Der politische Stadt-Land-Graben wird immer grösser

Der politische Stadt-Land-Graben wird immer grösser

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Teaserbild-Quelle: Sandstein/Wikicommons

In den Parlamenten der sechs grössten Städte hält die SP fast doppelt so viele Sitze wie die FDP oder die SVP. Im Kanton Aargau eroberte Links-Grün letztes Jahr auch Kleinstädte, während der ländliche Raum weiter fest in bürgerlicher Hand bleibt.

Gäbelbach Holenacker
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Sandstein/Wikicommons

So nahe wie hier in Bern-Bethlehem sind sich Stadt und Land sonst selten.

Seit den neunziger Jahren hat sich die SP in den Schweizer Städten zur grössten politischen Macht aufgeschwungen. In den Volksvertretungen der sechs grössten Städte sitzen fast gleich viele Sozialdemokraten wie Freisinnige und SVP-Mitglieder zusammen.

Laut Zahlen des Bundesamtes für Statistik kommt die SP in den Stadtparlamenten auf 162 Sitze, wie die «NZZ» schreibt. Danach folgen die FDP mit 83 Parlamentariern, die SVP mit 78 und die Grünen mit 74 Sitzen. Auch die Exekutiven sind in der Hand der SP. In den Stadträten der sechs grossen Zentren sitzen 16 Sozialdemokraten, 7 Grüne, 7 Freisinnige, 5 CVP-Mitglieder, aber lediglich ein Vertreter der SVP.

Etwas weniger dominant ist die Stellung der SP, wenn man auch kleinere und mittlere Städte berücksichtigt: Die FDP hält insgesamt 1310 Sitze, die SP kommt mit 1215 auf Platz zwei. Danach folgen SVP mit 824, CVP mit 530 und Grüne mit 471 Vertretungen.

Linksrutsch in Aargauer Kleinstädten

In den vergangenen Monaten hat sich die Polarisierung zwischen den Städten und dem ländlichen Teil des Landes laut «NZZ» zusätzlich verschärft. Während die bürgerlichen Kräfte ihre ländlichen Bastionen verteidigen können, erobern die rot-grünen Parteien nach den Städten zunehmend auch die Städtchen.

Exemplarisch zeigte sich dieser Trend im November bei den Wahlen im Kanton Aargau: Bei den Einwohnerratswahlen legte die SP um 15 Sitze zu, während die SVP 16 verlor. In Windisch etwa stellen die Sozialdemokraten mit 18 Sitzen neu fast den halben Einwohnerrat. In Brugg amtiert erstmals eine grüne Stadtpräsidentin.

In den urbanen Gebieten bleibt die rechtskonservative SVP chancenlos: Weder in Luzern, Basel, Bern, Lausanne, Winterthur noch in Basel konnte sie in den vergangenen Monaten einen Sitz in der Stadtregierung erobern. In Aarau schnitt der SVP-Kandidat gar am schlechtesten ab, in Burgdorf BE ist die Partei seit den letzten Wahlen nicht mehr in der Stadtregierung vertreten, und selbst in der Berner Agglomerationsgemeinde Jegenstorf schaffte es der SVP-Kandidat trotz viel Wahlwerbung nicht, der Partei den Sitz des Gemeinderatspräsidenten zu erhalten. (aes)