Trockene Hände ohne Ausschreibung

Trockene Hände ohne Ausschreibung

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Teaserbild-Quelle: Bild: Achim Hepp (CC BY-SA 2.0)

2013 hat das Hochbaudepartement der Stadt Zürich beschlossen, die öffentlichen WCs auf ihrem Hoheitsgebiet mit Kaltluft-Turbinentrockner der Firma Dyson auszustatten. Die Hauptvorteile dieser Hochdruckgebläse: Hygiene und Tempo – mit einer Windgeschwindigkeit von über 600 Kilometern pro Stunde sollen die Hände innert Sekunden trocken werden. Begründet wurde der Wechsel mit wirtschaftlichen und ökologischen Überlegungen. «Wenn im laufenden Betrieb Händetrockner ersetzt oder bei Neubauten installiert werden, greift die Stadt zu dieser viel öko­logischeren und kostengünstigeren Lösung», sagt Matthias Wyssmann, der Mediensprecher des Hochbaudepartements gegenüber dem «Tages-Anzeiger».

Wenig Freude daran haben verständlicherweise die bisher berücksichtigten Lieferanten von Papier- und Stoffhandtücher. «Die Stadt betreibt Salamitaktik und agiert absolut intransparent», kritisierte ein anonymer Mitarbeiter der Firma RVR, die Aufsichstbeschwerde eingereicht hat, im «Tages-Anzeiger». Die Firma CWS erklärte gegenüber der Zeitung, man wisse nichts vom Entscheid der Stadt, der notabene im Geschäftsbericht 2013 des Hochbaudepartements öffentlich kommuniziert wurde.

Ausschreibung unumgänglich

Problematisch ist das Vorgehen der Stadt wegen des Schwellenwerts von 250 000 Franken. Die Immobilienverwaltung des Zürcher Hochbaudepartements (Immo) unterhält rund 7500 WC-Anlagen. Ein Dyson-Gerät vom Typ Airblade, wie es von der Stadt benutzt wird, kostet um die 1000 Franken. Es ist also zwingend eine Ausschreibung nötig. Die Stadt Zürich verstrickt sich laut dem «Tages-Anzeiger» in Widersprüche: Erst hiess es, man befinde sich noch in der «Testphase», obwohl man bisher 300 bis 400 Dyson-Geräte angeschafft habe. Später korrigierte man: «Wir können nicht mehr von einer Testphase sprechen», sagte Mediensprecher Matthias Wyssmann, diese sei «eigentlich abgeschlossen». Aufgrund der hängigen Aufsichtsbeschwerde der Firma RVR habe man «mit der Ausschreibung zugewartet».

Rechtlich verfängt diese Argumentation jedoch nicht. Die Stadt hätte trotz der Aufsichtsbeschwerde eine Ausschreibung durchführen können. Das Hochbaudepartement versichert nun aber, dass es bald zu einer öffentlichen Ausschreibung kommen werde. Dann dürfen auch andere Hersteller von Kaltluft-Turbinentrocknern mitbieten. Gut möglich also, dass in Zukunft in den Zürcher WCs weder Papier- noch Stoffhandtücher anzutreffen sind – aber auch keine Dyson-Geräte. (aes)