Problematische Abhängigkeiten von Microsoft

Problematische Abhängigkeiten von Microsoft

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Teaserbild-Quelle: Bild: Mike Mozart (CC BY 2.0)

Auf praktisch jeder Gemeinde ist Software des US-Giganten Microsoft im Einsatz. Das verursache teure Abhängigkeiten und Sicherheitsprobleme, kommt ein europäisches Team von Investigativjournalisten zum Schluss.

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Mike Mozart (CC BY 2.0)

Beliebte Produkte, problematische Konsequenzen: Der US-Softwarekonzern Microsoft.

Die Computer laufen mit einem Windows-Betriebssystem, Briefe schreibt man mit Word, Daten werden in Excel-Dateien gepackt, E-Mails mit Outlook verschickt und die Chance ist gross, dass man seine Arbeit und die geschäftlichen Dokumente auf einer Share-Point-Oberfläche organisiert. All diese Produkte haben gemeinsam, dass sie vom US-Software-Giganten Microsoft stammen. In der Geschäftswelt, im privaten Bereich und auch bei staatlichen Institutionen kommt man kaum an den Lösungen der vom Multimillardär Bill Gates gegründeten Firma vorbei.

«Effektive Gefangenschaft»

Gerade im staatlichen Bereich sei dies aber hochproblematisch, lautet die Konklusion einer Untersuchung des Journalisten-Teams Investigate Europe. Weil die digitalen Systeme ständig wachsen und immer wichtiger werden, geraten die Staaten damit immer tiefer in die Abhängigkeit von diesem einen Konzern. Die EU-Kommission räumte sogar ein, sie befinde sich «in effektiver Gefangenschaft bei Microsoft».

Welche Konsequenzen hat dieser «lock-in»? Und was können Regierungen tun, um dem zu begegnen? Die Journaliten kommen zu beunruhigenden Ergebnissen, wie die Berliner Tageszeitung «Der Tagesspiegel» in einem ausführlichen Artikel erklärt:

Die Abhängigkeit der Staaten von Microsoft

  • verursacht stetig steigende Kosten und blockiert den technischen Fortschritt in den staatlichen Behörden,
  • untergräbt systematisch das europäische Beschaffungs- und Wettbewerbsrecht,
  • geht einher mit einem erdrückenden politischen Einfluss für den Konzern,
  • und setzt die staatlichen IT-Systeme samt den Daten ihrer Bürger einem hohen technischen und politischen Sicherheitsrisiko aus.

Wie teuer dieser «Lock-in-Effekt» sein kann, zeigte sich etwa, als Microsoft Ende 2014 die Lieferung von Sicherheits-Updates für die Version Windows XP einstellte. Plötzlich sahen sich staatliche Institutionen quer durch Europa gezwungen, teure Service-Verträge mit dem Konzern abzuschliessen, damit dieser weiterhin Sicherheitslücken in seinem alten Programm schliesst. Die britische Regierung zahlte 6,5 Millionen Euro, nur um noch ein Jahr Zeit für die Anpassung ihrer Rechner an Windows 7 zu bekommen.

Auch die Niederlande sowie die deutschen Bundesländer Niedersachsen und Berlin zahlten mehrere Millionen Euro für die Verlängerung. «Das Gleiche geschah überall in Europa», bestätigte ein Experte der EU-Kommission. Das Problem droht sich In drei Jahren zu wiederholen: Dann enden auch die Updates für Windows 7.

Es sei zudem kein Zufall, dass alle grossen Hackerangriffe auf staatliche europäische Institutionen in den letzten Jahren stets über Sicherheitslücken in Microsoft-Programmen erfolgten, hält der «Tagesspiegel» fest. Microsoft-Programme seien komplex (im Vergleich mit der Open-Source-Konkurrenz) und verwundbar. Insbesondere dias Bürosoftware-Paket Office und die damit hergestellten Dateien seien das wichtigste Einfallstor für Cyberattacken.

Stadt Bern leistet Widerstand

Auch in den Schweizer Amtsstuben führt kein Weg an Microsoft vorbei: Einzig in der Stadt Bern forme sich Widerstand gegen Microsoft, hält Matthias Stürmer, Oberassistent am Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität Bern, Leiter der Forschungsstelle Digitale Nachhaltigkeit und Berner Stadtparlamentarier (EVP), gegenüber dem Onlineportal «Watson» fest.

Dort habe der Stadtrat letztes Jahr einen 843 000-Franken-Kredit genehmigt, um das Potenzial von Open-Source-Software (OSS) zu ergründen. Noch gebe es aber auch in Bern viele Abhängigkeiten zu Microsoft, so dass mehr als fraglich sei, ob die Stadt selbst bei so einem Kredit «aus der Mangel von Microsoft» komme. (aes)

Autoren

Patrick Aeschlimann
Chefredaktor Kommunalmagazin

Patrick Aeschlimann hat an der Universität Zürich Politikwissenschaft studiert und 2010 abgeschlossen. Seit November 2011 ist er als Redaktor beim Kommunalmagazin tätig, seit August 2016 ist er Chefredaktor. Er interessiert sich besonders für politische Themen, die digitale Transformation aller Lebensbereiche und gesellschaftliche Entwicklungen.