St.Gallens Traum vom Erdwärme-Kraftwerk ist geplatzt

St.Gallens Traum vom Erdwärme-Kraftwerk ist geplatzt

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Teaserbild-Quelle: Bild: Zvg

St. Gallen verfolgt das Vorhaben, ein grossen Geothermie-Kraftwerks zu bauen, nicht weiter. Stadtrat Fredy Brunner gab diesen Entscheid Mitte Mai «schweren Herzens» bekannt.  Im Sittertobel soll aber künftig wenigstens Erdgas gefördert werden. Dies könnte laut Brunner wirtschaftlich interessant sein. Die Ergiebigkeit des Gasvorkommens, das bei der Tiefenbohrung unerwartet «angezapft» wurde, ist allerdings ungewiss. Nur ein Langzeittest brächte genauere Erkenntnisse.

Heisswasservorkommen ist viel zu gering

Für den Entscheid, das Geothermie-Projekt in der ursprünglich geplanten Form zu stoppen, nannte Brunner mehrere Gründe: Die in der Tiefe gefundene Heisswassermenge ist für ein Kraftwerk viel zu klein. Hinzu kommt das Risiko weiterer Erbeben und das finanzielle Risiko für die Stadt.

Eine zweite Tiefenbohrung wäre nach heutigem Kenntnisstand weder wirtschaftlich noch sicherheitstechnisch umsetzbar, wie die Stadt schreibt. Ebenso wenig kommen für den Stadtrat eine Vertiefung der bestehenden Bohrung oder eine seitliche Zusatzbohrung (Sidetrack) in Frage.

Auch die Variante, für 2,5 Millionen Franken eine Tiefen-Erdwärmesonde im Bohrloch zu installieren, lohnt sich wegen der geringen Heisswassermenge nicht.

55 Millionen Franken mit Geothermie-Projekt «verlocht»

Bis Mitte Jahr wird die Stadt voraussichtlich 55 Millionen Franken ins Geothermie-Projekt und die vorangegangenen seismischen Untersuchungen «verlocht» haben. 19 Millionen davon übernimmt das Bundesamt für Energie (BFE), das eine Risikogarantie zusicherte.

Unter dem Strich kostet das Projekt die Stadt damit 36 Millionen Franken. Eine Stillegung des Bohrlochs würde nochmals zwei Millionen kosten. Gemessen am Kredit, den die St. Galler Stimmberechtigten 2010 guthiessen, bleibt derzeit noch ein finanzieller Spielraum von rund sieben Milionen für weitere Schritte.

Wervolle Erkenntnisse für zukünftige Geothermie-Projekte

Fredy Brunner, der als «Vater» des Geothermie-Projekts gilt, sprach von einem schwierigen und schmerzlichen Ringen um den Entscheid. Die Erkenntnisse aus dem St. Galler Projekt seien aber wertvoll für andere Vorhaben in der Schweiz.

Er würde heute noch einmal gleich handeln, sagte Brunner. Das Projekt sei in der Bevölkerung und in der Politik auf grosse Solidarität und Unterstützung gestossen. Das Wagnis nicht einzugehen und möglicherweise eine Chance zu verpassen, wäre laut Brunner der grössere Fehler gewesen.

Rückschlag durch Erdbeben

Die Bohrarbeiten im Sittertobel hatten am 20. Juli 2013 ein Erdbeben der Stärke 3,5 ausgelöst. Unter anderem drang unerwartet viel Gas durch das Bohrloch nach oben. Für das ambitiöse Projekt war dies ein herber Rückschlag. Die Arbeiten mussten gestoppt, das Bohrloch verschlossen und gesichert werden.

Die Stimmberechtigten der Stadt hatten 2010 einen Rahmenkredit von 160 Millionen Franken für das Geothermie-Projekt und einen Ausbau des Fernwärmenetzes mit über 80 Prozent Ja-Stimmen gutgeheissen. Das erhoffte Ziel war, mittelfristig bis zur Hälfte der Wohnhäuser in St. Gallen umweltfreundlich mit Erdwärme zu heizen. (sda/mrm)