Nordtangente Basel: Schub für die Innenentwicklung

Nordtangente Basel: Schub für die Innenentwicklung

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Die Nordtangente Basel gilt als das teuerste Teilstück des Nationalstrassennetzes der Schweiz. Der Bau der 3,2 Kilometer langen Strecke kostete rund 1,55 Milliarden Franken. Sie verbindet die Basler Osttangente (Autobahn A2 Richtung Deutschland) mit der französischen Autobahn A35. Nach einer fast 50-jährigen Planungs- und Baugeschichte wurde die Nordtangente 2007 für den Individualverkehr geöffnet, letzte Bauarbeiten fanden bis Ende 2009 statt.

Dieser grösstenteils unterirdische Autobahnbau glich einer «Operation am offenen Herzen», wie Raumplaner Peter Keller sagt. An der Nordtangente wurde während rund 15 Jahren gebaut, während oben das Stadtleben pulsierte und sich der Transit- und Schwer-Verkehr durch das Quartier St. Johann wälzte.

Nachhaltige Entlastung der Stadtstrassen

Aus heutiger Sicht sei das planerische Grosswerk insgesamt gelungen, lässt sich Keller im Newsletter der Schweizerischen Vereinigung für Landesplanung (VLP-Aspan) zitieren. Wenngleich es einige Fragezeichen bei der gestalterischen Qualität der Strassen an der Oberfläche gebe. Schon früh dachte man in Basel anlässlich dieses Infrastrukturbaus an die Chancen für den Städtebau. Der Kanton strebte eine Aufwertung des Quartiers an.

Das Hauptziel der Stadt, eine nachhaltige Entlastung der Stadtstrassen an der Oberfläche, sei erreicht worden. So gilt etwa der Ausbau der Dreirosenbrücke, in deren Bauch der Nordtangenten-Transitverkehr über den Rhein geführt wird, als besonders gelungen.

Auch das Ziel, rasch Neubauten zu realisieren, wurde erreicht, etwa durch das Instrument eines kombinierten Investoren- und Architekturwettbewerbs. Die markantesten Gebäude stehen rund um den Vogesenplatz beim Bahnhof St. Johann, wohin auch die Tramlinie verlegt wurde. Ein Grossverteiler ist am Platz. Andere Gewerberäume in den Erdgeschossen sind aber teilweise leer.

Der Bahnhof St. Johann ist noch nicht zum anvisierten S-Bahn-Knotenpunkt geworden; dafür ist der S-Bahn-Taktfahrplan zu locker. Einige Frei- und Grünräume im weiteren Umfeld wurden oder werden realisiert (etwa St. Johann-Park, Spielplätze, Rheinuferweg). Die Bevölkerungszahl im Quartier wächst – auch wegen des Novartis Campus, den das Pharmaunternehmen hier baut. Laut dem Kantonsplaner dürfte die Entwicklung der Stadt Basel in den nächsten 30 Jahren massgeblich hier in Basel Nord fortschreiten.

Randale gegen Gentrifzierung

Es gibt aber auch Zweifel an der Qualität der Innenentwicklung. Sie äusserten sich in Graffitis und auch schon in Randalen. Urheber seien links-autonome Kreise, die von einer Gentrifizierung des Quartiers sprächen, sagt der Präsident der Quartiervertretung «Stadtteilsekretariat Basel-West» Peter Jossi.

Die Mehrheit der Quartierbewohner empfinde den Wandel aber als Aufwertung; insbesondere die Verkehrssituation sei heute besser, obwohl noch Probleme bestünden. So wirkt der neue Vogesenplatz oft öde, und am Voltaplatz birgt die Verkehrsführung einige Tücken und Gefahren für Velofahrende. «Der Planung geht die Arbeit nicht aus», so das Fazit der VLP-Aspan. (mgt/aes)