Fördert Planen die Fragmentierung?

Fördert Planen die Fragmentierung?

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Teaserbild-Quelle: Bild: Gabriel Diezi

Das Team um Joris Van Wezemael von der Universität Freiburg hat während drei Jahren Gemeinden wie Visp VS, St. Margrethen SG oder Wetzikon ZH untersucht, wie die Universität Freiburg am Mittwoch mitteilte. Sie sind weder Stadt noch Dorf und leiden unter Problemen wie starkem Wachstum oder Verkehrsbelastung.
 
Fazit der Wissenschaftler in ihrem Bericht: Die «Agglo» ist kein Zufallsprodukt, sondern entsteht auf nachvollziehbare, systematische Weise. In den untersuchten Gemeinden stiessen Veränderungen wie neue Strassen- oder Bahnanschlüsse oder der Wegzug wichtiger Industrien die Planung an.

Zerstückelung setzt sich durch

So habe die moderne Lebensweise die «Agglo» geschaffen, sagt Van Wezemael. Die Studie fand im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms «Neue urbane Qualität» (NFP 65) in Zusammenarbeit mit der Uni und der ETH Zürich statt.
 
Folge ist die typische Zerstückelung in nettere und weniger nette Gegenden wie Wohn-, Einkaufs- und Industriequartiere. Was die Forscher überraschte: Ausgerechnet dort, wo sich die Behörden besonders Mühe gaben, über Gestaltungspläne oder ähnliche Konzepte einzelne Areale möglichst vorteilhaft zu gestalten, trugen sie zur Fragmentierung bei, indem sie die Differenzen zu anderen, weniger konsequent gestalteten Arealen vergrösserten.

Positive städtische Attribute

Für Van Wezemael ist die stark fragmentierte Landschaft jedoch nicht an sich schlecht: «Unter Stadtplanern gelten Abwechslung, Differenz und Spannung als positive städtische Attribute.» Die Herausforderung sei es, sich in den so geschaffenen Räumen heimisch zu fühlen. Dass dies tatsächlich so ist, belegten Umfragen: «Die meisten Leute wohnen gerne dort.»
 
Es gebe jedoch Wege, die Agglomeration schöner und wohnlicher zu gestalten. Wenn Gemeinden Areale neu planen, zielten sie oft auf bestimmte Qualitäten ab - und seien überrascht, wenn diese im Resultat fehlten, sagte Van Wezemael. Die Forscher konnten nun festmachen, wo und wie dieser Qualitätsbegriff im Planungsprozess verloren geht.

Bevölkerung soll mitreden 

Zwischen einzelnen Projektphasen - von Richt- und Nutzungsplänen über den Architektur-Wettbewerb zu den Detailplänen und dem Bauprojekt - gebe es meist kaum verbindende Elemente oder Kommunikationsstrukturen. Diese sollten verbessert werden, empfehlen die Autoren. «Die Bevölkerung soll am Städtebau teilhaben können», fordert Van Wezemael. Etwas, was in der direktdemokratischen Tradidtion der Schweiz auch verankert ist.

Personen, die bei mehreren Projektphasen anwesend sind und Vermittlungsarbeit leisten, könnten zum Gelingen beitragen. In Visp etwa wurde bei zahlreichen Bauprojekten ein bestimmtes Architekturbüro ganz ohne offizielles Mandat von verschiedensten Akteuren um Rat gefragt. Dies habe für eine Kontinuität gesorgt, dank der die räumliche Entwicklung von Visp heute als Erfolgsmodell gilt. (sda/aes)