorten oder über Treppen hinweg kann der Spezialsauger mit seinem Gewicht von nur 14 Kilogramm problemlos getragen werden.


Der Besuch der IFA-Anlage in Lungern fand im Rahmen der Kärcher-Fachpressetage statt.

Autoren

Patrick Aeschlimann
Chefredaktor Kommunalmagazin

Patrick Aeschlimann hat an der Universität Zürich Politikwissenschaft studiert und 2010 abgeschlossen. Seit November 2011 ist er als Redaktor beim Kommunalmagazin tätig, seit August 2016 ist er Chefredaktor. Er interessiert sich besonders für politische Themen, die digitale Transformation aller Lebensbereiche und gesellschaftliche Entwicklungen.