Smart City: Genf vs. Singapur

Smart City: Genf vs. Singapur

Gefäss: 
Teaserbild-Quelle: Stéphanie Hasler

Singapur gilt als vorbildliche Smart City. Bereits heute werden hier digitale Technologien zur Städteplanung eingesetzt, mit deren Hilfe sich die Bevölkerung in Projekten einbringen kann. Eine Doktorarbeit der EPFL verglich die asiatische Metropole mit der Stadt Genf.

Die Stadtbewohner von heute sind vernetzt und haben das Bedürfnis, sich bei wichtigen Themen, die beispielsweise ihre Städte und Nachbarschaften betreffen, Gehör zu verschaffen. Der einfachste und effizienteste Weg, diesem Bedürfnis nachzukommen, sind digitale Plattformen. Jedoch verfügen die meisten Städte zurzeit noch nicht über die nötigen Technologien, um solche zu realisieren. Zu diesem Schluss kommt Stéphanie Hasler, Architekturforscherin bei der EPFL Urban and Regional Planning Community (CEAT) in ihrer Doktorarbeit. Sie verglich die Stadt Genf mit der asiatischen Metropole Singapur, die bereits heute als die herausragendste Smart City der Welt gilt. Und das kommt nicht von ungefähr: Die Stadtbeamten verwenden zahlreiche Tools in enger Zusammenarbeit mit der Bevölkerung: Die Anwohner nehmen verschiedene städtische Dienstleistungen via Social Media, Crowdsourcing-Plattform oder mobile App in Anspruch.

Hinzu komme aber auch, dass die Singapurer bereitwillig ihre persönlichen Daten und Ideen mit den lokalen Behörden teilten, wie Hasler in einer Mitteilung der EPFL erklärt. Dieser Austausch findet auf einer Website statt, die von der Stadt eingerichtet wurde. Hier können Bewohner Pläne für aktuelle und zukünftige Projekte einsehen und sich dazu äussern. Die Fahrt zum örtlichen Planungsbüro entfällt damit.

Demokratie in Widerspruch mit Technologie

Ursprung für die Arbeit war laut Hasler der starke Kontrast zwischen den Genfer Stadtplänen – sie stammen von 1929 –, dem heutigen Lebensstil der Stadtbewohner sowie der Methoden, mit denen ihre Nachbarschaften gestaltet werden. Denn die Werkzeuge für die Stadtplanung hätten sich bis heute nicht geändert, wie sie erklärt: Die Stadt Genf verwendet gesammelte Daten heute lediglich für breitere Managementzwecke, etwa um Verkehrsstaus zu reduzieren oder die Energieeffizienz zu verbessern. So beziehen sich gemäss Hasler die Bemühungen zur Einholung der Bevölkerungsmeinung in erster Linie auf Feedback zu bestehenden Projekten, anstatt auf neue Ideen. «Die Schweiz hat ein ausgeprägtes Gefühl für Demokratie und fortschrittliche Technologie, aber die beiden sind nicht immer miteinander verbunden», sagt sie.

«Die Schweiz hat ein ausgeprägtes Gefühl für Demokratie und fortschrittliche Technologie, aber die beiden sind nicht immer miteinander verbunden»

Stéphanie Hasler, Doktorandin EPFL
Stéphanie Hasler

Im Rahmen der Dissertation fertigte die Architekturforscherin eine Liste mit digitalen Plattformen an, mit denen Stadtbeamte besser auf die Ideen von Bewohnern eingehen können. Dafür testete sie weltweit rund 50 solcher Tools und gruppierte sie nach ihren jeweiligen städtischen Projekttypen (siehe Bilderstrecke oben). Hasler zufolge könnte Genf künftig daran arbeiten, seine Prozesse zu rationalisieren und die Karten der verschiedenen Stadtviertel und deren Quartiere in einer einzigen Anwendung zusammenfassen, die von allen Stadtmitarbeitern verwendet werden kann. So benutzt Singapur zum Beispiel seit rund zwei Jahren eine solche Anwendung, die unter anderem Echtzeitinformationen zu den von Bewohnern genutzten Verkehrsmitteln anzeigen kann. (pb/mgt/lfr)