Pilotprojekt in der Stadt Zug: Digitale Identität auf der Blockchain

Pilotprojekt in der Stadt Zug: Digitale Identität auf der Blockchain

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Teaserbild-Quelle: Screenshot von stadtzugid.zg.ch

Die Stadt Zug ist in Sachen digitale Identität und Blockchain-Technologie Vorreiterin in der Schweiz. Derzeit befindet sie sich in einer Pilotphase, in der sich Bürger erstmals eine digitale Identität ausstellen lassen können. Damit sollen sie bald auf die elektronischen Behördendienstleistungen der Stadt zugreifen können. Auch das E-Voting möchte die Stadt Zug demnächst über diese Technologie testen.

Screenshot digitale Identität Stadt Zug
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Screenshot https://stadtzugid.zg.ch/

Für die digitale Identität der Stadt Zug braucht man einzig ein Smartphone.

Das Angebot der Stadt Zug basiert auf einer App und einer Verknüpfung mit der Ethereum-Blockchain. Nach der Registrierung des Bürgers auf der App verifiziert die Stadt seine Identität. Er muss dafür einmalig bei der Gemeinde persönlich vorbeigehen und sich ausweisen, sodass seine Identität eindeutig bestätigt werden kann.

Diese Verifizierung wird in der App des Bürgers als eine Art digitales Zertifikat hinterlegt, welches aufgrund der Verknüpfung zur Blockchain unveränderbar ist. Damit ist ein für alle Mal bestätigt, dass der Inhaber dieser digitalen Identität der Bürger XY ist.

«Es werden keine persönlichen Daten auf der Blockchain gespeichert. Die kryptografischen Eigenschaften der Blockchain werden nur dazu verwendet, um dem Bürger eine global gültige digitale Unterschrift zu ermöglichen», erklärt Moritz Baggenstos, Sales Consultant bei «ti&m». Die IT-Beratungsfirma unterstützt die Stadt Zug in dieser neuen und komplexen Thematik.

Zug setzt auf «open source»

In Zug verwendet man dafür «uPort», ein dezentralisiertes Identitätssystem, das auf der Ethereum-Blockchain-Technologie basiert. «ti&m» stellt die Verbindung der städtischen Webseite und Angebote zur «uPort»-App her und begleitet die Stadt in der Pilotphase beim Herantasten an die neuen Technologien und Möglichkeiten.

Weil das ganze Angebot auf Open-Source-Software aufbaut, sei dies eine kosteneffiziente Lösung für die Gemeinde, so Baggenstos. «Die Gemeinde muss so weniger IT-Infrastruktur betreiben. Die Infrastruktur für Logins und Passwörter wird dank der Kryptografie hinfällig. Der Bürger authentifiziert sich über die global gültige, digitale Unterschrift selber.»

Kontrolle beim Bürger

Doch was hat die Stadt Zug oder jede andere Gemeinde, die eine digitale Identität ausstellen möchte, davon? Der Vorteil für die Gemeinde liege insbesondere darin, dass die Verantwortung für sämtliche Login-Daten nicht mehr auf ihren Schultern laste, erklärt Baggenstos.

Heute sind die Login-Daten der Bürger bei der Gemeinde hinterlegt, so dass jeder sich mit seinem Benutzernamen und Passwort anmelden kann. Wird das System der Gemeinde gehackt, verlieren auch alle diese Daten ihren Wert.

Durch die Verknüpfung der digitalen Identität mit der Ethereum-Blockchain ist diese sozusagen in digitalen Stein gemeisselt. Auf der Gemeinde muss lediglich der Zugang zu den Services verfügbar sein, die eigentliche Anmeldung wird aber aufgrund der Verankerung zur Blockchain ermöglicht.

Das System der Gemeinde muss sich also – einfach ausgedrückt – nicht jedes Mal an seinen Benutzer «erinnern», wenn dieser sich einloggen möchte. Es muss lediglich gestützt auf die Information, die unveränderbar auf der Blockchain hinterlegt ist, erkennen, dass die Gemeinde oder eine andere offizielle Stelle diesen «Anker» bereits einmal verifiziert hat. «Die Bürger haben damit die volle Kontrolle über ihre Daten und entscheiden frei, wem sie welche Informationen zur Verfügung stellen möchten», fasst Baggenstos die Idee des dezentralen Systems zusammen.

Phase des Herantastens

«Wir befinden uns aktuell noch ganz am Anfang der Möglichkeiten.» Die Stadt Zug sei weltweit die erste staatliche Institution, die ihren Bürgern die Möglichkeit einer blockchainbasierten Verifizierung biete. Doch die Tendenz gehe ganz klar in diese Richtung. Auch andere Gemeinden und Städte hätten bereits Interesse angemeldet.

Solche Pilotprojekte sind wichtig, um erste Erfahrungen auf kommunaler Ebene zu sammeln, ohne dass das Angebot bereits von A bis Z ausgereift sein muss. Auch wenn das bedeutet, dass zu Beginn vorwiegend besonders technologie- und digitalaffine Bürger diese Angebote testen und nutzen.

Autoren

Nadine Siegle
Stv. Chefredaktorin Kommunalmagazin

Nadine Siegle hat an der Universität Zürich Rechtswissenschaft studiert und 2013 abgeschlossen. Seit September 2016 ist sie stellvertretende Chefredaktorin beim Kommunalmagazin. Sie interessiert sich besonders für Themen der Nachhaltigkeit und Digitalisierung sowie für den sozialen Wandel.