Nur jeder zehnte Zürcher Stadtpolizist wohnt in der Stadt

Nur jeder zehnte Zürcher Stadtpolizist wohnt in der Stadt

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Teaserbild-Quelle: Bild: www.stadt-zuerich.ch

Von 1580 Korpsangehörigen der Zürcher Stadtpolizei wohnen derzeit gerade einmal 180 in der Stadt Zürich. Das sind nur 11 Prozent, wie Informationschef Marco Cortesi erklärt. 980 Polizeiangehörige wohnen im Kanton Zürich (62 Prozent), 420 in der übrigen Schweiz (27 Prozent). Eine Wohnsitzpflicht für Stadtpolizisten existiert nicht. Jedoch hat das Kommando einen Wohnsitzrayon festgelegt, innerhalb dessen die Ordnungshüter wohnen müssen. Als Faustregel gilt: Jeder Stadtpolizist muss innert 45 Minuten von seinem Wohnort aus Zürich erreichen. Wer regelmässig Pikettdienst leistet, muss innerhalb einer halben Fahrstunde in Zürich sein, ob mit dem Privatauto oder dem ÖV. Dies berichtet der «Tages Anzeiger».

Zu wenig Polizisten bei spontanen Krawallen

Die teils weit von der Stadt entfernten Wohnorte haben Folgen für die Polizeiarbeit: Im Alarmfall benötigen auswärtige Polizisten länger, um an ihren Einsatzort in Zürich zu gelangen. Dies zeigte sich bei den Binzkrawallen Anfang März. Damals war es im Anschluss an eine Party auf dem besetzten Areal im Kreis 3 zu Ausschreitungen mit Sachschäden von einer Million Franken gekommen. Nach dem Saubannerzug musste der Stadtrat einräumen, die Stadtpolizei sei vom Grossaufmarsch an Partygängern und Demonstranten überrascht worden und habe auf die Schnelle nicht genügend Leute aufbieten können.

Dank Facebook und Twitter können sich heute mehrere Hundert Personen innert kürzester Zeit an einem bestimmten Ort versammeln. Dies stellt die Sicherheitskräfte zunehmend vor ernsthafte Probleme: Auch mit neuer Alarmierungstechnik bleibt ein gewisser Zeitbedarf, bis die aufgebotenen auswärtigen Polizisten ausgerüstet sind und im Einsatz stehen. Die Alarmierung folgt neuerdings über das private Handy mittels SMS.

Hauptgrund: Zu hohe Mieten

Die Gründe für die Stadtflucht sind laut Polizeisprecher Cortesi zahlreich. Der Hauptgrund dürfte beim teuren Wohnraum zu finden sein. Viele Polizisten mit Familie finden hier keine bezahlbare Wohnung mehr. In anderen Fällen will der Partner unbedingt in der angestammten Gemeinde bleiben, oder jemand erbt ein Haus auf dem Land. Dass wenig Polizisten in der Stadt wohnen, ist gemäss Cortesi wegen der längeren Alarmierungszeit und weil es bei Auswärtigen womöglich an Verständnis für die Probleme einer Grossstadt mangelt «nicht ideal». Deshalb will das Kommando künftig mehr Polizisten aus der Stadt rekrutieren. (aes)