Mehr Häuser aber nicht mehr Wohnungen

Mehr Häuser aber nicht mehr Wohnungen

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Teaserbild-Quelle: Bild: Alexander Rochau/Fotolia


Seit 2006 wurden im Kanton Zürich in der Regel mehr als 8000 Wohnungen pro Jahr erstellt und entsprechende Baulandreserven dafür genutzt. In den Spitzenjahren 2011 und 2013 sind sogar um die 10 000 Wohnungsschlüssel überreicht worden, wie im aktuellen Infobulletin «Zürcher Umweltpraxis» der kantonalen Koordinationsstelle für Umweltschutz zu lesen ist.

Weniger Häuser fertiggestellt

Gleichzeitig mit der Zunahme der jährlich gebauten Wohnungen hat die Zahl der fertiggestellten Gebäude stetig abgenommen. Häuser, die im Jahr 2014 erstellt wurden, enthalten so im Durchschnitt deutlich mehr Wohnungen als Gebäude, die um die Jahrtausendwende gebaut wurden. Ein neues Mehrfamilienhaus im Kanton Zürich enthält im Schnitt noch gleich viele Wohnungen wie sein Pedant im Jahr 2000 – doch sein Bauvolumen hat sich deutlich erhöht.

Das Fazit: «Ein typisches Mehrfamilienhaus hat in seinen Ausmassen zugenommen, und seine städtebauliche Wirkung ist deshalb auch grösser geworden. Gleichzeitig hat sich die durchschnittliche Wohnungszahl je Mehrfamilienhaus kaum verändert, so dass die höhere bauliche Dichte nicht zwingend dazu führt, dass mehr Menschen den Raum nutzen.»

Gemeinden gehen sensibler mit Bauland um

Auch im ländlichen Raum werden immer mehr Mehrfamilienhäuser gebaut. Die Gemeinden, so heisst es in der Analyse, gehen heute sensibler mit Bauland um. Einfamilienhäuser auf der grünen Wiese sind heute nicht mehr so einfach realisierbar. Die Gemeinden hätten auch die Vorteile erkannt, die kompakte Siedlungen brächten: belebte Quartiere, gute Ausnutzung der Infrastruktur und weniger strapazierte Gemeindefinanzen.

Wirklich dichte Wohnbauentwicklungen konzentrieren sich aber nach wie vor auf Gemeinden mit mehr als 10 000 Einwohnern beziehungsweise liegen in heute schon urbanen Räumen. «Wann wird dicht genug gebaut?», wird der Zürcher Kantonsplaner Wilhelm Natrup in einem Interview des Infobulletins gefragt. Natrup spricht sich dafür aus, die zulässige bauliche Dichte auszunützen. Er empfiehlt aber auch, städtebauliche Studien und Fachkommissionen beizuziehen, um die zum Ort passende Dichte zu finden.

Zu dicht wird es laut Natrup, «wenn die Brüche zwischen Neu und Bestand gross sind und nur auf die Masse und nicht auf die Qualität geschaut wird». Den Gemeinden empfiehlt er, zuerst in einer Strategie oder einem Konzept festzulegen, wo sie Dichte wollen und welche Qualitäten und Verfahren zu verlangen sind. (mgt/stg)

Die aktuelle Ausgabe der «Zürcher Umweltpraxis» (PDF)