Strassensperren: Drei auf einen Streich

Strassensperren: Drei auf einen Streich

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Teaserbild-Quelle: Ben Kron

Sie sind relativ leicht, für Fussgänger gut zu passieren, aber für Fahrzeuge unüberwindlich: Die Firma Condecta bietet mit «Citysafe» eine neue, raffinierte Verkehrssperre an, die neue Massstäbe in Sachen Sicherheit setzt.

City Safe Basel
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Ben Kron

Die Citysafe-Strassensperren sind dank leuchtender Farben auch im Zwielicht nicht zu übersehen. Und für jedwedes Auto und jeden LKW auch bei hohem Tempo nicht zu überwinden, wie umfangreiche Tests ergaben.

Die Besucher der traditionellen Weihnachtsmärkte in Basel, Luzern und Winterthur nehmen die Innovation kaum wahr. Doch die leuchtend bunten Metallelemente, dezent mit «Citysafe» angeschrieben, sind eine Neuentwicklung und erhöhen den Schutz für die Marktbesucher enorm. Für Autos und Lastwagen sind die Sperren unpassierbar, während Fussgänger und Velofahrer bequem zwischendurch gehen oder fahren können.

Attentat von Nizza verändert vieles

Dass solche Strassensperren überhaupt notwendig sind, ist auf zwei Attentate zurückzuführen: Am 14. Juli 2016 fuhr ein Terrorist in Nizza mit seinem LKW in die Menschenmenge, die sich zum französischen Nationalfeiertag versammelt hatte. Auf dem berühmten «Boulevard des Anglais» starben damals 84 Menschen. Am 19. Dezember desselben Jahres tötete ein weiterer Attentäter auf dieselbe Weise in Berlin 11 Menschen, die einen Weihnachtsmarkt in der deutschen Hauptstadt besuchten.

Seit diesen Terroranschlägen mit Lastwagen sind Verkehrssperren von keinem grösseren Anlass mehr wegzudenken, an dem sich eine grössere Anzahl Menschen versammelt. Auch in der Schweiz werden Events wie die Street Parade in Zürich grossräumig für den Verkehr abgesperrt, damit die Besucher vor Attentaten mit Fahrzeugen sicher sind.

Bisherige Sperren mit Nachteilen

Hierfür benötigt es Strassensperren, die sich auch von schweren oder schnellen Fahrzeugen nicht wegschieben lassen, und die auch von Fahrzeugen mit grossen Rädern nicht überquert oder umgekippt werden können. Damit sie diese Funktionen erfüllen, müssen die Sperren entweder sehr schwer sein und einen tiefen Schwerpunkt aufweisen, oder aber sie werden fest mit dem Untergrund verbunden, zum Beispiel verschraubt.

Neben all den Schutzfunktionen sollten die Sperren aber noch eine weitere, wichtige Eigenschaft besitzen: Sie müssen rasch wieder dagebaut werden können, da ihr Einsatzort in aller Regel nur temporär ist und danach wieder für den Verkehr freigeräumt wird. Damit werden fest im Boden verankerte Lösungen ebenso zum Problem wie nicht fixierte, tonnenschwere Betonsperren, für deren Transport grössere Stapler oder andere Maschinen benötigt werden.

Bekannt sind hier vor allem die aus Beton gefertigten «New-Jersey-Sperren», die der an Autobahnen reiche US-Bundesstaat 1959 entwickelt hat. Diese Elemente wiegen je nach Bauweise zwischen 2,5 und 4 Tonnen, was das Handling entsprechend erschwert. Zudem sind sie als Leitwände konzipiert, um ausbrechende Fahrzeuge auf der Spur zu halten und können nicht jeden Frontalangriff abwehren.

New-Jersey-Element
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zvg

Die bekannten «New-Jersey-Elemente» sind bis zu 4,5 Tonnen schwer und in erster Linie dazu konzipiert, aus der Spur ausbrechende Fahrzeuge wirksam abzufangen und zurückzuleiten.

Mit Palettrolli transportierbar

Die Citysafe-Elemente indes sind eigens als Strassensperren konzipiert. Sie bestehen aus einer hochstabilen Gusseisenlegierung, wie sie auch bei Gas- und Dampfturbinen oder Grossdiesel-Motoren zum Einsatz kommt. Die Elemente sind 880 Kilogramm schwer. Damit lassen sie sich über das Ladebord eines Lieferwagens abladen und mit einem normalen Palettrolli an ihren Einsatzort bewegen. Beim Aufstellen benötigen sie keine Bodenfestigung, so dass sie bei Bedarf auch rasch und einfach zur Seite gestellt werden können.

Die leuchtenden Farben wurden zur Erhöhung der Sichtbarkeit auch im Zwielicht und nachts gewählt. Dank der abgeflachten Bodenplatte können Fussgänger oder Velos bequem zwischen den Pfosten hindurch die Sperre passieren. Stefano D’Albenzio, Manager Event Services bei Condecta, erläutert die Funktionsweise der Elemente: «Wenn ein Fahrzeug die rot-weissen vertikalen Poller umfährt, kippt er damit auch die Bodenplatte des Elements. Dieses wiederum schleudert das Fahrzeug in die Höhe, ganz von selbst aufgrund der Hebelgesetze.» Das Fahrzeug ohne Bodenhaftung aber ist ausgebremst und kommt nach kurzem Rutschen zum Stillstand und kann danach weder vor noch zurück.

Citysafe Transport
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Ben Kron

Palettrolli und Hebebühne reichen aus: Die «Citysafe»-Elemente wiegen je rund 880 Kilogramm, was mit Muskelkraft noch zu bewegen ist.

Dekra-Tests bestanden

Dieser Effekt wurde umfangreich getestet, und die strenge deutsche Prüfgesellschaft Dekra bestätigte im September 2017 die Wirksamkeit der Sperren, «Angriffe auch schwerer Fahrzeuge auf Veranstaltungen und Einrichtungen» zu stoppen. Hierfür unterzog man die Elemente einem Härtetest durch einen LKW-Angriff in hohem Tempo. Am Ende des Crashtests war die Sperre noch in einem Stück und einsatzfähig, der LKW hingegen komplett zerstört. Und selbst wenn Citysafe einen strukturellen Schaden erleiden sollte: Das Metall lässt sich einfach recyclen.

Zum Einsatz kamen die «Citysafe»-Elemente erstmals im Dezember letzten Jahres beim Münchner Viktualienmarkt. In der Schweiz waren die Sperren ebenfalls bereits bei mehreren Anlässen aufgestellt. Zurzeit sind sie unter anderem an den Weihnachtsmärkten in Basel und Winterthur installiert. Wer diese verpasst, kann Citysafe vom 7. bs 10. Februar 2019 an der Baumaschinenmesse Baumag in Luzern bewundern.

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Freier Journalist, Zürich