Mit dem Verkauf von Kunst die Gemeindefinanzen aufpolieren?

Mit dem Verkauf von Kunst die Gemeindefinanzen aufpolieren?

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Die Stadt Biel besitze eine umfangreiche Kunstsammlung mit fast achttausend Werken, von denen viele ein Dasein im Depot fristeten, bestätigt Stadträtin Sandra Schneider eine Meldung im «Bieler Tagblatt». Bei der prekären Finanzlage der Stadt dränge sich die Frage auf, ob eine so grosse Sammlung sinnvoll sei. Die Stadt sei schliesslich kein Museum, dafür gebe es andere Institutionen, sagt die SVP-Stadträtin.

Die Stadtregierung solle eine Liste erstellen, welche Kunstgegenstände allenfalls veräussert werden könnten, verlangt Schneider in einem Vorstoss. Historisch wertvolle Kunstwerke sollen hingegen nicht unter den Hammer kommen. Aufgrund der Liste sollen die Werke sodann verkauft oder versteigert werden und der Erlös zur Entschärfung der prekären städtischen Finanzlage beitragen. Damit der Erlös aus den Kunstwerken nicht in der allgemeinen Stadtkasse versickert, soll die Stadtregierung es zweckgebunden, etwa für die Tilgung von Schulden, einsetzen.

Ob Schneider mit ihrer Forderung im Stadtparlament durchdringt, ist fraglich. Die Veräusserung von Kunstwerken ist oft mit Kosten, etwa für eine professionelle Bewertung, verbunden. Dazu kommt die Frage, ob die Werke für den heutigen Kunstmarkt interessant sind, wie Fachleute anmerken. Öffentliche Sammlungen sind nicht selten über Jahrzehnte gewachsen und umfassen Werke einheimischer Künstler, die mitunter heute in Vergessenheit geraten oder deren Werke aus der Mode gekommen sind.

Kultur als Kitt unseres Landes

Mit ihrer Forderung reiht sich Schneider in eine Reihe ähnlicher Vorschläge ein, die überall dort auftauchen, wo die öffentliche Hand knapp bei Kasse ist.In Bern beispielsweise stachen die Jungfreisinnigen vor einem Jahr in eine Wespennest, als sie aus Spargründen die Schliessung der Kunsthalle forderten.

Kultur werde in der Schweiz noch zu oft als «nice to have» anstatt als Notwendigkeit betrachtet, sagte hingegen jüngst die Direktorin des Bundesamtes für Kultur, die Freiburgerin Isabelle Chassot, in einem Interview. Politiker seien deshalb oft nur allzu bereit, bei der Kultur sparen zu wollen. Doch gerade in der kleinräumigen und mehrsprachigen Schweiz sei die Kultur essenziell, «sie bildet den Kitt unseres Landes», und davon könne man nie zu viel haben, sagte Chassot. Wegen ebendieser Stellung der Kultur sieht sie die öffentliche Hand - ebenso wie private Stiftungen, Mäzene und Sponsoren - in der Pflicht, Kultur zu fördern.

Kunst lässt im Ausland die Kassen klingeln

Auch im Ausland liebäugelt man immer wieder mit dem Verkauf von staatseigenen Kunstwerken: jüngst etwa im Euro-Krisenland Portugal, wo Miro-Werke trotz Protests aus der Bevölkerung unter den Hammer kommen sollen. Ende August gab der Staat grünes Licht zum Verkauf von 85 Werken des Künstlers, die nicht als Kulturerbe eingestuft sind.

Auch in der finanziell arg gebeutelten, amerikanischen Stadt Detroit wird laut über den Verkauf einer weltberühmten Kunstsammlung nachgedacht. Inzwischen wird Geld gesammelt, um den Verkauf zu verhindern.

Seine Geldsorgen los sein dürfte hingegen ein Jugendclub in der britischen Stadt Bristol, der ein Werk der Streetart-Ikone Banksy versilberte. Wie viel der Jugendclub dafür löste ist nicht bekannt. Banksy-Werke wurden zuletzt für Millionensummen gehandelt. (sda/aes)