Damit der Laden im Bergdorf bleibt

Damit der Laden im Bergdorf bleibt

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Die Bündner Gemeinde Lumnezia setzt ein starkes Zeichen gegen die Abwanderung. Mitten in Vella baut sie auf eigene Kosten zwei Gebäude, in denen der Dorfladen und eine Hausarztpraxis Platz finden.

Visualisierung Dorfladen in Vella, Lumnezia
Quelle: 
Architekturbüro Caminada, Vrin

Der geplante Dorfladen soll sich ins bestehende Ortsbild von Vella GR einfügen (Visualisierung).

Eine Berggemeinde kann die schleichende Abwanderung von Bevölkerung und Dienstleistungen resigniert erdulden. Oder sie kann ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen, wie dies die Bündner Gemeinde Lumnezia (2060 Einwohner) vorlebt, die 2013 aus acht ehemaligen Gemeinden entstand. Seit dieser Woche realisiert sie als Bauherrin im Dorfzentrum von Vella (450 Einwohner) für 4,8 Millionen Franken ein Stück künftige Dorfgemeinschaft.

In unmittelbarer Nähe des Gemeindehauses, des Tourismusbüros und der Bank entsteht die Überbauung «Palius» aus der Feder des Architekten Gion A. Caminada. Sie wird genügend Platz für einen Laden, eine Arztpraxis, Therapieräume und Wohnungen bieten. «Wir versuchen die Abwanderung zu vermeiden, indem wir dafür sorgen, dass die Dienstleistungen in der Gemeinde bleiben», sagte Gemeindepräsident Duri Blumenthal im Rahmen des Festakts zum Baubeginn. Falls notwendig sei man auch bereit, dabei eine aktive Rolle einzunehmen und interessierten Dienstleistern die Infrastruktur selbst anzubieten.

Wohnungsmieter oder -käufer gesucht

Noch vor Weihnachten soll der Caminada-Bau bezugsbereit sein. Die Genossenschaft «Vival» wird dann auf einer Fläche von 210 Quadratmetern ihren Dorfladen eröffnen, und auch in die 240 Quadratmeter grosse Arztpraxis kehrt sofort Leben ein. «Wir haben das Glück, einen jungen Arzt zu haben, der bereit ist, in Vella zu praktizieren», so Blumenthal. Zu Beginn werde der langjährige Talarzt mit diesem zusammen die Praxis führen. Später übernimmt der «Youngster» vollständig – allenfalls zusammen mit anderen Fachpersonen.

Die Praxisräumlichkeiten, zu denen auch ein 65 Quadratmeter grosser Physiotherapieraum gehört, sind nämlich auch für eine parallele Nutzung durch mehrere Ärzte geeignet. Interessenten für die geplanten Wohnungen fehlen leider noch, wie Primus Cavegn, Chef Immobilien der Gemeinde Lumnezia, gegenüber der Zeitung «Südostschweiz» bestätigte. Wenn sich daran nichts ändert, wird der entsprechende Raum allenfalls als Bürofläche genutzt. (gd)