Stadt Zug testet erstmals Blockchain-basierte Abstimmung

Stadt Zug testet erstmals Blockchain-basierte Abstimmung

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Teaserbild-Quelle: Screenshot abstimmungen.zuger-portal.ch

Die Stadt Zug hat die erste Blockchain-basierte Abstimmung der Schweiz gestartet. Stadtpräsident Dolfi Müller (SP) eröffnete mit seiner digitalen ID die Konsultativabstimmung. Rechtlich bindend ist die Abstimmung zwar nicht, dafür will die Stadt damit wertvolle Erfahrungen für die Zukunft sammeln.

Login mit der digitalen ID für die Konsultativabstimmung in der Stadt Zug.
Quelle: 
Screenshot abstimmungen.zuger-portal.ch

Hier können sich Inhaber der digitalen ID für die Konsultativabstimmung einloggen.

Alle Stadtzuger, die bereits eine digitale ID haben, können bis am 1. Juli an einer Konsultativabstimmung teilnehmen. Im Gegensatz zu anderen E-Voting-Projekten erfolgt der Prozess der Abstimmung in der Stadt Zug nicht über einen einzigen zentralen Server, sondern verteilt über eine Blockchain auf vielen Computern. Das soll sie sicherer und weniger anfällig für unbemerkte Manipulationen machen, wie die Stadt Zug mitteilte.

«Vielleicht ist die Zuger Lösung das Ei des Kolumbus», sagte der Zuger Stadtpräsident, Dolfi Müller (SP), vor den Medien, als er mit seiner eigenen digitalen ID abstimmte und damit die Abstimmung eröffnete. Er verwies dabei auf die Kritiker, welche die elektronische Stimmabgabe auf den Plan gerufen hat. Diese befürchten, dass E-Voting-Systeme Ziele von Hackerangriffen werden könnten und ein grosses Sicherheitsrisiko seien.

Bestes E-Voting-System?

Bei der Blockchain-basierten Abstimmung hat die Stadt Zug aber keine derartigen Bedenken: «Hier haben wir eine echte Alternative zu allem, was es im E-Voting derzeit gibt», betonte Müller. «Ich würde sogar sagen, dass dies vielleicht die bestmögliche Abstimmungsvariante ist, die man heute haben kann.» Die Blockchain-Lösung bringe das höchste Mass an Sicherheit und Transparenz. Durch die dezentrale Datenbank seien Missbrauch und Hacking viel schwieriger und die Daten würden bestmöglich verschlüsselt und gespeichert.

Sicherheitsaspekte im Test

Das Zuger E-Voting-System wurde vom in Zug ansässigen IT-Unternehmen Luxoft in Zusammenarbeit mit der Stadt Zug und dem Team des Departements Informatik der Hochschule Luzern (HSLU) entwickelt. Die Lösung verwendet eine Verschlüsselungstechnologie, die einerseits die abgegebenen Stimmen anonymisiert und andererseits eine sichere Prüfung ermöglicht. Soweit die Theorie.

Um ebendies zu testen und gewissermassen zu beweisen, was mit der Blockchain in Sachen E-Voting möglich ist, findet diese Testabstimmung im Rahmen eines wissenschaftlichen Projekts in Zusammenarbeit mit der HSLU statt. Damit sollen verschiedene sicherheitsrelevante Aspekte überprüft werden. Es geht dabei um den Persönlichkeitsschutz, das Abstimmungsgeheimnis, die Unveränderbarkeit der Abstimmung und die Prüf- und Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse.

Dritte können den Quellcode überprüfen

Alexander Denzler, Dozent für Blockchain und Big Data am Departement Informatik der Hochschule Luzern, und sein Team koordinieren das Forschungsprojekt. Alle Beteiligten sind sich bewusst: «Wir sind hier in einem Lernprozess», so Denzler. Wichtig sei vor allem, dass solche Testläufe durch die Politik nicht unterbunden würden. Würde man neue E-Voting-Ansätze erst einmal unterbinden, so fehle die Lernkurve. «Wenn es dann eines Tages heisst ‹Jetzt kann das E-Voting zugelassen werden›, dann hat man keine Erfahrung damit. Wir wollen jetzt lernen, wo wir können.»

Der Lernprozess soll aber nicht auf die Abstimmung in der Stadt Zug begrenzt sein: Dadurch dass die E-Voting-Plattform von Luxoft «open source» ausgestaltet wird, sollen auch unbeteiligte Dritte sich mit dem Quellcode auseinandersetzen und nötigenfalls Verbesserungen anbringen können.

«Wenn Kritik am System laut wird, sagen wir: ‹Schaut euch den Code an. Wenn ihr Sicherheitslücken findet, repariert diese.› Jeder kann etwas beitragen», sagte Denzler gegenüber den Medien. Zudem will Luxoft mit dem Offenlegen des Quellcodes Blockchain-basierten E-Voting-Lösungen weltweit zum Durchbruch verhelfen, wie die Stadt Zug und das Unternehmen mitteilten.

Feuerwerk: ja oder nein?

Selbstverständlich ist das Resultat dieser testweise durchgeführten Abstimmung rechtlich nicht bindend. Die Fragen, die den Teilnehmern gestellt werden, wurden von der Stadt erfunden: So kann das digitale Stimmvolk etwa entscheiden, ob es das Feuerwerk beim Zuger Seefest gut findet oder nicht.

Gefragt wird aber auch, ob die digitale Abstimmung als einfach empfunden wird und zu welchen Dienstleistungen die Bürger mit der digitalen ID künftig Zugang erhalten möchten. Innert zwei Monaten nach der Abstimmung sollen die Erkenntnisse ausgewertet und nach den Sommerferien die Resultate veröffentlicht werden, kündigt die Stadt Zug an.

Stadt Zug als Vorreiterin

Auch wenn zum Zeitpunkt, an dem Dolfi Müller die Abstimmung eröffnete, gerade einmal 240 Zuger Bürger eine digitale ID und damit einen Zugang zur Abstimmung hatten, nimmt die Stadt mit der Konsultativabstimmung eine Vorreiterrolle ein. Bislang gebe es kaum Blockchain-basierte E-Voting-Projekte, an denen man sich orientieren könne, so Denzler von der HSLU. (nsi/sda/mgt)

Digitale Identität in der Stadt Zug

Die digitale ID der Stadt Zug wurde am 15. November 2017 eingeführt und befindet sich in einer Pilotphase (siehe Box «Pilotprojekt in der Stadt Zug: Digitale Identität auf der Blockchain» im Artikel zum «eGovernment Forum 2018»). Neben einer E-Voting-Lösung sind für die Inhaber einer digitalen ID verschiedene andere Anwendungen in der Evaluation, darunter das Ausleihen von Stadtvelos an verschiedenen Orten oder von Büchern in der Bibliothek ohne Bücherausweis. Interessierte haben weiterhin die Möglichkeit, über die Webseite der Stadt Zug und die Installation der «uPort»-App ihre digitale ID zu bekommen und an der Konsultativabstimmung teilzunehmen.

Nach dem Abschluss der Registrierung über die Webseite der Stadt Zug und die «uPort»-App haben die Anwender zwei Wochen Zeit, um bei der Einwohnerkontrolle vorbeizugehen und ihre persönliche ID einmalig beglaubigen zu lassen. Für diese Überprüfung haben sich die Bürger mit ihrem Pass oder ihrer Identitätskarte auszuweisen. Mit einer Beglaubigung bis am 29. Juni besteht auch für Neuregistrierte die Möglichkeit, an der Abstimmung bis am 1. Juli um 23.59 Uhr teilzunehmen. (mgt)