Wenn Verkehrssignale Teilzeit arbeiten

Wenn Verkehrssignale Teilzeit arbeiten

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Teaserbild-Quelle: Swarco Traffic Switzerland GmbH

Tempolimiten passen sich für gewöhnlich nicht den Verkehrsverhältnissen an. So gilt Tempo 30 in den entsprechenden Zonen auch, wenn weit und breit niemand gefährdet werden könnte. Doch es geht auch anders. Basel-Stadt hat bereits mehrere temporäre Tempo-30-Abschnitte eingeführt, auf denen das Tempo nur zu den typischen Schulwegzeiten gedrosselt werden muss.

Wechselsignal in Basel-Stadt
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Swarco Traffic Switzerland GmbH

Der Hinweis «Schule» auf dem Wechselsignal erhöht die Akzeptanz für die Temporeduktion.

So mancher Autofahrer dürfte sich in einer Tempo-30-Zone schon geärgert haben, während er als einziger Verkehrsteilnehmer weit und breit in gefühltem Schritttempo die Strasse entlang kroch. Wäre er ein paar Stunden später auf derselben Strecke unterwegs, könnte die Szene aber ganz anders aussehen. Tempo-30-Zonen sind häufig auf Quartierstrassen anzutreffen. Gibt es in der Nähe ein Schulhaus oder einen Kindergarten, dann wimmelt es zu bestimmten Tageszeiten nur so von Kindern. Bekanntlicherweise begeben sich Schüler aber nur in spezifischen Zeitfenstern zur Schule und wieder nach Hause. In der übrigen Zeit – besonders am Wochenende und in den Schulferien – wirken diese Strassen wie ausgestorben.

Basel-Stadt führt temporäre Lösung ein

Auf solchen Strassenabschnitten macht Tempo 30 vor allem an Schultagen zu jeweils bestimmten Tageszeiten Sinn. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, hat der Kanton Basel-Stadt auf einzelnen verkehrsorientierten Strassenabschnitten temporär Tempo 30 eingeführt. Ausserhalb der Schulwegzeiten fällt die Strecke wieder zurück ins «generell 50»-Regime. Angezeigt wird die gesenkte Tempolimite mit LED-Wechselsignalen.

Neue Gebietszuteilungen und Schulwege

Auf Basis eines Grossratsbeschlusses hat Basel per Beginn des Schuljahres 2013 eine erste temporäre Tempo-30-Signalisation auf einem Abschnitt des Gundeldingerrains beim Brunnmattschulhaus getestet. Im Zusammenhang mit der Umsetzung des Harmos-Konkordats kam es in Basel zu verschiedenen Veränderungen in der Schulstruktur, darunter auch zum Neubau von Primarschulhäusern. Dadurch veränderten sich die Gebietszuteilungen und die Schulwege der Kinder. 

Pilotprojekt erfolgreich

Die Erfahrungen mit der ersten temporären Tempo-30-Strecke waren durchwegs positiv: «Das Projekt hat sich bewährt. Die Geschwindigkeiten sind deutlich heruntergekommen, wodurch der Schulweg für Kinder sicherer wurde», berichtet Stephan Löwengut, Projektleiter Abteilung Verkehrstechnik beim Amt für Mobilität im Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt. Aufgrund der positiven Erfahrungen hat das Bau- und Verkehrsdepartement diese Lösung nun auf insgesamt drei Strassenabschnitten umgesetzt, weitere sind in Planung.

Zwei der bisherigen Strecken dienen der Schulwegsicherheit. Einen anderen Zweck verfolgt das Departement auf der Grenzacherstrasse bei der Firma Roche: Auch hier gilt temporär Tempo 30 – dies allerdings zugunsten der Roche-Mitarbeiter, die die Strasse zwischen den Firmengebäuden überqueren.

Begründung in leuchtendem Weiss

Abgesehen vom Roche-Abschnitt gilt die zwischenzeitliche Temporeduktion in den betroffenen Quartieren jeweils an Schulbetriebstagen von Montag bis Freitag, von 7.30 bis 8.30 Uhr, von 11.45 bis 14.15 Uhr sowie von 15.30 bis 18.15 Uhr. Die Autofahrer werden mit LED-Wechselsignalen darauf aufmerksam gemacht, dass jetzt gerade Tempo 30 gilt. Direkt unter dem Tempo-Hinweis wird auch der Grund für die temporäre Einschränkung genannt: «Schule» heisst es dort in leuchtendem Weiss.

Akzeptanz für Temporärlösung

«Wenn Tempo 30 nur temporär gilt, muss man dies besonders deutlich machen. Eine Signalisation mit LED-Wechselsignalen erhöht im Vergleich zu einer konventionellen Tempo-30-Blechsignalisation die Akzeptanz beim motorisierten Individualverkehr und verursacht auch nicht mehr Fahrzeitverluste zu Lasten des ÖV als nötig», ist Löwengut überzeugt. Die LED-Signale seien insbesondere besser erkennbar: «Sie sind grösser als die in der Stadt verwendeten Geschwindigkeits-Blechsignale und sie leuchten, angepasst an die jeweilige Umgebungshelligkeit.» (...)

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Autoren

Nadine Siegle
Stv. Chefredaktorin Kommunalmagazin

Nadine Siegle hat an der Universität Zürich Rechtswissenschaft studiert und 2013 abgeschlossen. Seit September 2016 ist sie stellvertretende Chefredaktorin beim Kommunalmagazin. Sie interessiert sich besonders für Themen der Nachhaltigkeit und Digitalisierung sowie für den sozialen Wandel.