Mit natürlichen Feinden gegen invasive Neophyten

Mit natürlichen Feinden gegen invasive Neophyten

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Teaserbild-Quelle: Bild: Eawag, Florian Altermatt

Eingeführte Pflanzen sind längst eine Realität – in der Landwirtschaft, in Gärten, aber auch in natürlichen Ökosystemen. Eine Konsequenz dieser globalen Vermischung der Flora sind neue Wechselbeziehungen zwischen den einheimischen pflanzenfressenden Tieren und den neuen Pflanzen.

Auswirkungen neuer Arten früh verstehen

Die neue Nahrung kann weitreichende Folgen haben: Einheimische Insekten können eingeführten Nutzpflanzen ebenso an den Kragen gehen wie potenziell invasiven Neophyten. Die neuen Pflanzen ihrerseits können die Zusammensetzung der einheimischen Pflanzenfresser-Gesellschaften aufmischen.

Bisher wurden die meisten dieser neuen Beziehungen erst lange nach der Einführung einer fremden Art näher untersucht. Dabei wäre es mit Blick auf ökologische und ökonomische Konsequenzen sehr interessant, diese Effekte schon früher zu verstehen.

Strategien zur Schädlingsbekämpfung entwickeln

Der Eawag-Biologe Florian Altermatt und sein Kollege Ian Pearse (Cornell University) schliessen nun diese Lücke. In der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift Ecology Letters beschreiben sie ihre Vorhersagemethode. Sie haben dazu die Nutzung von 460 in Europa nicht einheimischen Pflanzen durch 900 Schmetterlings- und Falterarten untersucht. Ihre Vorhersagen haben sie erfolgreich getestet mit Wechselbeziehungen, die sich in den letzten 100 Jahren schon etabliert haben.

Die Resultate können für die Überwachung potentiell invasiver Pflanzenarten nützlich sein oder für die rechtzeitige Entwicklung von Strategien zur Schädlingsbekämpfung. Zudem erlauben die Prognosen auch eine Abschätzung des Risikos, welches neu eingeführte Pflanzen für die einheimischen Nahrungsnetze darstellen.

«Den Befall der Nordamerikanischen Roteichen durch den Streckfuss, eine Falterart, hätte unser Modell exakt vorhergesehen», sagt Altermatt. Als weitere Beispiele erfolgreicher Übereinstimmungen zwischen Modell und Realität nennt er eine Glasflüglerart, welche sich an eingeführten, kultivierten Stachelbeersträuchern gütlich tut, und einen Spanner, der nebst einheimischen Kreuzkraut- und Beifussarten auch die invasiven Goldruten als Raupennahrung zu nutzen beginnt.

Nützlich bei Erteilung von Einfuhrbewilligungen

Sobald eine Pflanze von den einheimischen Insekten als Futter akzeptiert wird, können weitere ökologische und evolutionäre Prozesse ins Rollen kommen. «Dieser Ausbau der Speiskarten ist der vermutlich wichtigste Schritt dazu», sagt der Biologe, «auch wenn unsere Methode die kurzfristige Dynamik der Gesellschaften noch nicht vorhersagen kann».

Ob einheimische Raupen sich genüsslich auf eine neue Pflanze stürzen oder sie verschmähen, kann also künftig prognostiziert werden, bevor die Pflanze hierzulande eingeführt wird. Das kann zum Beispiel für Behörden, welche Einfuhren bewilligen, nützlich sein. (mrm/mgt)