Ein Feriengast als Gemeindepräsident?

Ein Feriengast als Gemeindepräsident?

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Teaserbild-Quelle: Bild: Paebi/Wikicommons

Die Gemeinde Tujetsch mit dem Hauptort Sedrun hat ein Problem: Seit über einem halben Jahr ist sie ohne Präsident. Der letzte, Pancrazi Berther, wurde im vergangenen Frühling abgewählt. Viele Bürger empfanden ihn offenbar als zu wenig volksnah, zu wenig präsent an geselligen Anlässen. So fehlten Berther im ersten Wahlgang 24 Stimmen, worauf er keine Lust mehr hatte, sich einem zweiten zu stellen.

Von Headhunter befragt

Da erstaunt es nicht, dass sich die Suche nach einem Kandidaten schwierig gestaltet: Alle angefragten Einheimischen sagten ab. Der Gemeinde blieb daher nichts anderes übrig, als die Stelle auszuschreiben. Ein entsprechender Brief an alle Zweitwohnungsbesitzer ging auch an Beat Roeschlin, dem ehemaligen CEO der Publicitas. Dieser besitzt zwar keine Ferienwohnung, ist aber seit acht Jahren Dauermieter einer solchen in der Fraktion Rueras.

Nachdem er von einer Zürcher Headhunter-Firma als geeignet für das Amt eingestuft wurde, stellt er sich nun am 8. März als einziger Kandidat der Wahl. Die Chancen stehen also gut, dass der im Steuerparadies Walchwil ZG wohnhafte Roeschlin als Tujetscher Gemeindepräsident gewählt wird. Er wolle künftig zwischen Sedrun und Walchwil pendeln, sagt Roeschlin.

Problem Romanisch

Ein Problem für den designierten Amtsträger ist die Sprachbarriere: In Tujetsch ist die Amtssprache Rätoromanisch, was der Deutschschweizer Roeschlin weder versteht noch spricht. Würde er gewählt, würde er die vierte Amtssprache sofort lernen, erklärte Roeschlin gegenüber dem «Tages Anzeiger». Sein Ziel sei es, die Amtssprache seiner Gemeinde einst verstehen und lesen zu können. Das ist fast unabdingbar, existiert doch ein Grossteil der Gesetze und Unterlagen nur auf Romanisch. Der fünfköpfige Gemeindevorstand hingegen wird vorderhand auf Deutsch tagen müssen, damit sich auch der Präsident einbringen kann. Das Protokoll wird dann aber auf Romanisch verfasst. (aes)

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