«Jede Generation hat das Recht auf einen Mega-Event»

«Jede Generation hat das Recht auf einen Mega-Event»

Gefäss: 
Teaserbild-Quelle: Norbert Aepli (CC BY 2.5)

Was bringen Grossanlässe der Standortregion? Welche Risiken werden mit der Durchführung von Mega-Events eingegangen? Wie betreibt man als kleines Land Standortmarketing? Und wie positioniert man sich als Player im schwierigen Tourismussektor? Lösungsansätze wurden am Tag des Standortmanagements präsentiert und diskutiert.

Expo02 Biel
Quelle: 
Norbert Aepli (CC BY 2.5)

Die Landesausstellung Expo 02 (im Bild: Arteplage in Biel) war umstritten. Letztlich wurde sie aber zu einem Grosserfolg, von dem die Region noch heute profitiert.

Von Alexandra Vogel *

Alljährlich im Frühjahr lädt die Schweizerische Vereinigung für Standortmanagement (SVSM) zum Tag des Standortmanagements. Hier treffen sich Standortmanager, Wirtschaftsförderer, Immobilienfachleute sowie Vertreter von Gemeinden, Städten und Kantonen, um Fallbeispielen zu lauschen, branchenspezifische Themen zu diskutieren, Erfahrungen auszutauschen und ihr Netzwerk zu pflegen. Am diesjährigen Anlass, der im Air Force Center Dübendorf stattfand, standen die Themen Tourismus und Grossanlässe im Fokus.

Innovationskiller Zeit

In seiner Grussbotschaft zeigte Lothar Ziörjen, Stadtpräsident von Dübendorf, die vielfältigen Standortthemen auf, mit denen sich seine Stadt konfrontiert sieht: Die Entwicklung des Flugplatzes, das Gebiet Giessen und das Zwicky-Areal stellen die Stadt vor Herausforderungen. Ein wichtiger Bestandteil der Entwicklung ist der Innovationspark Zürich, der auf einem Teil des Flugplatzes entstehen soll. René Kalt, Geschäftsführer des Innovationsparks, legte in seinen Ausführungen nicht nur die Chancen und Potenziale dieses Generationenprojekts dar, sondern auch die Hindernisse. Ziel des Innovationsparks ist es, multinationale Unternehmen, KMU und Start-ups mit Wissenschaftsinstitutionen zu vernetzen.

Entsprechend dürfen nur Unternehmen im Innovationspark angesiedelt werden, die mit einer wissenschaftlichen Institution verknüpft sind. Gebaut wird auf den insgesamt 36 Hektaren Land, die dem Innovationspark auf dem Flugplatzgelände zur Verfügung stehen, in Etappen und nach Bedarf. An Interessenten fehle es nicht, betonte Kalt. Das Problem liege vielmehr darin, dass es zu langsam vorwärtsgehe: «Wenn wir interessierten Unternehmen nicht innert nützlicher Frist die gewünschten Flächen anbieten können, springen sie ab», stellte er nüchtern fest. Und ausstehende Baubewilligungen, Rekurse sowie die Abstimmung mit dem Flugbetrieb der Luftwaffe seien Faktoren, die das Projekt verlangsamen.

In einem nächsten Schritt, so Kalt, müssten nun zahlreiche raumplanerische Fragen gelöst und ein Partner für die Arealentwicklung im Bereich Immobilien gefunden werden.

Zuhause, wo der Standort perfekt ist

Von der Innovationsansiedlung leitete der von der SVSM als Standortmanager des Jahres 2017 ausgezeichnete CEO der Jugendherbergen Schweiz, Fredi Gmür, in den Bereich Tourismus über. «Die SVSM verknüpft die Themen Immobilien und Standorte. Genau das machen auch die Schweizer Jugendherbergen», konstatierte Gmür. «Wir sind nur dort zuhause, wo der Standort perfekt passt.» Die Zusammenarbeit mit den Standortgemeinden ist ein wichtiger Aspekt. Dies einerseits deshalb, weil das Land, auf dem die Jugendherbergen stehen, normalerweise von den Gemeinden im Baurecht oder in Pacht abgetreten wird.

