Informieren, leiten und inspirieren

Informieren, leiten und inspirieren

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Ein Informations- und Wegleitsystem für Fussgänger muss und kann vieles leisten. Inhaltlich fundiert und klug platziert, führt es zu vielfältigen Zielen, multipliziert Erfahrungen und verlängert die Verweildauer von Gästen. Es verdeutlicht die Qualitäten eines Ortes, trägt zu einem selbstbewussten Auftritt und zu positiven Erlebnissen bei.

Von Werner Egli und Pascal Regli*

Am Sonntag, 6. Juli 2014 um 10 Uhr begann im Benediktinerkloster Disentis der Gottesdienst zur Feier der Klosterpatrone Placidus und Sigisbert mit der anschliessenden traditionellen Prozession. Im Jubiläumsjahr des 1400-jährigen Bestehens des Klosters vermochte die Martinskirche nicht alle Festbesucher aufzunehmen.Auf diesen Tag hin hatte die Gemeinde Disentis/Mustér GR die Planung ihres neuen Wegleitsystems ausgerichtet.

Ergreift eine Stadt oder eine Gemeinde die Initiative für ein Wegleitsystem, ist oft das Gewerbe die treibende Kraft, getragen vom Wunsch, die Wirtschaft zu beleben. Manchmal bietet ein Jubiläum oder ein Grossanlass den Anstoss zu einem Projekt; die Bevölkerung freut sich auf den Event und die Gäste, der Ort steht im Fokus der Medien, der Anlass schafft Umsatz. Und die Personenströme wollen gelenkt sein – das leuchtet allen ein.

Mehr als nur Verkehrslenkung

Ist es im Zeitalter der mobilen Geräte angebracht, den öffentlichen Raum mit zusätzlichen Wegweisern zu verstellen? Durchaus: Die Antwort darauf liefert das aufmerksame Beobachten von Fussgängern. Neugierige Gäste bleiben mal da, mal dort stehen, betrachten ein Detail an einer Hausfassade, freuen sich an einem schönen Garten, an einer Schaufensterauslage, an einer Altstadtgasse, an der Weite eines Platzes. Sie sind dankbar, wenn sie sich an Wegweisern ab und zu neu orientieren können. Dies ist eine andere Form von Wahrnehmung, als mit gesenktem Haupt einem Pfeil auf dem Smartphone-Display zu folgen.

Klassische Wegleitsysteme dienen nicht nur der Orientierung und Wegleitung. Sie markieren auch Offenheit und Präsenz, sie sagen: «Ihr seid willkommen! Wir kümmern uns um euch, unabhängig vom Ladezustand des Akkus.» Darüber hinaus ist das Design eine Visitenkarte des Orts und Teil des Erscheinungsbilds.

Wer gehört mit ins Boot?

Wie beschaffen sich die Gemeinden ein passendes Wegleitsystem? Solche Systeme umfassen weit mehr als die blosse Verkehrslenkung, beispielsweise touristische Aspekte. Da empfiehlt es sich, mit Hilfe von externem Know-how ein ganzheitliches Konzept zu entwickeln.

Verwaltung, Politik, Gewerbe, Kultur, Tourismus und öffentlicher Verkehr werden idealerweise in eine Begleitgruppe eingebunden. Diese hilft, das Wegleitsystem optimal auf die örtlichen Gegebenheiten abzustimmen und die notwendige Akzeptanz
für die Finanzierung sicherzustellen. Unabhängige Signaletiker verfügen über das nötige Rüstzeug, um Wegleitsysteme zu planen und die Realisierung und Umsetzung zu begleiten. Falls auf dem Markt keine passenden Wegleitelemente zu finden sind, entwickeln sie ortsspezifische Typen. (...)

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* Werner Egli ist Signaletiker, Grafiker und Inhaber der Firma Signaletica. Zudem ist er Gastdozent beim CAS Signaletik an der Hochschule der Künste Bern. Pascal Regli ist Verkehrsplaner und Projektleiter bei Fussverkehr Schweiz, dem Fachverband der Fussgänger.