Stadt Zürich verkauft soziale Dienste an Gemeinden

Stadt Zürich verkauft soziale Dienste an Gemeinden

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Teaserbild-Quelle: Bild: Jutta Rotter/pixelio.de

Vor den Sommerferien beschloss der Stadtrat, dass die Sozialen Einrichtungen und Betriebe Zürichs künftig Dienstleistungen für andere Gemeinden erbringen können. Während eines zweijährigen Pilotversuchs stehen Einrichtungen wie Notschlafstelle, Drogenanlauf- und Heroinabgabestellen, Arbeits- und Wohnintegrationsprogramme sowie die Basisbeschäftigung für Sozialhilfebezüger neu auch Auswärtigen offen. Zudem bieten die sozialen Einrichtungen und Betriebe anderen Gemeinden ihre Dienstleistungen an. Diese müssen für ihre Klienten in allen Fällen die Vollkosten bezahlen, berichtet der «Tages Anzeiger».

Bisher galt die Devise: Nur keine Auswärtigen. Wer in der Notschlafstelle übernachten oder in Beschäftigungsprogrammen arbeiten wollte, musste seinen Wohnsitz in der Stadt haben. Ziel der Zugangsbeschränkung war, dass  Zürich nicht zu attraktiv für Menschen werden sollte, die auf Unterstützung angewiesen sind.

Gemeinden profitieren von Angeboten und Know-how

Vor allem nach den Erfahrungen mit der offenen Drogenszene setzte die Stadt alles daran, auswärtige Randständige von Zürich fernzuhalten und den Gemeinden klarzumachen, dass sie selber für diese Personen zu sorgen und Hilfsangebote aufzubauen haben. Sinnbild dieser Politik war das Rückführungszentrum, das in der Kaserne untergebracht war. Von dort wurden fast zwanzig Jahre lang in Zürich aufgegriffene Randständige in ihre Wohngemeinden zurückspediert. Im Juli ist das Zentrum geschlossen worden, da es immer weniger gebraucht wurde.

Früher hätten viele Gemeinden ihre Randständigen einfach nach Zürich geschickt. Heute verlaufe die Zusammenarbeit mit den Kommunen aber «auf Augenhöhe», das gegenseitige Vertrauen sei da, wie der zuständige Stadtrat Martin Waser (SP) sagt. Er will im Sozialbereich künftig verstärkt mit anderen Gemeinden zusammenarbeiten. Die Stadt und ihr Umland seien häufig mit denselben sozialen Problemen konfrontiert, sagt Waser. Weil Zürich bereits früh spezialisierte Angebote entwickelt habe und über viel Know-how verfüge, sollen nun auch andere davon profitieren. Viele Gemeinden seien zu klein, um selber Angebote auf die Beine zu stellen.

«Angebote sind überdimensioniert»

Die neue Strategie stösst bei den bürgerlichen Parteien auf wenig Begeisterung: Für GLP-Gemeinderat Andreas Hauri etwa geht das Ganze «in die falsche Richtung». Die Stadt sollte nicht alles selber machen, auch die Gemeinden stünden in der Pflicht. «Wieso müssen alle Sozialangebote in der Stadt sein?» Den Gemeinden werde es «sehr einfach gemacht», wenn ihre unterstützungsbedürftigen Bewohner in Zürich aufgehoben sind. Hauri vermutet, gewisse Angebote in der Stadt seien tendenziell überdimensioniert, weshalb man nun versuche, sie besser auszulasten. Auch von Exponenten der FDP und der SVP hagelt es Kritik. (aes)