Suisse Eole prangert Umweltverbände an

Suisse Eole prangert Umweltverbände an

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Teaserbild-Quelle: Bild: Suisse Eole

In Europa boomt die Windenergie. Bereits über 10 Prozent des Strombedarfs wird durch Windanlagen gedeckt, bis 2030 sollen es 30 Prozent sein. In der Schweiz liegt der Windstrom-Anteil dagegen gerade mal bei 0,2 Prozent.

Schuld daran sind aus Sicht des Windenergie-Verbandes Suisse Eole die Einsprachen von Privaten und Umweltverbänden: Elf Projekte seien derzeit durch Einsprachen blockiert, sagt Reto Rigassi, der Geschäftsführer von Suisse Eole. Zusammen könnten diese Windanlagen erneuerbaren Strom für 125 000 Haushalte produzieren.

Dabei ist das Volk oft auf der Seite der Windprojekte: In Charrat im Wallis wurde eine entsprechende Vorlage mit 60 % Ja-Stimmen und im Kanton Neuenburg mit 65 % angenommen. Im Kanton Bern hat die Bevölkerung der Gemeinden Tramelan und Saicourt mit je 59 % zugestimmt. Im Kanton Waadt haben sich die Bürger von Sainte-Croix mit 53 % für ein konkretes Windenergieprojekt ausgesprochen.

Auch in den Gemeinden Grenchen, Premier, Vaulion und Vallorbe haben die zuständigen Gemeindebehörden die geplanten Projekte klar befürwortet. Nur gerade die Gemeinde Saxon im Wallis hat ein Windenergieprojekt abgelehnt.

«Missbrauch des Verbandsbeschwerderechts»

Die Präsidentin der Vereinigung, Nationalrätin Isabelle Chevalley (GLP/VD) sieht in den zahlreichen Einsprachen einen Missbrauch des Verbandsbeschwerderechts. «Dieser Missbrauch muss aufhören», forderte sie und appellierte an die Umweltverbände, Hand zur Zusammenarbeit zu bieten.

Bisher sei kein Projekt infolge von Einsprachen eingestellt oder grundlegend geändert worden. Es gehe also nicht darum, mit Einsprachen die Beachtung des Umweltschutzgesetzes durchzusetzen, sondern die Projekte zu verzögern.

Suisse Eole fordert weiter, dass die Gerichte rascher entscheiden. Entscheide zu Windenergie-Projekte sollen Priorität erhalten. In Deutschland dauere das gesamte Planungs- und Bewilligungsverfahren fünf Jahre, stellte Chevalley fest. In der Schweiz seien es teilweise mehr als 17 Jahre.

Franklin Thévenaz, der Gemeindepräsident von Sainte-Croix (VD), wo der Bau eines Windparks sich verzögert, geht noch weiter. Für ihn sollte eine Ausnahme vom Rekursrecht ins Auge gefasst werden. Daneben wünscht er sich mehr Engagement des Bundes für die Windenergie.

Ohne Kompromisse keine Wende

Dass Windanlagen negative Auswirkungen haben können, streitet Suisse Eole nicht ab. Die Anlagen gefährden etwa Zugvögel. Für dieses Problem fänden sich jedoch Lösungen, sagte Konrad Schleiss, der Präsident der Bau-, Planungs- und Umweltkommission von Grenchen (SO). So sei für die Anlage auf dem Grenchenberg geplant, dass Zugvogelschwärme per Radar erfasst würden und die Rotoren dann stoppten.

Kein Verständnis zeigt die Vereinigung für Einwände wegen des Lärms oder der Veränderung des Landschaftsbildes. Jede Energieproduktion sei mit Eingriffen in die Natur verbunden, stellt sie fest. Ohne Kompromisse sei die Energiewende nicht möglich.

Suisse Eole wirft die Umweltverbände indes nicht alle in einen Topf. Mit dem WWF etwa sei eine konstruktive Zusammenarbeit möglich, sagte Chevalley. Auch die Grüne Partei lobte die Nationalrätin der Grünliberalen. Diese sei auf der Seite von Suisse Eole.

Nicht zum Dialog bereit seien dagegen die Stiftung Landschaftsschutz und Helvetia Nostra, welche die meisten Einsprachen einreichten. Auch Pro Natura wurde kritisiert.

«Die Schweiz ist kein Windland»

Die betroffenen Verbände weisen die Vorwürfe zurück. Die Stiftung Landschaftsschutz habe bei zahlreichen Projekten keine Einsprache eingereicht, sagte Projektleiter Matthias Rapp auf Anfrage. Sie lehne Windanlagen nicht grundsätzlich ab, stelle sich aber gegen eine «Anbauschlacht»: Die Energiewende dürfe nicht dazu führen, dass Gesetze nicht mehr gälten.

Die Stiftung Landschaftsschutz sieht sich nicht als Verhindererin der Energiewende, sondern «eines überstürzten, unqualifizierten Ausbaus jeglicher Art erneuerbarer Energien». Konkret stellt sie sich etwa gegen Projekte in geschützten Landschaften und solchen mit besonderer Bedeutung. Sie sagt auch dort Nein, wo die Landschaftssilhouette durch Windanlagen stark verändert würde.

Die Schweiz sei kein Windland, gibt Rupp ferner zu bedenken. Wenn Windenergie besser und effizienter im Ausland produziert werden könne, seien Investitionen in Anlagen im Ausland sinnvoll. In der Schweiz sollte die Priorität bei Solarenergie und Effizienzmassnahmen liegen.

Pro Natura wiederum bedauert die «unsachliche Polemik» von Suisse Eole. Man setze sich seit vielen Jahren im Austausch mit Suisse Eole für den Zubau von ökologischer Windkraft ein, hiess es auf Anfrage. Auch Windkraft-Projekte hätten sich aber an gesetzliche Vorgaben zu halten. «Wir arbeiten gerne weiter am Ziel, möglichst gute, den Umweltgesetzen entsprechenden Windkraft-Anlagen zu unterstützen, die zu einer ökologischen Energiewende beitragen.» (sda/mgt/aes)