Knacknuss Velo- und Wanderwegplanung

Knacknuss Velo- und Wanderwegplanung

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Mountainbiker und Wanderer haben verschiedene Ansprüche und Bedürfnisse. Sie müssen sich trotzdem häufig Wege teilen. Wie lassen sich durch geschickte Planung Konflikte vermeiden?

Mountainbiker
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Untersuchungen haben gezeigt, dass Wanderer die Wege häufiger verlassen als Mountainbiker.

Die Schweiz wird von 65 000 Kilometern markierten Wanderwegen erschlossen. Längst ist es nicht mehr damit getan, ein Paar Wanderschuhe zu besitzen. Outdoorsport ist im Trend. Zahlreiche neue Sportarten werden auf vorhandenen Wanderwegen ausgeübt, etwa Trailrunning oder Mountainbiken in seinen verschiedenen Ausprägungen von Cross Country bis Downhill.

Von der Schweizer Bevölkerung wandern etwa 2,7 Millionen Personen, 2,4 Millionen fahren Rad und 400 000 Mountainbike, so eine aktuelle Studie der Akademie der  Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT).

Dieser Trend ist für viele Tourismusgeneinden erfreulich. Sommerliche Outdoorsportarten sind ein wichtiger Ausgleich für wegbrechende Wintereinnahmen – und zum Trend zu naturnahem Tourismus passen sie sowieso. Der Anteil aktiver Sportler, die mehrmals pro Woche Sport treiben, ist in den letzten vierzig Jahren von 20 auf 50 Prozent gestiegen. Entsprechend steigt die Belastung der Infrastruktur und es entsteht Handlungsbedarf von Seiten der Kommunen.

Internetquellen analysieren

Wenn sich Wanderer und Biker die Pfade teilen, bleiben Konflikte nicht aus. Die Wegnutzung ist in den Kantonen allerdings sehr unterschiedlich geregelt. So dürfen Wanderwege im Kanton Appenzell Innerrhoden nur befahren werden, wenn sie für Biker speziell ausgeschildert sind. In Graubünden dagegen können alle Wanderwege befahren werden, sofern  es nicht ausdrücklich untersagt ist.

Konflikte lassen sich vermeiden, wenn Trails und Wanderwege von den Gemeinden sorgfältig geplant werden. Dazu müssen sie die potenziellen Nutzer gut kennen, um ihre  Bedürfnisse abschätzen zu können. Pfade, die dem Bedarf nicht entsprechen, werden schlicht nicht genutzt.

Um genaue Daten über die Nutzer zu erhalten, bieten sich Gästebefragungen und Besucherzählungen an. «Das genügt aber längst nicht mehr. Eine Analyse von Internetquellen wie Social-Media-Plattformen oder entsprechenden Webseiten ist zentral. Dort speichern und kommentieren Sportler ihre Touren und erreichen so Breitenwirkung innerhalb der Community», erläutert Reto Rupf vom Institut für Umwelt und natürliche Ressourcen der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW, der die SCNAT-Studie verfasst hat. Genau dort müsse die Gemeinde auch ihre ausgearbeiteten Routen präsentieren. Farbige Hochglanzprospekte genügen längst nicht mehr.

Wanderer verlassen Pfad

«Entgegen der vorherrschenden Meinung belasten Wandern und Biken die Natur und auch die Infrastrukturen etwa gleich stark. Wegschäden sind vorrangig von der Topografie, der Anlage der Wegführung sowie den geologischen Verhältnissen vor Ort abhängig, weniger von der Sportart oder der Nutzungshäufigkeit», erklärt Rupf.

Wanderer verlassen die Wege nach seinen Untersuchungen häufiger als Mountainbiker. Durch dieses Verhalten wird zusätzlich der Lebensraum der Wildtiere gestört und eingeschränkt (siehe Box «Wildtiere und Outdoor-Aktivitäten» unten). Zudem bilden sich durch das Abweichen von den vorgesehenen Pfaden verzweigte Wege mit Erosionsrinnen. Andererseits werden Biker wegen ihrer höheren Geschwindigkeit und wegen ihres plötzlichen Auftauchens als Bedrohung wahrgenommen.

Konfliktträchtige Wegstücke dürfen aber nicht isoliert betrachtet werden. Sie sind stets Teil des kompletten Wegsystems einer Region. Auch die Sportler selbst sind Teil dieses Systems. Sie sind es schliesslich, die ihre Aktivitäten planen und sich in der Folge mehr oder weniger stark auf dem vorhandenen Wegnetz drängen.

«Auswärtige sind besser lenkbar als Einheimische. Die Kommunen sollten für sie ein Touren- und Wegangebot zusammenstellen und proaktiv kommunizieren. Nur durch attraktive Angebote lassen sich Wanderer und Biker lenken. Sonst orientieren sie sich an Internetplattformen und die Kommunen verlieren den Einfluss auf die Routenplanung», so Rupf.

Gleichgelagerte Vorlieben

Doch diese Lenkung der Outdoorsportler will gut überlegt sein: «Die Gemeinden müssen sich sorgfältig positionieren und ein Angebot schaffen, das den Nutzungsbedürfnissen entspricht. Wenn eine Gemeinde mit Downhillern wirbt, weil das ‹lässige› Fotos in den Prospekten gibt, muss sie sich nicht wundern, wenn sie scharenweise kommen und die Wanderer verärgert reagieren», betont Rupf.

Die Gemeinde müsse sich bewusst entscheiden, ob sie einen Bikepark wolle, der dann auch speziell auf die Bedürfnisse der Velofahrer eingerichtet und für sie reserviert sei oder eher eine gemeinsame Nutzung der Wege durch Biker und Wanderer anstrebe, die dann sorgfältig auf mögliche Konfliktstellen überprüft werden müssen.

Rupfs Befragungen zufolge mögen Wanderer und Biker im Grunde dasselbe: «Der Weg soll abwechslungsreich sein, nicht zu breit und Naturbelag aufweisen. Er darf nicht zu steil sein, sonst ist er nicht nur unangenehm zu begehen, sondern erodiert auch stark und ist dadurch aufwendig im Unterhalt. Auch Velofahrer wollen Wege, die nicht zu steil sind.» Spezialisierte Trailbaufirmen wissen, wie man die Bremsstellen richtig platziert, dafür sorgt, dass das Wasser richtig abgeleitet wird und die Neigung stimmt.

«Kommt es zum Konflikt zwischen den Nutzergruppen sollte die Gemeinde erst in Ruhe analysieren ob es ein Einzelfall ist, der hochgekocht wird oder ob man die Wegführung etwa durch eine Verbreiterung oder durch unterschiedliche Wegführung für Biker und Wanderer entschärfen kann», so Rupf. Gern stelle sich nämlich bei genauer Analyse heraus, dass Probleme aufgebauscht würden, die gar nicht vorhanden seien.

 

Im Rahmen der Studie wurden auf Basis der Befragungen von Wanderern und Bikern zu ihrer Tourenplanung Tabellen entwickelt. Die ZHAW stellt sie den Kommunen als Planungsinstrumente für Wander- und Mountainbike-Angebote zur Verfügung. Damit kann das bestehende oder geplante Angebot auf seine Attraktivität überprüft und optimiert werden. Sie sind auf Anfrage erhältlich bei: reto.rupf@zhaw.ch

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