Andererseits wird der Standort von den Gästen der Jugendherbergen in einem hohen Masse genutzt – viel mehr, als dies etwa in einem Hotel der Fall ist: «Unsere Gäste ziehen sich in der Regel nur zum Schlafen in die Jugi zurück, die übrige Zeit wird das Angebot des Standorts im Bereich Freizeit, Sport und Business genutzt», erklärte Gmür. Entsprechend bestimmen letztlich die Gäste, an welchen Standorten neue Jugendherbergen eröffnet werden.

Nachdem die Schweizer Jugendherbergen in den 90er-Jahren von massiven Krisen durchgeschüttelt wurden und ihr Überleben auf der Kippe stand, hat sich die Organisation mittlerweile konsolidiert: In den aktuell 51 Betrieben sind die insgesamt 6130 Betten zu 44 Prozent ausgelastet.

Ein Land der kleinen Zahlen

Mit speziellen Anforderungen im Bereich Standortmarketing und Tourismus sieht sich auch Liechtenstein konfrontiert. Das Fürstentum, das 2019 sein 300-jähriges Bestehen feiert, sei ein Land der kleinen Zahlen, führte Michelle Kranz, Geschäftsführerin von Liechtenstein Marketing, aus. Diese müssten aber stets in Relation gestellt werden – per capita heisst hier das Zauberwort. So ist das Fürstentum heute eines der höchst industrialisierten Länder der Welt: Die Industrie trägt 41 Prozent zur Wertschöpfung des Landes, in dem sich   die Anzahl der Einwohner und jene der Arbeitsplätze fast die Waage halten, bei.

«Betrachtet man die drei ‹P› eines erfolgreichen Standorts, also Place, Permit und Price, so haben wir zumindest hinsichtlich der ersten beiden Punkte keine sehr guten Voraussetzungen im Standortwettbewerb», so Kranz. Als einziges völlig im Alpengebiet gelegenes Land mit einer Fläche von lediglich 160 km² bietet Liechtenstein nur beschränkten Platz. Aufenthaltsbewilligungen sind schwierig zu bekommen – es werden jährlich gerade einmal 89 vergeben. Hingegen profitieren Unternehmen von einem   moderaten Steuerfuss respektive einer Flat Tax, die Staatsverschuldung ist inexistent, und das Land bietet eine hohe politische Stabilität.

Zusammen mit der breiten Diversifikation, einer liberalen Wirtschaftspolitik, kurzen Wegen und einer Triple-A-Bewertung der Ratingagenturen kann sich das kleine Fürstentum bestens im Standortwettbewerb behaupten.

Biels Erfolge dank Expo 02

Der Nachmittag stand ganz im Zeichen von Grossanlässen und deren Nutzen für die jeweilige Standortregion. Den Auftakt machte der Berner SP-Ständerat Hans Stöckli. Als ehemaliger Stadtpräsident von Biel hat er erlebt, welche Auswirkungen ein Mega-Event auf eine ganze Region haben kann: Die Landesausstellung Expo 02, durchgeführt im Drei-Seen-Land, hatte eine äusserst leidvolle Vorgeschichte, wurde letztlich aber zu einem Grosserfolg, von dem die Region noch heute profitiert.

Die Stadt Biel kämpfte in den 90er-Jahren mit den Folgen der Uhrenkrise, mit hohen Steuern, hoher Arbeitslosigkeit und Schulden. Die strategischen Ziele der Expo 02 waren entsprechend eine Verbesserung der politischen Strukturen, die Beseitigung der Infrastrukturdefizite und ein Imagewechsel. Ziele, die gemäss Stöckli allesamt erreicht wurden.

Einige wichtige Projektekonnten in den vergangenen Jahren nur dank der Expo 02 realisiert werden: International beachtete Entwicklungsgebiete konnten auf ehemaligem Expo-Land in Stadtbesitz realisiert werden oder sind noch in Entwicklung, so etwa das Campus-Quartier zwischen Bahnhof und See oder das «Agglolac». Stöckli ist überzeugt: «Jede Generation hat das Recht auf einen Mega-Event – und jede Generation hat die Pflicht, eine solche Veranstaltung zu organisieren.»

* Alexandra Vogel leitet die Geschäftsstelle der Schweizerischen Vereinigung für Standortmanagement (SVSM).